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Renate Schulte ist Gästeführerin

Beim Thema Heimatgeschichte dreht sie auf

Bensen. „In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst.“ Das Zitat des Bischofs Augustinus hat für Renate Schulte besondere Bedeutung. Er ist zum Leitspruch für die Gästeführerin aus Bensen geworden, die Touristen durchs Weserbergland und für die HMT durch Hameln führt. Wer Renate Schulte zuhört, wenn sie voll Leidenschaft über Historie und die großen und kleinen Dinge ihrer Heimat erzählt, kann den Eindruck gewinnen, dass das Feuer in ihr ein wahrer Großbrand sein muss. „Mein später Traumberuf. Der ist nie langweilig, der lebt immer. Den mache ich mit Begeisterung“, erzählt Schulte von ihrer Berufung. Dabei fing alles recht schmerzhaft an – mit einem Unfall. Im Februar 1999 rutschte Renate Schulte in der Hamelner Baustraße bei Eis und Schnee aus: Trümmerbruch im Handgelenk. „Ich war danach richtig unzufrieden, weil ich nicht basteln und handwerken konnte“, erinnert sie sich. Dann liest sie in der Zeitung über die Ausbildung zur Gästeführerin im Weserbergland. Sie meldet sich sofort an. Nach einem halben Jahr Intensivausbildung führt sie die Touristen durchs Weserbergland, begleitet Busse. Doch Renate Schulte will mehr. „Ich war auf den Geschmack gekommen“, erzählt sie, „Gäste zu führen, das hat mir mehr Spaß gemacht, als ich erwartet hatte.“ Die Frau aus Bensen zieht eine Ausbildung zur „Gästeführerin der Stadt Hameln“ nach.

veröffentlicht am 04.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:08 Uhr

Das Haus von Renate Schulte in der Bennostraße wurde 1886 in Had
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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„Es ist immer die gleiche Stadt, aber es sind immer andere Leute. Auf sie einzugehen, das ist das Spannende“, sagt sie. Für sie sei eine Führung dann geglückt, wenn die Leute genau das fragen, was sie im nächsten Satz sagen will. Oder wenn sie erreicht, dass die Gäste wiederkommen wollen. Unterhaltend soll die Führung außerdem sein. „Ich lege Wert darauf, dass ich Informationen auf eine unterhaltsame Art weitergebe, damit es nicht langweilig wird.“

Langeweile – das ist ein Wort, dass in Renate Schultes Wortschatz ein Schattendasein und wenig Verwendung findet. Die Regale in ihrem Haus sind einige Meter lang, fein säuberlich stehen Hunderte von Büchern in Reih und Glied geordnet. „Seit meinem 12. Lebensjahr bin ich in einem Buch-Club. Ich weiß nicht mehr, wo ich die Bücher noch lassen soll“, sagt Schulte mit einem Schmunzeln. Dazu kommt Fachliteratur über Hameln und das Weserbergland sowie drei Plastikkisten mit fein säuberlich archivierten Dewezet-Artikeln wie den „Feierabend“ in ihrem Arbeitszimmer. „Nein, ein Buch schreibe ich selber nicht“, betont die Gästeführerin. „Ich habe aber Adolf Krüger zugearbeitet, als er ‚Bensen – Generationen und Reihestellen‘ geschrieben hat.“ Seit 2002 ist Renate Schulte zudem als Gästeführerin für die Aktion „Landsommer“ aktiv. Damals startete die Veranstaltungsreihe mit 400 Besuchern. Im vergangenen Jahr haben 4600 Gäste an den 154 Veranstaltungen teilgenommen. Beim „Landsommer“ können sich die Führer ihre Themen selbst „stricken“. Das ist nach Renate Schultes Geschmack. Als das Motto beim Weltgästeführertag „Die Zeit verrinnt“ lautete, erinnerte sich die Verehrerin Wilhelm Buschs sofort an „Eins zwei drei im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit“, wirft einen Blick in ihre gesammelten Wilhelm-Busch-Werke und strickt eine Führung daraus.

„Er liegt bei mir auf dem Schreibtisch. Immer, wenn es mir mal schlechtgeht, schlage ich den auf“, erzählt Schulte. „Ich dachte mir, jetzt ist Wilhelm Busch endlich dran.“ „Wehrberger Warte – Wilhelm Busch.“ „Bensen – unser schönes Sünteldorf“, das „Bödnerhaus für Liebhaber“ oder „Was Ihnen sonst verborgen bleibt – der Redenhof“ sind nur drei von 14 Führungen, die Schulte für den Landsommer „gestrickt“ hat. Jetzt klappern die Stricknadeln schon wieder in den Händen der Heimatliebhaberin. „Neu wird der Garnisonfriedhof in Hameln sein. Der ist ganz spannend, eine Rarität in Norddeutschland“, verrät Renate Schulte schon eine Themenführung für das neue Jahr, an der sie jetzt arbeitet. Die Arbeit für den „Landsommer“ des Folgejahres beginnt für die Gästeführerinnen schon im Sommer. Dann müssen die Kataloge ausgearbeitet werden, um sie pünktlich für die Tourismusmessen im Januar bereitstellen zu können.

Ein Relikt aus dem früheren Dorfleben: Nun steht die alte Kaffee
  • Ein Relikt aus dem früheren Dorfleben: Nun steht die alte Kaffeemühle bei Renate Schulte in der Diele und ist ein nostalgisches Symbol für Gemütlichkeit. Fotos: fn

Am morgigen Samstag um 14 Uhr ist Renate Schulte für den „Landsommer“ Gastgeberin im eigenen Haus. „Apfel, Nuss und Mandelkern“ heißt es dann im Fachwerkhaus an der Bennostraße. Der Titel ist ein Synonym für die Gemütlichkeit in alten Häusern. Dargestellt wird das Zusammenleben der Generationen früher. „Es geht um das Dorfleben vor 60 bis 100 Jahren, die heile Welt, wie man sie sich vorstellt“, erzählt Renate Schulte vorab. Dann können die Gäste auch erfahren, dass früher bei der Aussteuer auch schwarze Strümpfe mitgenommen wurden – fürs Sterben, etwa im Kindbett. Oder, dass das Haus von Renate und Friedrich-Wilhelm schon einmal in Haddessen stand, bevor es dort 1886 abgetragen und vom Schuhmacher Wittrock in Bensen wieder aufgebaut wurde. Zum Richtfest gab es von den Dorfbewohnern was richtig Praktisches: Ziegelsteine. Mehr will die Gästeführerin allerdings noch nicht verraten. Interessierte bittet sie aus Platzgründen jedoch um eine Anmeldung unter Tel. 05152/8781.



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