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Alles Gute zum Muttertag: Drei Frauen einer Familie erzählen ihre Geschichte – und was sich verändert hat

Das Leben ist schön

Großenwieden. Margrit Strohmeyer ist offen für Neues, und das sogar noch im Alter von 87 Jahren. Gerade ist sie mit Angehörigen von Eichenborn nach Hameln gezogen. Aufgewachsen ist sie in Hannover, wohlbehütet unter einem Dach mit Eltern, Großeltern und drei Geschwistern. „Mutti war immer für uns da“, erzählt sie und denkt zurück an ihre „wunderschöne Kindheit: morgens raus, abends wieder rein“.

veröffentlicht am 10.05.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Es sind die Erinnerungen einer Frau, deren unbeschwerte Zeit mit Kriegsbeginn jäh endet, Konfirmation und Schulabgang laufen nebenher. Für ihre Tochter und ihre Enkelin sind Margrit Strohmeyers Lebenserfahrungen in der heutigen Zeit wohl kaum mehr vorstellbar. Alle drei eint jedoch, dass sie selbstbewusst durchs Leben gehen. Anlässlich des Muttertages morgen tauschen sich die Frauen aus, gewähren Einblick, wie sie ihre sich verändernden Rollen wahrnehmen. Dabei werfen sie einen Blick zurück, schauen aber auch nach vorne auf das, was noch kommen könnte.

Ihr Pflichtjahr absolviert Margrit Strohmeyer als Jugendliche in einem Landhaushalt, ihre Bürolehre im Textilgroßhandel sowie die Anstellung in einer Maschinenfabrik enden infolge von Bombenangriffen abrupt. „Damals haben wir von einem Tag auf den anderen gelebt“, sagt sie. 1944 erhält sie Feldpost von einem ihr unbekannten Soldaten, der ihr Foto bei ihrem Cousin sah und um ihre Adresse bat. Ein intensiver Briefwechsel folgt, während Margrit Strohmeyer erst als Trümmerfrau, dann bei der Postdirektion arbeitet.

„Wir lebten in einer Matratzenburg“

Als ihr Brieffreund 1948 aus der Gefangenschaft heimkehrt, heiraten sie, ziehen auf den Hof seiner Eltern nach Eichenborn und werden selbst Eltern von vier Töchtern. „Ich war zwar für die Kinder da, aber so intensiv beschäftigen wie meine Mutter damals konnte ich mich nicht mit ihnen, ich musste ja aufs Feld und in den Stall – doch bei meiner Schwiegermutter wusste ich die Mädchen gut aufgehoben“, erzählt sie. Doris Strohmeyer, mit 15 Jahren Altersunterschied die Jüngste, erinnert sich aber auch daran, wie jene Oma pflegebedürftig wurde und ihre Mutter die Pflege übernahm. „Es war alles so, wie es sein musste, unsere Lebensgeschichten sind vorgeschrieben“, erklärt Margrit Strohmeyer im Rückblick.

„Meine Kindheit war bis zum sechsten Lebensjahr wunderschön, ich bin aufgewachsen mit viel Natur, eigenen Tieren und grenzenloser Freiheit“, sagt Doris Strohmeyer. Als sie eingeschult wird, stirbt der Großvater, „als Familienoberhaupt der Halt für den Hof“, und ihre Mutter wird zusätzlich zu Land- und Hausarbeit berufstätig. „Nichtsdestotrotz hat sie aber abends müde an meinem Bett gesessen und Märchen erzählt – unsere einzige gemeinsame Zeit“, sagt die heute 49 Jahre alte Frau.

Gegen Ende ihrer Schulzeit entscheidet sie sich, Erzieherin zu werden. Mit 18 Jahren zieht sie zu ihrer Tante Ilse nach Hameln, heiratet 1986 und erlangt, mittlerweile schwanger, ihre staatliche Anerkennung. Nach der Geburt von Tochter Anne-Kathrin geht es für die junge Familie nach Otternhagen. Dort arbeitet Doris Strohmeyer nach zweieinhalb Jahren Erziehungsurlaub als Erzieherin beim Kinderschutzbund, eine Tagesmutter greift ihr unter die Arme. 1990 zieht sie um nach Großenwieden, wo Tochter Natascha zur Welt kommt.

Doris Strohmeyer verbringt viel Zeit mit ihren Kindern, steckt aber auch viel Liebe und Arbeit in das renovierungsbedürftige Eigenheim in der Oldendorfer Straße. „Wir lebten in einer Matratzenburg, die Diele diente zum Rollschuhlaufen, im Wohnzimmer war ein großer Sandkasten, die Schaukel hing im Türrahmen“, schwärmt Anne-Kathrin. Als Doris Strohmeyer ihre Tochter Natascha im Kindergarten anmeldet, erhält sie zeitgleich das Angebot, im neu gebauten Kindergarten in Fischbeck anzufangen. 18 Jahre arbeitet sie für städtische Einrichtungen, erfährt in den Anfangsjahren Unterstützung durch ihre Tante Ilse, die eigens dafür zu ihnen ins Haus zieht. Erst vor kurzem hat Doris Strohmeyer in Rinteln eine neue Stelle angetreten. Sie sagt: „Da ich seit 1997 alleinerziehende, berufstätige Mutter bin und nebenbei das Haus fertig renoviert habe, gönne ich mir jetzt, wo die Mädchen aus dem Haus sind, einen Halbtagsjob.“ Und sie fügt hinzu: „Die Kinder sind und waren das Wichtigste in meinem Leben, an erster Stelle meine eigenen, aber auch die vielen 100, die ich in 25 Jahren Berufstätigkeit ins Leben begleiten durfte.“

Wie ihre Mutter und ihre Großmutter hegt Anne-Kathrin Strohmeyer „schöne Erinnerungen“ an ihre Kindheit, auch an die Stunden mit ihrer Tagesmutter in Otternhagen. „Nach dem Umzug war Großenwieden dann für mich die Welt, das Haus war mein Spielplatz, im urwüchsigen Garten haben wir Ringelblumen gezogen und Salbe daraus gemacht“, erzählt sie. Alte Familienvideos mit Aufnahmen ihrer Schwester und Dackel Fee im Kinderwagen erinnern an jene „lustige Zeit“ und sie bekennt sich dazu, ein „Papakind“ gewesen zu sein. Gerne sei sie im Freien, oft auf dem benachbarten Bauernhof gewesen, „viele Kinder kamen auch zum Spielen zu uns in den Garten“, sagt sie und erklärt: „Dass Mama arbeiten musste, dass das nicht anders geht, das war mir schon früh klar.“

Als Anne-Kathrin Strohmeyer ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten beendet, zieht sie aus und nimmt eine Stelle in einer Kinderarztpraxis an. „Der medizinische Teil der Arbeit und die Arbeit mit den Kindern, das zusammen ist ideal.

Zusätzlich bilde ich mich weiter – wer weiß, was noch kommt“, sagt die 26 Jahre alte Anne-Kathrin, die mit ihrem Freund in Großenwieden zusammenwohnt und ergänzt: „Ich kann mir schon vorstellen eine Familie zu gründen; ob ich danach wieder berufstätig oder zur Glucke werde, das wird die Zukunft bringen.“

Drei Frauengenerationen an einem Tisch (von links): Anne-Kathrin (26), Margrit (87) und Doris (49) Strohmeyer.ah



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