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Niedersächsischer Medienpreis für Reportage über das Taubblindenwerk

„Das ist großes Fernsehen“

FISCHBECK/HANNOVER. „Vielleicht erwartet man unterbewusst, dass die Menschen traurig und hilflos sein müssten – aber das sind sie nicht, und das ist offensichtlich der Verdienst der engagierten und liebevollen Mitarbeiter“, sagt Nadja Kott. Die freie Journalistin ist beeindruckt von ihrer Arbeit im Taubblindenwerk.

veröffentlicht am 27.12.2017 um 17:21 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 19:24 Uhr

Das Taubblindenwerk in Fischbeck steht im Mittelpunkt der Reportage, die jetzt ausgezeichnet wurde. Foto: Dana
Johanna Lindermann

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Johanna LindermannDWZ Volontärin
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Sie habe schon viele spannende und schöne Dreharbeiten erleben dürfen – doch die Arbeiten im Taubblindenwerk in Fischbeck und in Hannover „stachen noch einmal besonders hervor“. Mit ihrer Reportage über das Leben der Taubblinden hat die Journalistin jetzt den Niedersächsischen Medienpreis gewonnen.

Die fünfteilige Miniserie „In einer anderen Welt – Leben mit Taubblindheit“ wurde zum 50-jährigen Jubiläum der Einrichtung im Mai bei RTL Nord ausgestrahlt. Darin berichtet die Journalistin über den Alltag hörsehbehinderter und taubblinder Menschen. Unter anderem reiste sie dafür Anfang des Jahres in ein Internat für taubblinde Kinder in Hannover und in das Taubblindenwerk in Fischbeck.

„In fünf Drehtagen, haben der Kameramann Florian Stege und ich versucht, die Welt der taubblinden Menschen möglichst gut einzufangen“, sagt Kott. „Und wir waren sehr überrascht und froh über das Vertrauen, welches uns sofort entgegengebracht wurde.“ Die meisten der Mitarbeiter, die sich zu diesem Projekt bereit erklärt hatten, hätten noch nie vor der Kamera gestanden und es dennoch geschafft, innerhalb von kürzester Zeit vor der Kamera „professionell und mit sehr viel Herzblut“ über ihre Arbeit mit hörsehbehinderten und taubblinden Menschen zu berichten. „Nur dadurch ist es gelungen, den Zuschauer in die andere Welt eintauchen zu lassen – und das Herz zu berühren“, sagt Kott. „Wir selber mussten dabei gar nicht mehr viel machen.“

Nadja Kott mit Laudator Martin Kind (links) und Moderator Detlef Simon (rechts) bei der Verleihung des Niedersächsischen Medienpreises in Hannover. Foto: www.scheffen.de
  • Nadja Kott mit Laudator Martin Kind (links) und Moderator Detlef Simon (rechts) bei der Verleihung des Niedersächsischen Medienpreises in Hannover. Foto: www.scheffen.de

Wir haben so viele fröhliche und starke Betroffene kennengelernt, die sich voller Freude und Stolz in unser gemeinsames Projekt gestürzt haben.

Nadja Kott, Freie Journalistin

Ungewöhnlich seien die Dreharbeiten unter anderem auch für den Kameramann gewesen, der besonders feinfühlig habe arbeiten müssen sowie stets mit der Möglichkeit, dass etwas Unerwartetes passieren könne.

Unter anderem begleitete Nadja Kott in ihrer Reportage gehörlose Menschen, die zu erblinden drohen und sich darauf vorbereiten, hörsehbehinderte Kinder, die durch Gebärden oder das sogenannte Lormen – ein Tastalphabet auf der Hand – zum ersten Mal in ihrem Leben bemerken, dass sie mit anderen kommunizieren und Einfluss auf ihr Leben nehmen können, sowie taubblinde Paare, Theatergruppen und auch eine Musikgruppe, die aus taubblinden und hörsehbehinderten Menschen besteht. Einig sind sich die Betroffnen sowie ihre Helfer alle: Taubblinde Menschen können ein halbwegs selbstständiges Leben führen und empfinden mindestens genauso viel Lebensfreude wie jeder andere Mensch – sie schätzen eben viele Dinge, die für gesunde Menschen selbstverständlich sind, viel höher ein.

„Das ist großes Fernsehen“, fand die Jury des Niedersächsischen Medienpreises 2017, die sich aus renommierten Fachleuten, Professoren und Journalisten aus ganz Deutschland zusammensetzt. Kotts Beiträge zeichneten sich durch „starke Szenen und eine große Bildervielfalt“ aus. „Mit viel Respekt und Empathie gelingt es der Autorin, eine große Nähe zu den Protagonisten herzustellen. Sie schafft es, den Zuschauer zu berühren, ohne traurige Betroffenheit auszulösen“, begründete die Jury ihre Entscheidung, Kott mit dem diesjährigen Niedersächsischen Medienpreis auszuzeichnen.

Die Auszeichnung gibt es bereits seit 23 Jahren. Für Nadja Kott ist es der dritte Landesmedienpreis. Aber „die Freude wird natürlich nicht weniger, erst recht nicht, wenn es sich um so ein Herzensprojekt handelt“, sagt Kott. „Wir haben so viele fröhliche und starke Betroffene kennengelernt, die sich voller Freude und Stolz in unser gemeinsames Projekt gestürzt haben und denen wir durch unsere Anwesenheit und die damit verbundene Wertschätzung eine riesige Freude machen konnten.“ Das sei mindestens genauso schön wie der Preis der Jury.

„Wir freuen uns sehr über die Anerkennung der herausragenden Arbeit von Nadja Kott, die sie mit ihrer Wochenserie über taubblinde und hörsehbehinderte Menschen in unserer Einrichtung geschaffen hat“, sagt Volker Biewald, Geschäftsführer des Deutschen Taubblindenwerks in Hannover. Er hoffe, dass mit der Auszeichnung das Leben von Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung stärker in den Fokus rücke. Nach aktuellen Schätzungen sei mindestens eine von 10 000 Personen von Taubblindheit betroffen. „Die Menschen aber nur über ihr schweres Schicksal und ihre Einschränkungen wahrzunehmen, wird unseren Bewohnern mit einem erfüllten und glücklichen Leben nicht gerecht“, so Biewald. Deshalb sei die Arbeit von Nadja Kott so wichtig.

Derzeit arbeitet die Journalistin, die sich besonders gerne mit sozialen Themen beschäftigt, an drei Teilen zur Qualifizierung von Taubblindenassistenten. Die Serie soll in der ersten Januarwoche auf RTL Nord ausgestrahlt werden.


Video: Die fünfteilige Reportage von Nadja Kott ist auf www.rtlnord.de kostenfrei zum Nachschauen verfügbar.

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