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Dreimal kugelrunder Bauch – dreimal nicht gepasst: Jetzt soll sich jemand anders trauen

Brautkleid ungetragen zu verkaufen

Fuhlen. „Cremefarbenes Hochzeitskleid, ungetragen“ abzugeben, diese Anzeige in der Dewezet erstaunte die Redaktion nicht schlecht. Die Spekulationen reichten von: „Vielleicht haben sie es sich kurz vorher anders überlegt?“, bis hin zu „das Kleid gefiel der Braut einfach nicht mehr, Umtausch ausgeschlossen?“ Also wurde kurzerhand beschlossen, die angegebene Nummer zu wählen und der Sache auf den Grund zu gehen. Welch schöne Geschichte sich tatsächlich hinter der Anzeige versteckt, darauf hätte zuvor allerdings niemand kommen können.

veröffentlicht am 08.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Nina Reckemeyer
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„Ganz in Weiß“ – diesen Traum haben viele Frauen von ihrem schönsten Tag im Leben. Manch eine ersinnt sich schon im Kinderzimmer mit der besten Freundin die fünfstöckige Torte mit Marzipanbraut und -bräutigam, ein Geigenquartett und fliegende Tauben für den großen Tag, der irgendwann kommen wird.

Für Marina (25) und Thomas (50) Schrader aus Fuhlen hätte die Hochzeit gar nicht so fernsehreif ablaufen müssen: Ein Wochenende zum Heiraten, ohne viel Schickschnack, das hätte gereicht. Am Freitag erst die standesamtliche Trauung und am Samstag dann das Ja-Wort in der Kirche. So hatten die beiden es sich vorgestellt. Aber es kam alles anders.

Als Marina Schrader sich im April 2010 das sündhaft teure Brautkleid kaufte, ahnte sie nicht, dass sie es niemals tragen würde. Drei Jahre zuvor hatte sie Thomas kennengelernt, Nico war gerade zwei Jahre alt, der Babybauch längst Geschichte – es konnte also losgehen, im Juli sollte geheiratet werden.

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Nicht gewusst hatten die beiden zu diesem Zeitpunkt, dass Marina bereits ein zweites Mal schwanger war. Die sichtbaren Folgen dieses freudigen Ereignisses blieben nicht lange verborgen, und spätestens im Juli war klar: „So passe ich nicht ins Kleid.“

Das Brautpaar in spe informierte sich kurzerhand, ob es das Kleid erweitern könnte. Das wäre auch problemlos gegangen, „aber für diesen einen Tag so einen Aufwand? Das Kleid hätten wir ja später wieder zurückändern lassen müssen, um es weiterzuverkaufen“. Marina Schrader war sich nicht sicher, ob das ganze Hin und Her beim Nähen dem Kleid so gutgetan hätte.

Die beiden ließen es sich aber nicht nehmen, hochschwanger im Juli 2010, wenigstens standesamtlich den Bund der Ehe zu schließen. Einen Monat danach, im August, wurde Luca geboren.

„Nach 2010 wollten wir einfach ein Jahr später heiraten. Also habe ich das Kleid aufgehoben“, erklärt die junge Mutter. „Aber dann kam der Nächste.“ Was beide nicht für möglich gehalten hatten, wurde Realität: Der große Tag wurde ein weiteres Mal aufgeschoben. Marina Schrader hätte auch diesmal nicht in ihr noch immer nagelneues Kleid gepasst – Janic war längst unterwegs und kam noch im Jahr 2012 zur Welt.

Die Familienplanung war mit der Geburt des dritten Sohnes mehr als abgeschlossen – die Pläne für eine Hochzeit, ganz in Weiß, erst mal auf Eis gelegt: „Dann kam immer was anderes dazwischen.“

„Wir haben nach der Geburt des dritten Kindes eigentlich schon versucht, das Kleid an die Frau zu bringen“, sagt Thomas Schrader. „Jetzt ist es auch egal“, dachten sich die zwei. Sie schalteten Annoncen, stellten es auf Ebay ein, fragten im Geschäft, wo sie es erstanden hatten, ob es wenigstens als Ausstellungskleid zurückgenommen werden würde. Alles vergebens.

Auch verschenken ließ es sich nicht: „Wir haben im Bekanntenkreis gefragt, aber es gab keinen Bedarf“, erklärt der bis dato dreifache Familienvater. Vor einigen Tagen haben sie sich noch einmal ein Herz gefasst und auch eine Anzeige in der Dewezet geschaltet.

Bei ihrem Besuch entdeckte die Redaktion dann noch ein kleines Wunder: Inzwischen hat Marina Schrader den vierten Sohn der Familie geboren, Leon gerade fünf Tage auf der Welt. Der Kleine macht die Familie nun endlich komplett. Das Kleid ist allerdings noch immer da.

Falls also jemand auf der Suche nach einem Traum in Weiß sein sollte – wir hätten da einen kleinen Tipp: Die Familie Schrader sucht noch immer einen Käufer für das neue und ungetragene Kleid in Größe 38, günstig abzugeben. Kontakt: Telefon 0177/5100092.

„Brautkleid bleibt in diesem Fall also Brautkleid.“ Von diesem Zungenbrecher gibt es passend zu der unglaublichen Geschichte auf www.dewezet.de ein Video.

Warum verkauft jemand ein ungetragenes Brautkleid? fragte sich die Redaktion, als sie die Anzeige in der Dewezet entdeckte. Die führte zu einer ungewöhnlichen Geschichte: Dreimal nicht ins Kleid gepasst, weil sich jeweils Nachwuchs angekündigte: „Jetzt brauchen wir auch nicht mehr kirchlich zu heiraten.“ Familie Schrader hat deshalb einen ungetragenen Traum in Weiß abzugeben.nin



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