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Private Initiative macht es möglich – mehrere Generationen leben in Rumbeck unter einem Dach

„Das ist zukunftsweisend fürs Leben im Dorf“

Rumbeck (bj). „Nehmen Sie junge Leute, damit hier Leben einzieht“, mit diesen Worten läuft die siebzigjährige Rita Gobel beim neuen Eigentümer des ehemaligen Gast- und Pensionshauses Weserkrug in Rumbeck offene Türen ein. Sie ist nach dem Verkauf der Immobilie an Alois Schräder in ihrer Wohnung geblieben, während die anderen Mieter weggezogen sind. Schräder, der den Gebäudekomplex mit neun Wohnungen im Sommer 2010 erwarb, wird von Rita Gobel, ohne dass sie es weiß, in dem bestärkt, was seit zwanzig Jahren seine Vision ist. „Ich möchte mit Menschen aller Altersstufen eine Gemeinschaft leben, die sich von der herkömmlichen Mietsituation in Mehrfamilienhäusern unterscheidet“, sagt der gelernte Krankenpfleger.

veröffentlicht am 20.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:21 Uhr

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Gemeinsam mit seinem Lebenspartner sieht er in dem ehemaligen Rumbecker Gasthaus die Chance, seinem Ziel näherzukommen. „Die Vorbesitzer, Familie Wilmersdorf, hatten bereits die Wohnungen ausgebaut. Wir haben sie nach und nach umgebaut. Dabei haben wir Wert darauf gelegt, sie möglichst barrierefrei zu gestalten, damit auch ältere Menschen problemloser bei uns wohnen können“, erklärt Alois Schräder.

Und genau das war für Gisela (65 Jahre) und Dieter Katstein (68 Jahre) aus Rinteln der ausschlaggebende Grund, sich für eine Wohnung in Alois Schräders Haus zu entscheiden. „Als wir das Bad gesehen haben, wussten wir endgültig, dass wir einziehen wollten“, erinnert sich das Ehepaar. Schräders Konzept, möglichst mehrere Generationen unter einem Dach zu vereinen, habe ihnen sowieso zugesagt und sie seien froh, nun eine Wohnung zu haben, „die auf Zukunft“ gebaut ist.

„Im Moment können wir noch anderen helfen, wenn wir älter werden, freuen wir uns über die Hilfe Jüngerer“, sagt Dieter Katstein und führt den Lastenaufzug vor, mit dem er auch für Rita Gobel schwere Kisten und Einkäufe hochhievt. „Das ist doch gelebte Gemeinschaft, wenn man auch für andere da sein kann“, freut sich Gisela Kat-stein und versichert glaubhaft, dass sie ihre Entscheidung, von der Stadt ins Dorf zu ziehen, nicht bereut. Bei Katrin Menden sorgte der Wunsch, ihren Söhnen eine Kindheit auf dem Land zu ermöglichen, für den Umzug von Bonn nach Rumbeck. Da sie aus Uchtdorf stamme, habe sie hier in der Region gesucht. „Im Internet sah ich die Wohnungsanzeige mit den Fotos und der Idee des Mehrgenerationenhauses“, sagt sie. Nun freue sie sich über das nette Miteinander im Haus und sei offen für die weitere Entwicklung. Jonas (8 Jahre) und Dennis (5 Jahre) spüren, dass sie willkommen sind, und finden es „super, weil man hier auch so gut spielen kann“. Im Weserdorf freut man sich, dass innerhalb von nur 18 Monaten 17 Personen zugezogen sind. Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger begrüßt das Modell von Alois Schräder. „Das ist zukunftsweisend fürs Leben im Dorf, wenn sich jemand privat derart engagiert. Solche Initiativen gewährleisten die Überlebensfähigkeit unserer Dörfer“, lobt er und sichert bei den weiteren Planungen seine Unterstützung zu.

„Wir sind mit unserer Vision eines Mehrgenerationenhauses hier in Rumbeck auf sehr positive Resonanz gestoßen“, freut sich Alois Schräder. Das sei in einem eher konservativen Umfeld nicht selbstverständlich. Umso mehr freue ihn die Aufgeschlossenheit innerhalb der doch eher ländlichen Nachbarschaft. „Als wir im Dezember unsere Galerie und den Seminarraum eingeweiht haben, kamen viele Einheimische vorbei, um zu sehen, was hier geschieht“, sagt Schräder. Dabei sei es nichts Spektakuläres, was im Haus passiere. „Wir leben hier im Alltag wie in einer sehr guten Nachbarschaft. Jeder kann für sich sein, aber jeder weiß auch, dass andere im Haus für ihn da sind“, führt er aus. Es gäbe keinerlei Verpflichtung zu gemeinschaftlichen Veranstaltungen, „aber oft entstehen sie spontan, ohne Zwang“, weiß er aus der Erfahrung des letzten Jahres. Für die nahe Zukunft wünscht er sich, dass sich viele Menschen für sein Modell interessieren, und er kann sich vorstellen, dass nicht nur er Seminare im ehemaligen Gasthaus anbietet. „Wir freuen uns über alle, die nach Rumbeck kommen, die gelebte Gemeinschaft praktizieren möchten und nicht nur Theorien dazu entwickeln“, sagt der dynamische Sozialunternehmer. So jedenfalls beschreibt Alois Schräder sich selbst, wenn man ihn nach seinem Beruf fragt.



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