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„Jedes Stück hat seine Geschichte“

„Bares für Rares“ weckt das Interesse für Antiquitäten

FISCHBECK. Trägt die Fernsehsendung „Bares für Rares“ dazu bei, dass sich Leute wieder mehr für Antiquitäten interessieren? Händler Kay Mania sieht das so - auch wenn die Meinungen der heimischen Kollegen dabei auseinandergehen.

veröffentlicht am 31.01.2018 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 31.01.2018 um 18:30 Uhr

Das Restaurieren antiker Möbel ist für den Betrieb „Antiquitäten Alter Bahnhof Fischbeck“ ein wichtiges Standbein im Bereich des Antiquitätenhandels. In der eigenen Werkstatt bearbeitet Inhaber Kay Manias auch Kundenaufträge. Foto: br
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Burkhard Reimer Reporter
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Da stellen sich die Spitzen von Horst Lichters Kaiser-Wilhelm-Bart vor lauter Begeisterung noch ein bisschen höher auf. Strahlend übergibt er Jörg („Ich darf doch Jörg sagen?“) die Händlerkarte. Und wenig später erlebt der Fernsehzuschauer auch „Lucki“ (Ludwig Hofmaier) in heller Begeisterung: „So a scheens Kaschtel!“ Doch, ja, die Stimmung ist bestens, noch jedenfalls. Aber schon umwölkt sich das eben noch strahlende Gesicht des Anbieters. Denn das, was Jörg aus Recklinghausen für das von Oma ererbte Schränkchen bekommen soll, entspricht so gar nicht seinen Vorstellungen – und liegt zudem deutlich unter dem Schätzwert von Lichters Möbelexperten.

Also legt „Lucki“, der bajuwarische Antiquitätenhändler mit den breiten Hosenträgern über dem bunten Hemd, „noch an Zehner drauf, do san mer bei achtzge“, und Jörg, der nicht unverrichteter Dinge ins Ruhrgebiet zurückkehren möchte, stimmt schließlich zu. So wechselt das gute Stück für den Gegenwert eines Abendessens für zwei Personen mit leicht gehobenen Ansprüchen den Besitzer.

So in etwa könnte sie abgelaufen sein, die Sequenz der TV-Serie „Bares für Rares“, die sich Hildegard und Kay Mania, die Inhaber von „Antiquitäten Alter Bahnhof Fischbeck“, angesehen haben. Kay Mania, „interessiert bis amüsiert“, seine Frau Hildegard „mit blankem Entsetzen“, wie beide im Gespräch mit der Dewezet bekennen.

Auch der Antiquitätenhandel muss sich nach dem jeweiligen Zeitgeschmack richten. Hildegard und Kay Mania von „Antiquitäten Alter Bahnhof Fischbeck“ bieten deshalb derzeit auch antike Möbel an, die im Schwedenstil aufgearbeitet worden sind. Foto: br
  • Auch der Antiquitätenhandel muss sich nach dem jeweiligen Zeitgeschmack richten. Hildegard und Kay Mania von „Antiquitäten Alter Bahnhof Fischbeck“ bieten deshalb derzeit auch antike Möbel an, die im Schwedenstil aufgearbeitet worden sind. Foto: br

„Das kann doch nicht wahr sein“, empört sich Hildegard Mania, „dass Leute, nur um ihre Urlaubskasse etwas aufzubessern oder sich ein schönes Wochenende zu machen, für ein Butterbrot hergeben, was ihre Vorfahren über Generationen bewahrt haben. Jedes dieser Stücke hat doch schließlich auch seine ganz eigene Geschichte!“ Nein, begeistert von der beim Publikum sehr beliebten Sendung ist sie wahrlich nicht.

