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Grundschüler trainieren Deeskalation / Verein beklagt mangelndes Interesse der Eltern

Damit Gewalt keine Chance hat

HESSISCH OLDENDORF. Mit 340 Kindern ist die Grundschule am Rosenbusch die größte der vier Grundschulen im Stadtgebiet. Schulpädagogik stellt sich in der Kernstadt sehr vielseitig dar: Hochbegabte werden ebenso gefördert wie Kinder mit körperlichen, sprachlichen oder geistigen Einschränkungen. Zu den Lerninhalten gehören Deeskalationstraining oder auch die Thematisierung von Cyber-Mobbing.

veröffentlicht am 06.12.2017 um 16:13 Uhr
aktualisiert am 06.12.2017 um 20:00 Uhr

Cyber-Mobbing tut sehr weh – diese Erfahrung macht Lasse beim Spiel der Präventionspuppenbühne der Polizeidirektion Göttingen. Foto: ah
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Annette Hensel Reporterin
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Nicht nur für die Generation der Urgroßeltern mögen das böhmische Dörfer sein. Daher skizziert Juliane Dohme, Vorsitzende des Elternvereins, die allmorgendliche Situation der Schüler aus den umliegenden Dörfern: „Der Bus ist morgens total überfüllt – da entstehen schon auf dem Schulweg Konflikte.“ Schulleiterin Monika Rehberger erläutert:„Seit Jahren lernen die Kinder über das Deeskalationstraining viel über ihr eigenes Verhalten, außerdem wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt.“ Der Elternverein kümmert sich um die Finanzierung, damit jährlich alle Jahrgänge an dem Training teilnehmen können. „Ortsräte und Stiftungen unterstützen uns hierbei, leider ist das Interesse der Eltern nicht so groß, nur rund 100 Erziehungsberechtigte sind Mitglied in unserem Verein. Die Zahl der Neuanmeldungen zum Schuljahresbeginn war nur gering und zu unserer letzten Mitgliederversammlung ist nur ein Elternteil zusätzlich bei uns Vorstandsmitgliedern erschienen – dabei geht es doch um unsere Kinder“, betont Dohme.

Die Schulleiterin weiß ähnliche Geschichten zu erzählen: „Zum Thema Mobbing/Cyber-Mobbing hatten wir die Eltern zu einer Veranstaltung eingeladen, zwölf Erziehungsberechtigte nahmen daran teil. Dabei sind Eltern haftbar, wenn ihr Kind andere Kinder mobbt – das hätte alle interessieren müssen“, erklärt sie und fährt fort: „Wir erreichen heute viele Eltern nicht mehr – daher waren wir dankbar über das Angebot der Präventionspuppenbühne der Polizeidirektion Göttingen zum Schutz der Kinder ein Puppenspiel zum Thema Cyber-Mobbing in der Schule aufzuführen.“ Rehbergers Eindruck ist, dass sich viele Eltern auch nicht mehr damit auskennen, was in der Schule passiert und die Lehrer durchnehmen. Zugleich habe sich der Stellenwert von Schule verändert: „Viele kommen morgens zu spät, nehmen Schule nicht ernst genug – in Bezug auf die Verbindlichkeit von Regeln sehe ich schon auch die Eltern in der Verantwortung“, betont sie.

„Schule kann besser funktionieren durch einen besseren Dialog mit den Eltern – aber was machen, wenn die erst gar nicht zu Elternabenden erscheinen?“, fragt Juliane Dohme, die findet, dass die gegenseitige Wertschätzung im Schulalltag wieder gestärkt werden muss.

Um Schüler auf ihrem Weg ins Leben bestmöglich zu begleiten, trifft sich drei Mal pro Woche nach dem Unterricht die Soziale Gruppe, ein von zwei Sozialpädagoginnen begleitetes Modellprojekt des Landkreises. Außerdem nimmt fast das gesamte Kollegium an einer Marte Meo-Fortbildung teil. Die Methode hat zum Ziel, mithilfe von Videoaufnahmen (auch eigenes) positives Verhalten zu erkennen und zu bestärken und im Falle der Schüler deren Entwicklung zu unterstützen.

2018 ist an der Grundschule am Rosenbusch der Vortrag „Lernen lernen“ einer Lehrerinitiative aus Berlin geplant, der sich an Eltern und Lehrer richtet.

„Da geht es vor allem um Beziehungsarbeit – und die geht uns alle etwas an“, meint Monika Rehberger. Sie hofft, dass das Interesse größer sein wird als beim Cyber-Mobbing-Vortrag. „Momentan bekommen wir hier den Gedanken von Solidarität und Gemeinschaft nicht unter einen Hut“, fügt sie hinzu.

„Insgesamt wachsen Kinder heute anders auf, allein durch die mediale Beschallung und Bilderflut, der sie ausgesetzt sind. Das macht etwas mit ihnen – dadurch sind sie nicht mehr so aufnahmefähig und konzentriert“, fährt sie fort.

Zumindest Schule müsse daher ruhig sein und dafür einen Ruheraum aufweisen können – „sonst bekommen wir auch die Differenzierung vom Förderkind zum hochbegabten Schüler nicht mehr hin.“ 70 zusätzliche Stunden zur Lernförderung erhält die Grundschule durch den Hamelner Verein S.A.M. Als „Schule, die fördert und fordert“, gehört die Grundschule am Rosenbusch seit 2005 dem Kooperationsverbund zur Hochbegabungsförderung Hameln-Pyrmont an. Er stellt der Schule 5,5 Stunden pro Woche zur Verfügung, in denen sich begabte Kinder während der Unterrichtszeit im sogenannten Mathe- oder Leseclub treffen. 64 Stunden von pädagogischen Mitarbeiterinnen werden zur sozial-emotionalen Förderung von Kindern ohne Schulbegleitung eingesetzt (die Grundschule nimmt am Inklusionsprojekt des Landkreises teil).

„Dass die Förderung direkt bei uns verortet ist, tut der Lernatmosphäre sehr gut“, so die Schulleiterin. Um das vielseitige Angebot an der Schule zu erhalten, seien Räume mehrfach belegt: Dort, wo die Soziale Gruppe beheimatet ist, können sich Fördergruppen niederlassen und da findet auch der Türkischunterricht statt. Das Elterncafé wiederum dient in der Pause als Ruheraum, die Mehrzweckhalle als Rückzugsort für Kinder mit körperlichen, sprachlichen oder geistigen Einschränkungen und ihre Schulbegleitung. „Mein Wunsch ist, dass gesehen wird, dass Bildung Raum braucht – das muss sich in den Köpfen der Politik festsetzen“, wünscht sich Rehberger.

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