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Wehren mussten bei Unfall auf der A2 aufgeben / Hessisch Oldendorfer arbeiten mit neuen Geräten

Bei neuem Stahl kapitulieren alte Scheren oft

Rumbeck (doro). Bei einem Verkehrsunfall können Minuten über Leben oder Tod entscheiden. Doch so gut sich die Feuerwehr auch auf derartige Einsätze vorbereitet – bei der Ausrüstung tauchen immer wieder Probleme auf. Schuld ist der Fortschritt. Denn die Entwicklung immer sicherer Autos hat eine Kehrseite: Für die Lebensretter wird es zunehmend schwieriger, den Autostahl zu durchtrennen, um Verletzte zu befreien. Gut zwei Wochen liegt der schwere Verkehrsunfall auf der A2 auf der Höhe von Lauenau zurück, bei dem drei Lkw ineinander verkeilt waren. Bei dem Versuch, einen Schwerverletzten aus dem Führerhaus zu schneiden, kapitulierten die Wehren aus dem Auetal, Rehren-Westerwald, Rolfshagen sowie Rannenberg und Escher, weil die Rettungsschere und der Spreizer es nicht schafften, das harte Metall zu durchschneiden. Erst mit den Geräten der Feuerwehr Rodenberg, die man schließlich um Hilfe bat, gelang die Befreiung.

veröffentlicht am 04.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:21 Uhr

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Auch die Hessisch Oldendorfer Ortsfeuerwehr musste schon die Erfahrung machen, dass die Ausrüstung nicht mehr den Anforderungen entspricht – glücklicherweise nur bei einer Übung: Doppelt solange wie sonst kämpften die Freiwilligen gegen die Stahlvorrichtungen eines Smarts, mit dem Ergebnis, dass die Holme in alle Richtungen standen. „Wir haben es einfach nicht geschafft“, erinnert sich Hans Jürgen Hoffmann, ehemaliger Stadtbrandmeister der Hessisch Oldendorfer Ortsfeuerwehr. Weil der hoch entwickelte Kleinwagen vorne keine Knautschzone hat, seien die Sicherheitsvorkehrungen hier besonders hoch. „In den letzten 10 bis 15 Jahren haben die Hersteller richtig zugelegt“, sagt auch Hessisch Oldendorfs stellvertretender Ortsbrandmeister Bernd Meier. Die Scheren der Wehren können da oft nicht mithalten. Die der Ortsfeuerwehr Hessisch Oldendorf war von 1978.

Seit Januar besitzt die Ortsfeuerwehr deshalb eine neue elektrische Schere. „Die ist anders geschliffen und gehärtet“, sagt Bernd Meier über das Gerät, das den Stahl im Ernstfall mit einem Druck von 640 Bar durchschneidet. Als Ortsfeuerwehr sind die Hessisch Oldendorfer im Stadtgebiet die Einzigen, die mit einem so großen und einem kleinen Gerätesatz für das Hilfeleistungslöschfahrzeug und das Tanklöschfahrzeug ausgerüstet sind.

Damit im Notfall jeder Handgriff sitzt, müssen die Freiwilligen im Umgang mit den neuen Gerätschaften Erfahrungen sammeln. „Eingeklemmte Person aus dem Fahrzeug befreien“, lautet deshalb die Aufgabe. Ort der Übung: Die Autoverwertung Watermann in Rumbeck. Mitarbeiter Andreas Stroz wartet an diesem sonnigen Frühlingsabend schon auf die Freiwilligen der Feuerwehr, sein eigener Einsatz ist ebenfalls freiwillig. Und auch wenn es die einklemmte Person in Wirklichkeit natürlich nicht gibt, der Skoda Roomster, der in der nächsten halben Stunde auseinandergeschnitten werden soll, ist absolut real.

Mit 640 Bar arbeitet sich Thorsten Müller mit der neuen elektrischen Schere durch den Stahl des Skoda Roomster. Fotos: doro

Dass Handhabung und Einsatz der Schere durchaus ihre Tücken haben, wird während der Übung immer wieder deutlich. Geduldig zeigt Bernd Meier seinen Leuten, wo und wie sie das Gerät am besten ansetzen, dann frisst es sich mühelos durch den Stahl.

In der Regel wird als Erstes eine Rettungsöffnung geschaffen, erklärt der Stadtbrandmeister, dann wird das Dach zu einem Drittel oder ganz abgenommen, und wenn es notwendig ist, wird der vordere Teil des Wagens nach vorn gekippt. Dennoch: Schema F gebe es nicht. So könne es immer passieren, dass der Notarzt die Aktion unterbricht oder dass man das Fahrzeug erst mal sichern muss, wenn es sich beispielsweise an einem Abhang befindet. „Vielleicht steht man auch bis zur Hüfte im Wasser“, spielt er verschiedene Szenerien durch.

Die Feuerwehrleute müssen lernen einzuschätzen, was Priorität hat. Dafür wird in den Wintermonaten auch Theorie gepaukt. Doch nicht alles lässt sich rational erfassen, „vieles ist learning by doing“, sagt Meier. Wichtig ist vor allem eins: Die Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Dann heißt es für die Feuerwehrleute handeln. Dafür, dass in dieser Situation keiner darüber nachdenken muss, wie die Schere nun eigentlich funktioniert, sind die Feuerwehrleute an diesem Abend zusammengekommen und zerlegen schwitzend den Skoda. Eine Belohnung haben sie sich danach allemal verdient. Die gibt es anschließend in Form von leckeren kühlen Getränken und gegrillten Würstchen am Feuerwehrhaus.



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