weather-image
24°
Vor 385 Jahren: Hamelns Schicksal entscheidet sich in Oldendorf

Blutigste Schlacht des Krieges

HESSISCH OLDENDORF. 400 Jahre sind seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges vergangen. Vor 385 Jahren kommt es im Bereich zwischen Oldendorf – dem heutigen Hessisch Oldendorf –, Welsede, Segelhorst und Barksen zu einer entscheidenden Schlacht.

veröffentlicht am 22.01.2018 um 17:48 Uhr
aktualisiert am 22.01.2018 um 18:50 Uhr

Dieser Findling mit der Aufschrift, die über die wohl blutigste Auseinandersetzung des Dreißigjährigen Krieges informiert, steht seit August 2013 am Oldendorfer Knick, einige Schritte unterhalb des Verbindungsweges zwischen Segelhorst und Barksen. Fo

Autor:

Peter Jahn
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dort auf den Feldern treffen die braunschweigisch-lüneburgisch-hessisch-schwedischen Truppen unter Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg auf die kaiserlichen Soldaten unter General von Gronsfeld. Rund 28000 Mann stehen sich am 28. Juni 1633 nach Julianischem Kalender, oder am 8. Juli nach Gregorianischem Kalender, bei der wohl blutigsten Auseinandersetzung dieses Krieges gegenüber.

An diesem historischen Tag kommt es zum ersten Einsatz beweglicher Artillerie. Neben schweren Geschützen werden leichte Geschütze, die von den Soldaten selbst zu den Stellungen gezogen werden können, gezündet. Vor allem die Reiterei der Kaiserlichen ist dieser Entwicklung nicht gewachsen, es kommt zu großer Verwirrung. Etwa 8000 Soldaten, meist auf der Seite der Kaiserlichen, sterben auf dem Schlachtfeld. Unmittelbar mit dem Ausgang der Schlacht bei Oldendorf hängt die Kapitulation der belagerten Nachbarstadt Hameln zusammen.

Als 1618 der Dreißigjährige Krieg beginnt, bleibt es zunächst in der Grafschaft Schaumburg, zu der Oldendorf damals gehört, recht ruhig. Dies soll sich einige Jahre später ändern. Die Überlieferung sagt, dass sowohl die Menschen in der Grafschaft als auch die in der Weserstadt im Verlauf des Krieges Schlimmstes erleben. „Die Grafschaft Schaumburg gehörte gewiss zu denjenigen Landstrichen, welche am schrecklichsten durch diesen Krieg zu leiden hatten, und von den Städten derselben ist es unstreitig Oldendorf, welches am häufigsten und stärksten heimgesucht wurde, weil es an der Hauptheerstraße lag“, so steht es in der Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde im Jahr 1877. Erste Kriegshandlungen sind 1621 zu verzeichnen, als die Vogtei Lachem, Fuhlen und Rumbeck vom Obristen Falkenstein ausgeplündert werden. 1623 und 1624 verheert Christian von Braunschweig mit seinen Truppen das Wesertal, es folgen 1625 die Dänen und danach zwei Mal Tillys Reiter. Alle ziehen zwischen Minden und Hameln hin und her. Oldendorf, in der Mitte gelegen, dient den unterschiedlichen Lagern als Quartier. Geschichtsträchtig ist aber erst das Jahr 1633, als es nördlich von Oldendorf, genauer zwischen dem Schilfgürtel, der damals die Stadt umgibt, und Segelhorst zu einer entscheidenden Schlacht kommt.

Das Denkmal vor der Malschule am Barksener Weg in der Hessisch Oldendorfer Kernstadt erinnert an die Schlacht im Jahr 1633. Foto: PJ
  • Das Denkmal vor der Malschule am Barksener Weg in der Hessisch Oldendorfer Kernstadt erinnert an die Schlacht im Jahr 1633. Foto: PJ

Und das geht voraus: Protestanten belagern das katholische Hameln. Es werden die Truppen der Generäle Merode, Gronsfeld und Bönninghausen vereinigt und zum Entsatz geschickt. Diese militärische Operation der Kaiserlichen, soll die eingeschlossenen Kräfte von außen befreien und den Eingeschlossenen wieder Handlungsfreiheit verschaffen. Am 27. Juli überquert die kaiserliche Truppe bei Minden die Weser. Die Belagerer von Hameln unter dem Herzog Georg von Lüneburg ziehen dem Heer entgegen, um Oldendorf vor den Kaiserlichen zu besetzen, was auch gelingt. Georgs Soldaten besetzen die Stadt, General Melander zieht mit seinen Mannen zwischen der Stadt und Barksen auf, General Knyphausen bezieht bei Barksen Stellung. Die Kaiserlichen, die unterhalb der Schaumburg die Nacht verbracht haben, formieren sich bei Segelhorst.

Die kaiserlichen Truppen greifen am Morgen gegen 9 Uhr zunächst den rechten Flügel des Zentrums an. Der schwedische General Lars Kagg kann den Angriff von Infanterie und der Kavallerie des Obristen d’Asche von Segelhorst aus abwehren. Der Herzog von Lüneburg schickt den Obristen Stahlhans mit vier Regimentern Kavallerie los, auch die Truppen unter Knyphausen rücken vor und so können die Kaiserlichen eingekreist werden. Als auch die Kavallerie unter Thilo Albrecht von Uslar, die eigentlich zu den Belagerern Hamelns gehört, unverhofft ins Geschehen eingreift, ist die Schlacht geschlagen. Die kaiserliche Kavallerie sucht ihr Heil in der Flucht, die Infanterie folgt. Gegen 15 Uhr haben einige Tausend Mann der kaiserlichen Armee ihr Leben gelassen, 2500 sind gefangen genommen. Wenige Tage später, am 8. Juli 1633 ergibt sich die Stadt Hameln. Nach der Niederlage der Kaiserlichen bei Oldendorf ist auch die Gegenreformation in der Grafschaft Schaumburg beendet.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare