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Grundstückseigentümer werden mit etwa 7,40 Euro je Quadratmeter zur Kasse gebeten

Bergstraße: Was die Anlieger zahlen müssen

HESSISCH OLDENDORF. „Das ist doch der reine Wahnsinn. Am besten wäre es, ich würde mein Haus an der Bergstraße verkaufen. Aber das werde ich jetzt wohl nicht mehr los.“ Der ältere Herr, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist entsetzt über die Summe, die er als Anlieger für den Ausbau der Straße zahlen soll.

veröffentlicht am 01.03.2018 um 20:02 Uhr

Heiko Wiebusch erläutert den Anliegern der Bergstraße im Kultourismusforum das Straßenbauprojekt. Foto: wft
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Bei einer Grundstücksgröße von 500 Quadratmetern wird er nach der Darstellung der Mitarbeiter der Stadtverwaltung rund 3700 Euro berappen müssen – 7,40 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche. Das zumindest rechnete Thomas Breitkopf am Mittwochabend den fast vollzählig erschienenen Anliegern der Straße im Kultourismusforum vor. Basis dieser Berechnung ist die Straßenausbaubeitragssatzung der Stadt, wonach Anlieger von Durchgangsstraßen, zu denen auch die Bergstraße zählt, mit 40 Prozent der tatsächlichen Kosten für Fahrbahn, Trenn- und Seitenstreifen sowie mit 45 Prozent des finanziellen Aufwandes für Entwässerung, Straßenbeleuchtung und Gehwege beteiligt werden. Den Rest muss gemäß der Satzung die Stadt übernehmen. Damit kommen die Bergstraßler noch besser weg als Anlieger reiner Wohnstraßen. „Dort müssen die Anlieger 60 Prozent der Kosten tragen“, erläuterte Heiko Wiebusch, der Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Stadtverwaltung.

Bislang basiert die Berechnung allerdings nur auf einer reinen Kalkulation, die Christian Mork, der für den Straßenbau in Hessisch Oldendorf zuständig ist, für die drei geplanten Bauabschnitte aufgestellt hat. Was die Ausschreibungen für die einzelnen Bauabschnitte letztlich ergeben werden, steht naturgemäß noch nicht fest. Doch Heiko Wiebusch beruhigt die Versammlung: „Bislang haben die Kalkulationen von Christian Mork für die vergangenen Straßenbaumaßnahmen immer gestimmt. Ich bin guter Hoffnung, dass das auch diesmal so sein wird.“

Insgesamt kalkuliert Mork den Ausbau der Bergstraße auf 1 133 000 Euro. Mit 90 000 Euro werden die technischen Betriebe der Stadt daran beteiligt, weil sie im unteren Bereich der Straße die Kanal- und Wasseranlagen komplett erneuern werden und dafür in jedem Fall die Straße aufreißen und wiederherstellen müssten. Von den verbleibenden 1,043 Millionen Euro übernimmt die Stadt etwas mehr als 60 Prozent – 633 000 Euro. Den Rest von 410 000 Euro müssen die Anlieger aufbringen.

Das nächste große Straßenbauprojekt ist die Bergstraße. Foto: Dana
  • Das nächste große Straßenbauprojekt ist die Bergstraße. Foto: Dana

Weil der Bebauungsplan für die Bergstraße grundsätzlich die Möglichkeit von zwei Vollgeschossen vorsieht, spielt es keine Rolle, ob auf einem Grundstück ein ein- oder ein mehrstöckiges Haus errichtet wurde. Auch die Anzahl der Bewohner oder der Familien wirkt sich nicht auf die Kostenbeteiligung aus. Und wer Eigentümer eines Eckgrundstücks ist, wird unter Umständen zweimal zur Kasse gebeten – zum zweiten Mal, wenn auch die zweite angrenzende Straße erneuert wird, wie deutsche Gerichte in der Vergangenheit festgelegt haben.

Den größten Brocken im Rahmen der Anliegerbeteiligung muss im Übrigen die Stadt selbst stemmen – rund 140 000 Euro für den Anlieger Grundschule am Rosenbusch, denn die wird an den Anliegerkosten ebenso beteiligt wie alle anderen Grundstückseigentümer.

Dass auf die Anlieger der Bergstraße im Zuge der Straßen- und Kanalerneuerung erhebliche Beeinträchtigungen zukommen, räumten die Fachleute der Stadt und der technischen Betriebe unumwunden ein. „Es wird Zeiten geben, da werden Sie mit Ihrem Auto nicht an Ihr Grundstück fahren können“, erklärte Björn Ladage. „Das wird sich nicht umgehen lassen.“ Und weil die Müllabfuhr die Straßen während der Bauphasen nicht befahren kann, müssen die Mülltonnen jeweils an das obere oder untere Ende des Bauabschnitts gebracht werden. Das allerdings nicht von den Anliegern. „Dafür sind die Baufirmen zuständig“, betonte Wiebusch. „Das steht so auch in der Ausschreibung.“

Insgesamt verlief die Diskussion sehr sachlich. Und wenn doch einmal die Emotionen hochkochten, gelang es Wiebusch, mit beruhigenden Beiträgen die Wogen wieder zu glätten.



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