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Heimatverein will Komatrinken der Jugendlichen beim Maibaumaufstellen mit neuem Konzept verhindern

Blasmusik und Kontrollen statt Disko unterm Maibaum

Fischbeck (doro).Vorglühen, noch mehr Stoff in den Rucksack packen, los zur Party und dann saufen, bis der Arzt kommt. So feiern heute viele Jugendliche ab. Über das ausgeprägte Trinkverhalten, seine Ursachen und Folgen berichten die Medien inzwischen in schöner Regelmäßigkeit. Das Phänomen, so weiß man, zieht sich durch jede Gesellschaftsschicht. Beliebt sind große öffentliche Feste, die für Veranstalter schwer zu kontrollieren sind, wie zum Beispiel Schützenfeste. Aber auch kleinere Feiern werden genutzt. So wie im beschaulichen Fischbeck. Dort kam es beim traditionellen Maibaumaufstellen nach Aussage des Vorsitzenden des Heimatvereins Werner Schrandt wiederholt zu Auswüchsen. Trinkende, vornehmlich ortsfremde Jugendliche, haben das Bild des Festes in den letzten Jahren geprägt, so Schrandt. Gekauft haben die jungen Leute dabei wenig. Die Getränke wurden fast ausschließlich in Rucksäcken mitgebracht und in unmittelbarer Nähe des Dorfplatzes ausgetrunken. „Die Folgen waren Ansammlungen junger Menschen im Bereich des NP-Marktes, der Volksbank und des Dorfplatzes, Dreck, Scherben und hoher Alkoholkonsum“, erklärt der Vorsitzende. Gleich siebenmal mussten beim letzten Fest Personen mit einem Vollrausch ins Krankenhaus eingeliefert werden. Teilweise seien die Jugendlichen auch aggressiv gewesen.

veröffentlicht am 22.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:21 Uhr

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15 freiwillige Helfer des Heimatvereins Fischbeck mussten am anderen Morgen die Bereiche wieder säubern und von Glasscherben sowie Unrat befreien. Um das in Zukunft zu vermeiden, hat der Heimatverein jetzt die Reißleine gezogen und sein Konzept grundlegend geändert: Statt Disco gibt es nächste Woche Blasmusik und Gesang. Mit der örtlichen Polizei wurde außerdem vereinbart, dass Kontrollen in den gefährdeten Bereichen rund um den Dorfplatz durchgeführt werden. Rucksäcke werden auf mitgebrachte alkoholische Getränke überprüft.

Das findet Marcel Grohowski, Stammesführer der Fischbecker Pfadfinder, grundsätzlich in Ordnung. Der exzessive Konsum der Jugendlichen auf Dorffesten, vor allem bei den unter 16-Jährigen, ist auch dem 21-Jährigen schon aufgefallen. Die Jugendlichen, die nach Ansicht von Grohowski ihre Grenzen austesten wollen und meist dem Gruppenzwang unterlägen, könnten besonders schlecht einschätzen, wie viel sie vertragen.

Das neue Konzept, so hofft der Heimatverein, wird einen harmonischen Festablauf gewährleisten. „Unser Ziel ist es, eine sichere Feier mit handgemachter Musik, volkstümlichem Gesang sowie nostalgischen Preisen für alle Fischbecker und die Nachbarn aus den umliegenden Dörfern zu organisieren“, kündigte der Vorsitzende an.

Wenn am Freitag am Dorfplatz der Maibaum geschmückt wird, feiern die Fischbecker übrigens zum 25. Mal. Um 18.15 Uhr wird der geschmückte Maibaumkranz mit Musik von den Fischbecker Pfadfindern und der Dorfjugend vom Sommerhof durch das Stiftsdorf zum Dorfplatz getragen. Die Mühlenberg Musikanten begleiten den Umzug und geben anschließend ein Platzkonzert. Gegen 18.30 Uhr wird der Maibaumkranz am Maibaum hochgezogen. Der Vorsitzende des Heimatvereins Fischbeck und Ortsbürgermeister Günter Peschke würdigen diesen Anlass und begrüßen die Festbesucher.

Auch der Ortsbürgermeister bestätigt die Auswüchse zum Maifeiertag im Stiftsdorf. Und geht noch einen Schritt weiter. Aus seiner Sicht benehmen sich die Jugendlichen nicht nur bei diesem Anlass daneben. Der Vandalismus sei ein generelles Problem und habe zugenommen. So werde auf dem Dorfplatz und an der Musikmuschel hinter der Tennisanlage regelmäßig Alkohol konsumiert, begleitet von Schmierereien, Müll und Scherben. „Die Jugendlichen nehmen die Angebote nicht so an, wie es gedacht war“, sagt Peschke, der die allgemeinen Ursachen für das Verhalten der Jugendlichen in der gesellschaftlichen Entwicklung sieht. Diesbezüglich seien die Erwachsenen oft keine guten Vorbilder, räumt der Ortsbürgermeister ein.

Den Trend zum Komatrinken bestätigt auch Dr. Rainer Hruska, leitender Kinderarzt in der Kinderklinik Hameln. Waren es im Jahre 2000 noch 26 betrunkene Kinder und Jugendliche, wurden bis Oktober 2009 67 Jugendliche gezählt, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Auch das Bundesministerium für Gesundheit legt erschreckende Zahlen vor: 25 700 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren wurden 2008 stationär behandelt. Das entspricht einer Steigerung um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit der Erst-Erhebung im Jahr 2000 (9500 Kinder und Jugendliche) sind die Alkoholvergiftungen damit um 170 Prozent gestiegen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, erklärt dazu: „25 700 volltrunkene Kinder und Jugendliche in der Notaufnahme sind der traurige Rekord der letzten zehn Jahre. Noch nie betrank sich eine so große Zahl von Kindern und Jugendlichen derart hemmungslos.“

Eine Maibaumfeier mit Disko ist für den Heimatverein nicht mehr tragbar: Der hohe Alkoholkonsum der Jugendlichen und jede Menge Müll haben dazu geführt, dass das bisherige Konzept gekippt wurde.



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