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Aus der multikulturellen Runde im Kultourismusforum hat sich eine Gemeinschaft entwickelt

Begegnungen im Café International

Hessisch Oldendorf. In den vergangenen Wochen hat sich das Kultourismusforum zu einer wahren Begegnungsstätte entwickelt. Angefangen hat es im November 2015, als der von Ehrenamtlichen geleitete Deutschkurs für Flüchtlinge vom Werkhaus in den gläsernen Bau umzog. Seit Jahresbeginn ist er nun auch Heimat des von der Stadtverwaltung unterstützten Café International. Dort empfangen Mitglieder der Café-Arbeitsgruppe jeden Montag von 15.30 bis 17.30 Uhr Asylbewerber aus unterschiedlichen Nationen.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:36 Uhr

Autor:

Annette Hensel
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Manche sind schon frühzeitig vor Ort, freuen sich einfach auf diesen Termin. „Es ist wunderbar hier“, sagt ein junger Pakistaner, der nie an einem Tisch sitzen bleibt, sondern immer wieder einen anderen Platz einnimmt, um mit möglichst vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch zu kommen. Er hat keine Scheu zu fragen, wenn er Unterstützung braucht – beim Ausfüllen eines Formulars oder bei der Suche nach einer Wohnung in der Kernstadt. Woche für Woche kommt er extra aus Höfingen ins Kultourismusforum, möchte die Angebote in der Stadt aber mehr nutzen, einem Sportverein beitreten und abends mal eine Veranstaltung besuchen. Ein Syrer hat einen Job in Aussicht, benötigt dafür allerdings einen Führerschein. Also fragt er nach den notwendigen Formalitäten, und ob ihn jemand zur Fahrschule begleiten kann – und findet Hilfe. Eine Frau, die erst seit kurzer Zeit in der Stadt wohnt, hat einen Zettel bei sich, auf dem Schulmaterialien für ihren Sohn aufgelistet sind. Sie versteht noch so gut wie kein Wort Deutsch und weiß nicht, was diese Liste bedeuten soll. An jenem Nachmittag stößt eine Fischbeckerin zur bunten Runde hinzu. Sie nimmt den Zettel und macht mit Gesten deutlich, dass sie sich um die Schulutensilien kümmern wird. Sie setzt sich erst einmal mit der Grundschule in Verbindung, überreicht der Mutter dann eine Woche später eine vollgepackte Tasche – und hilft seither regelmäßig im Café mit.

Es sind viele solcher kleinen Geschichten, aus denen eine große, gute Sache für Hessisch Oldendorf erwächst. Herzlichkeit, Offenheit, Interesse an dem Gegenüber, egal welcher Nation, Kultur oder welchen Alters zeichnet das Café international aus, in dem in den vergangenen Wochen bis zu 60 Menschen zusammenkamen. Bemerkenswert ist: Ohne die Werbetrommel zu rühren, wächst die Zahl der ehrenamtlichen Mitstreiter – auch aus den Ortsteilen.

Fehlte beim ersten Treffen noch manches Zubehör, steuerten Helfer gleich am darauf folgenden Montag Gläser und Becher bei. Getränke stellt die Stadt, die Ehrenamtlichen bringen im Wechsel selbst gebackenen Kuchen mit. Aus der multikulturellen Runde hat sich inzwischen eine gute Gemeinschaft entwickelt. „Ich wünschte, so etwas hätte es schon 1990 gegeben, als ich mit meiner Frau aus Syrien nach Deutschland kam“, erklärt Khadida Abdi. Wenn er es schafft, kommt er montags nach der Arbeit auch ins Café international und bietet sich als Dolmetscher an. Ihm gefällt, dass es allen offensteht. Ein junger Palästinenser sagt, dass er es genieße, Menschen kennenzulernen, einem albanischen Ehepaar ist es wichtig reden zu können und ein 29-jähriger albanischer Vater meint: „Der Montagnachmittag ist auch sehr schön für unsere Kinder.“ Den Samen dafür hat der Schweigemarsch der jungen Syrerin Rana im September 2015 gesät. Im Anschluss an jene Veranstaltung verweilten etwa 20 Syrer noch eine Zeitlang auf dem Kirchplatz und zeigten sich dankbar für die Begegnung mit deutschen Teilnehmern. Dabei entstand spontan die Idee eines regelmäßigen Treffens zum Austausch, das dann zweimal im Monat im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde stattfand.

Nach einer Vorbereitungsphase mit der Arbeitsgruppe stellt die Stadt seit Januar das Kultourismusforum für das Café zur Verfügung. Wer Lust hat mitzumachen, kann sich bei Martina Kexel, Telefon 05152/782126 informieren.



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