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Schillat-Höhlen-Führer Klaus Göbel hört auf / Eine Geschichte von Geistern, Gospels und Geburtstagen

„Das ist der ideale Schlusspunkt“

Langenfeld. „Wir sind dankbar dafür, dass Klaus Göbel uns diese fantastische Reise in die Vergangenheit mit seiner unnachahmlichen Art ermöglicht hat“, hat ein Paar ins Gästebuch der Schillat-Höhle geschrieben. Seit zehn Jahren führt Göbel Gäste durch die Tropfsteinhöhle; gestern hat er sich mit Helm und Bergwanderstiefeln zum letzten Mal mit dem Untertage-Gruß „Glück auf!“ auf den Weg gemacht.

veröffentlicht am 31.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Über das Filmen entdeckte der graduierte Betriebswirt seine Liebe zur Höhle: „Ich habe ein Video über Hessisch Oldendorf gedreht, und der damalige Stadtdirektor Wilhelm Kuhlmann meinte, ich müsse unbedingt noch die Schillat-Höhle aufnehmen.“

2002 kommt Göbel zum ersten Mal mit Kamera in die Höhle – und ist sofort begeistert. „Im selben Jahr lernte ich Höhlenentdecker Hartmut Brepohl kennen und durfte mehrmals an seinen Führungen teilnehmen“, erinnert er sich. Im Herbst 2003 möchte er Brepohl erneut begleiten, als dieser ihn bittet: „Kannst du die Führung machen, ich bin leider verhindert.“ „Mit zitternden Knien habe ich meine Premiere absolviert – und die Gäste haben nicht gemeckert“, sagt Göbel.

Er lässt sich zum Höhlenführer ausbilden und übernimmt von 2004 bis zum gestrigen Tag 1350 offizielle Führungen mit geschätzt 20 000 Gästen, darunter natürlich viele aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland. Zur Erinnerung bewahrt er alle Fotos, Kopien von Gästebucheinträgen und Zeitungsartikel über die Höhle in einem Fotoalbum auf.

„Liebend gern habe ich Kinder bei Führungen dabei, sie stellen Fragen, haben Fantasie und strahlen immer, wenn ich ihnen einen Glücksstein schenke“, sagt Göbel. Umgeben von Stalagmiten, Stalaktiten und fluoreszierenden Steinen erzählt er vom Höhlengeist, zeigt dessen steinerne Hand und Kiefer oder den Fuß von Donald Duck. Manchmal seien unter den Gästen Personen, die nicht mit in die Höhle kommen wollten. „Ich habe Verständnis für ihre Angst, fahre mit Betroffenen dann erst mal alleine die 45 Meter im Fahrstuhl hinab – und bislang ist es mir immer gelungen, ihnen die Angst zu nehmen“, berichtet er.

Eine seiner schönsten Erinnerungen liegt zwei, drei Jahre zurück. Wie immer fragt er eingangs in die Runde: „Hat einer heute Geburtstag?“ Jemand aus der Gruppe habe daraufhin zu einer Frau gesagt: „Du hattest doch gestern Geburtstag.“ Beim „Geburtstagssessel“ in der Höhle angekommen, lässt Göbel die Frau Platz nehmen und stimmt „Happy Birthday“ an. „Erst murmelten die meisten nur mit, doch danach legten alle los – es handelte sich nämlich um einen Gospelchor, der Gesang in der Höhle klang einfach wundervoll“, erinnert sich Göbel.

Am „Märchenwald“ setzt er stets unauffällig den Wasserfall in Bewegung. „Ich erkläre dann, das sei die Toilettenspülung des Höhlengeistes“, sagt er. „Einmal blieb ein Kind gebannt davorstehen und meinte: Ich warte, dass das Toilettenpapier kommt.“

Alle zwei Jahre nehmen die Höhlenführer an einem Lehrgang des Roten Kreuzes teil und alljährlich organisieren sie einen Ausflug in eine andere Höhle. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass unter Tage kein Müll liegenbleibt und reinigen die Scheiben der Vitrinen. „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen und Landfrauen im Huthaus klappt hervorragend“, lobt Göbel. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Manchmal, nach maximal fünf Führungen an einem Tag, sei er erschöpft, gesteht er und fügt hinzu: „Ich bin jetzt 77 Jahre alt, seit zehn Jahren bin ich hier dabei – das ist der ideale Schlusspunkt.“ Als Erinnerung hinterlässt er eine traumhaft schöne DVD über die Schillat-Höhle.

Weitere Bilder gibt es im Internet: dewezet.de



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