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Jürgen Ziegler: Starke Vermehrung erfordert erhöhten Abschuss / Wildfleisch als Delikatesse geschätzt

Damit Wildschweine nicht zur Plage werden

Hessisch Oldendorf (bj). „Bock auf Wild“, diese Titelzeile eines Kochbuches könnte ein Indiz für ein verändertes Verbraucherbewusstsein sein. Verzehrt doch jeder Bundesbürger pro Jahr im Schnitt 60,5 Kilo Fleisch und davon sind im Moment nur 1,5 Kilo Wildfleisch. Doch nun scheinen sich die Vorzüge des Wildfleisches bei den professionellen und den Hobbyköchen herumzusprechen. Das Fleisch vom Reh, von Damwild, Rotwild und Schwarzwild hat einen hohen Proteinanteil und ist fettarm. Es erlaubt vielfältige Arten der Zubereitung, und gerade in der Herbst- und Winterzeit ist es eine Bereicherung des Speiseplans.

veröffentlicht am 19.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 05:21 Uhr

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Besonders Wildschweingerichte bieten sich in der nächsten Zeit an. Zwar dürfen Frischlinge das ganze Jahr über bejagt werden, die Rehböcke sind ab Mai freigegeben, doch die eigentliche Hauptjagdzeit beginnt mit dem sich färbenden Laub. In den letzten Wochen konnte man im Weserbergland Jäger beobachten, die während der Maisernte versuchten, Wildschweine zu erlegen. Diese finden über den Sommer in den Maisbeständen nicht nur reichlich Nahrung, sondern auch optimale Deckung. Wenn die Maisfelder abgeerntet sind, ziehen sich die Wildschweine in den Wald zurück. Ende Oktober beginnt in unseren Mischwäldern die Zeit der Drückjagden. „Die Jagdpächter organisieren revierübergreifende Jagden, diese sind konzeptionell gut geplant und haben die deutliche Zielsetzung, eine möglichst hohe Anzahl von Wildschweinen zu erlegen“, erklärt Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Die konsequente Bejagung sei notwendig, da sich die Wildschweinbestände in den letzten fünfzig Jahren verzehnfacht haben und es keine Seltenheit ist, dass sie selbst in Gärten auftauchen – vom großen Schaden auf dem Feld einmal ganz abgesehen. Der Ausbruch einer Schweinepest hängt bei einem großen Schwarzwildbestand wie ein Damoklesschwert über jeder Region. „Da bereits Frischlinge Vermehrungsträger sind, das heißt mit etwas über 20 Kilo geschlechtsreif sind, wundert es nicht, dass die Vermehrungsrate des Schwarzwildes bei 300 Prozent liegt“, erklärt Ziegler. Wenn der Spaziergänger jetzt im Herbstwald Frischlinge sieht, liegt das außerdem daran, dass das Schwarzwild im Gegensatz zu Reh, Damwild und Rotwild keine festen Setzzeiten hat. „Eine Bache kann das ganze Jahr über rauschig werden“, sagt Jürgen Ziegler, der auch Vorsitzender der Kreisjägerschaft ist. Ziegler liefert eine weitere Erklärung: „Wenn die Bachen im letzten, extrem kalten Winter möglicherweise einen Wurf Frischlinge verloren haben, wurden sie im Frühjahr rauschig und haben deshalb erneut Frischlinge.“

Ein Widerspruch zur Zielsetzung der konsequenten Bejagung wäre der Abschuss der großen weiblichen Tiere. Die erfahrenen Alttiere führen die jüngeren Bachen, die Überläufer und Frischlinge einer Rotte. Wird die Leitbache erlegt, wird das Sozialgefüge der Rotte zerstört und die jüngeren Tiere gehen orientierungslos auf Futtersuche, tauchen hier und dort auf. „Deshalb sollten wir Jäger bemüht sein, die führende Leitbache einer Rotte zu schonen und stattdessen junge Stücke erlegen“, appelliert der Kreisjägermeister an seine Waidgesellen.

Da bei einer erfolgreichen Jagd mehr Wildbret anfällt, als die Jäger für ihren eigenen Bedarf benötigen, hat jeder Verbraucher die Möglichkeit Wild zu kaufen. „Wer Wildfleisch verzehrt, kann es vom heimischen Jäger beziehen und er trägt zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen in der Region bei“, erklärt Jürgen Ziegler. „Der Verbraucher kann sicher sein, dass durch die europäische Lebensmittelverordnung die Kette vom Verkäufer zum Verbraucher genau überwacht wird“, verspricht der Kreisjägermeister. Jeder Jäger muss nämlich eine Schulung zur Wildbrethygiene nachweisen und er muss von jedem erlegten Stück Schwarzwild eine Trichinenprobe zur Untersuchung beim Veterinäramt des Landkreises abgeben. Dort wird von geschulten Mitarbeitern die Untersuchung vorgenommen, und erst, wenn das Ergebnis vorliegt, darf das Wildschwein vermarktet werden. Der Verbraucher kann beim Wildhändler, bei den Forstämtern oder den Revierinhabern ganze Stücke erwerben oder sie fach- und sachgerecht zerlegt kaufen.

Ob die Abschusszahl des letzten Jahres erreicht oder sogar übertroffen werden kann, ist laut Jürgen Ziegler von der Bejagbarkeit abhängig. Da es in diesem Herbst keine Eicheln- und Bucheckernmast gibt, sind die Wildschweine gezwungen, den Wald zu verlassen und sich im Feld Nahrung zu suchen. Weil die Landwirte auf ihren Feldern Senf als Zwischenfrucht ausgesät haben, finden die Tiere dort Schutz. „Nur wenn diese Pflanze frühzeitig niederfriert, haben wir die Möglichkeit in den Vollmondphasen an eigens angelegten Kirrungen das Schwarzwild zu erlegen“, sagt der Kreisjägermeister. Als Kirrung bezeichnet der Jäger das Ausbringen von Futter, um Schwarzwild anzulocken. Jürgen Ziegler hofft, dass die Abschusszahl der Vorjahre wieder erreicht wird. Diese schwankt in den letzten zehn Jahren zwischen 799 im Jahr 2006/07 und 1998 im Jahr 2001/02. Vor zwei Jahren konnten die Jäger 1970 Schwarzkittel zur Strecke bringen, im Vorjahr waren es 1173, aus denen wohlschmeckende Braten und Schinken gemacht wurden. „Erklärtes Ziel für diese Jagdsaison muss es sein, viel Schwarzwild zu erlegen“, fordert Kreisjägermeister Jürgen Ziegler.



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