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A-cappella-Konzert mit „AkkordArbeiter“ im Kultourismusforum

Brillante Stimmen des Quintetts ersetzen ein ganzes Orchester

Hessisch Oldendorf (boh). „Wer in diesen Räumen eine Bücherei etablieren möchte, entscheidet sich zumindest hier definitiv gegen die Kultur“, appellierte Culturvereinsvorsitzende Barbara Jahn-Deterding an Politik und Verwaltung. Der „Glaspalast“ als Anbau am Rathaus habe sich inzwischen im Bewusstsein der Kulturinteressierten als erste Anlaufstelle in Hessisch Oldendorf gemausert. „Und dieses zarte Pflänzchen, das hier in den letzten Jahren etabliert wurde, gehört anständig gepflegt“, so Jahn-Deterding weiter. Nicht zuletzt Auftritte wie den der „AkkordArbeiter“ geben der Vorsitzenden recht. Das A-cappella-Quintett – vier gestandene Herren und eine von ihnen als „Quotenfrau“ bezeichnete Sopranistin – zeigte eindrucksvoll, dass es nicht immer des großen Orchesters bedarf, um Musik perfekt, luftig-leicht und mit ungeheurer Rasanz über die Bühnenbretter zu bringen. Bestes Beispiel: Gioacchino Rossini – ein Komponist, der bis heute polarisiert. Bekannt geworden ist Rossini für seine magisch-mechanistischen Orchestercrescendi, die auch heute noch in jedem Konzert und auf jeder Opernbühne die Zuhörer von den Sitzen reißen. Seine Ouvertüren gehen sofort ins Ohr und beweisen nach fast 200 Jahren Konzertpräsenz, warum Stendhal den Komponisten als „Napoleon der Musik“ bezeichnete. Das Orchester Rossinis muss brillant aufspielen, um den großformalen musikalischen Bogen perfekt zum Klingen zu bringen. Doch es geht auch minimalistisch beeindruckend, wie die AkkordArbeiter mit der berühmten Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ im voll besetzten Kultourismusforum bewiesen. Das markant-fröhliche Geplapper der Holzbläser imitierte das Vokalensemble ebenso hinreißend auf hohem musikalischen Niveau wie den lebensbejahenden Gestus der gesamten Potpourri-Ouvertüre. Perfekt in Intonation und vor allem in der musikalischen Interaktion gelang den AkkordArbeitern ein witziges Kabinettstück mit herausragender Variabilität als harmonisch-ästhetische Verbeugung vor „Monsieur Crescendo“. Grundsätzlich muss gefragt werden, was mehr gelobt werden soll: Die beeindruckende Qualität der Gesangsstimmen der AkkordArbeiter? Die gelungene Liedauswahl von der Renaissance bis zur Moderne? Ihre anspruchsvoll-unterhaltsamen Interpretationen wie etwa den zungenbrecherischen „Speisezettel“, der nicht nur musikalisch das Wasser im Mund der Zuhörer zusammenlaufen ließ? Oder ihre witzigen Überleitungen zu Liebesliedern, bei denen Treue und Untreue dicht beieinander liegen, humorvoll präsentiert in der alttestamentarischen Geschichte von Potifars Frau, die sich in der „Bar zu Krokodil“ allnächtlich vergnügt. Interpretatorische Akzente setzten die vier Sänger und ihre Mitstreiterin vor allem im zweiten Teil des Programms unter anderem mit ihrer persönlichen Version des „Kriminaltangos“, was den donnernden Applaus geradezu herausforderte. Zwei Zugaben später dürfte auch dem letzten Zuschauer klar gewesen sein, dass das Kultourismusforum für Auftritte wie den der AkkordArbeiter weiterhin nutzbar bleiben muss.

veröffentlicht am 14.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:41 Uhr

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Perfekt, luftig-leicht und mit ungeheurer Rasanz sorgen die Sänger für Vielfalt von der Renaissance bis zur Moderne.

Fotos: boh

Stilecht brachten die „AkkordArbeiter“ den Kriminaltango auf die Bühne.

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