Ganz anders Ehemann Kay: Für ihn hat die Reihe, die er scherzhaft als „Antiquitätenhändler-Weiterbildung“ bezeichnet, durchaus ihren Wert. „Immerhin weckt sie ein neues Interesse an Antiquitäten“, stellt er fest, das zeige sich nicht zuletzt daran, dass „Bares für Rares“ oft genug Thema in Kundengesprächen sei. Zunächst aber dämpft er den Ärger seiner Gattin und ergreift gleichzeitig Partei für die Händler auf dem Bildschirm. „Man darf angesichts der Gebote nicht vergessen, dass die Objekte häufig erst noch aufwendig restauriert werden müssen. Und auch dann ist noch keineswegs sicher, dass sie auch weiterverkauft werden können.“

Einig sind sich die Fischbecker Eheleute und Antiquitäten-Experten bei einem anderen Aspekt: „Bares für Rares“ habe die Sichtweise auf Antiquitäten verändert. „Die Leute“, hat Hildegard Mania bemerkt, „haben neuerdings einen ganz anderen Blick für das, was ihnen da als Erbe überlassen worden ist.“ So komme es inzwischen häufiger vor, dass Kunden mit einem alten Möbelstück zu ihnen kämen; aber nicht etwa, um es zum Kauf anzubieten, sondern um es „aufmöbeln“ zu lassen. Kay Mania kann das nur recht sein. Denn das Restaurieren in eigener Werkstatt ist für die Firma längst ein zweites Standbein und aus geschäftlicher Sicht kaum weniger wichtig als der Verkauf. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Hildegard Mania mit einem gewissen Stolz auf besagten Ludwig Hofmeier verweist: „Der hat auch schon einiges bei uns restaurieren lassen.“ Aber es sind keineswegs nur die „Luckis“ dieser Welt, die das Geschäft in Fischbeck beleben. „Da bringt uns zum Beispiel eine junge Frau ein von den Großeltern übernommenes Schränkchen oder Regal, das sie in ihrem Studentenzimmer aufstellen möchte. Sie hat nämlich neben dem materiellen auch den ideellen Wert des guten Stücks erkennen und schätzen gelernt.“ Nur eben möchte sie es nicht in dem Zustand weiterverwenden, in dem Oma und Opa es über Jahrzehnte belassen haben. Auch bei Antiquitäten gibt es nämlich so etwas wie den Zeitgeschmack. Die Studentin ist durchaus willens, sich dem zu beugen, und Kay Mania hat keine Probleme damit, dabei mitzuspielen. So wird das Objekt eben, wie schon so manches andere zuvor, im derzeit gängigen „Schwedenstil“, also in hellen Kreidefarben, gefasst. Das sieht super aus, und alle sind zufrieden.

Weitaus weniger zufrieden mit dem, was „Bares für Rares“ ihm beschert, ist der Inhaber von „Antiquitäten Café und Tee“ an der Kupferschmiedestraße in Hameln. Wilfried Steinmann findet es nämlich eher störend, „wenn mir, seit es die Sendung gibt, Leute Sachen ins Haus bringen, von denen sie auf einmal überzeugt sind, dass es sich um etwas sehr, sehr Wertvolles handelt und entsprechend irrwitzige Preisvorstellungen haben. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Stück, das vorher niemand in der Familie haben wollte“. So etwas wiederzuverkaufen, sei letztlich unmöglich, „zumal vor dem Hintergrund, dass es meiner Erfahrung nach mit dem Antiquitätenhandel ohnehin seit etwa zehn Jahren stetig bergab geht“. Antikes sei derzeit eben einfach nicht mehr gefragt. „Und Sie können“, stellt Wilfried Steinmann im Gespräch einen Vergleich an, „den tollsten Brillantring besitzen, wenn niemand ihn haben will, ist er nichts wert.“ Er habe, berichtet der Hamelner, seinen Geschäftsbereich deshalb schon vor geraumen Zeit verlagert. „Bei den Antiquitäten mache ich nur noch den Abverkauf. Inzwischen erziele ich 80 Prozent meines Umsatzes mit meinem umfangreichen Angebot an hochwertigen Teesorten.“

Ganz so düster sehen die Manias die ihrer Meinung nach „leichte Flaute“ im Antiquitätenhandel indes nicht. „Wenn es nach rund 40 Jahren Hochkonjunktur in unserem Bereich nun mal einen kleinen Knick gibt, was soll‘s“, bemerkt Kay Mania. Ein gutes beziehungsweise gut restauriertes antikes Möbel bleibe schließlich, auch wenn es sich momentan vielleicht nicht so gut verkaufen lasse, eine geschätzte Antiquität, „und behält auf jeden Fall seinen Wert“, beteuert der Fischbecker.



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