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Liebig überrascht mit Komposition

Bach, Mozart und Don Quijote

FISCHBECK. Im Ort frischgebackene würzige Küchlein, „Rossinis“ genannt, einige Schluck Pfälzer Wein im Kreuzgang und das herrliche Ambiente der Klostergärten, schon der Vorlauf zu den Fischbecker Orgelkonzerten ist eine Sinnenfreude.

veröffentlicht am 29.08.2017 um 15:41 Uhr

Äbtissin Katrin Woitack dankt Andreas Liebig für das ungewöhnliche Konzert. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Derart an Leib und Seele aufgeschlossen, erwartete die Konzertbesucher im Halbdunkel der Stiftskirche diesmal mit dem „Soli Deo Gratia“ betitelten Orgelkonzert des Basler Organisten Andreas Liebig ein besonderer musikalischer Leckerbissen. Liebig, Jahrgang 1962, vielfacher Preisträger und in Fischbeck kein Unbekannter, eröffnete den Abend mit Dieterich Buxtehudes „Ein feste Burg“, wobei wohl kaum jemand der Konzertbesucher die offensichtlich sehr ursprüngliche Fassung des Reformationsklassikers wiedererkannte, gefolgt von einem klanggewaltigen „Magnificat primi toni“ und dem kontrastiven, fast lyrisch anmutenden „Nun bitten wir den Heil´gen Geist“. Von leichterem Wiedererkennungswert dann Liebig mit der Bachschen Fassung der festen Burg, sehr transparent die Formensprache des Altmeisters aufschließend. „Der registriert sehr schön“, flüsterte ein Zuhörer seiner Nachbarin zu.

Einen Mozart erkennt man schon am ersten Takt. So auch die beiden schwungsvoll-virtuosen Kirchensonaten in Es- und B-dur, an die sich die Überraschung des Abends anschloss. Wer Orgel-Klassiker samt Mozartschem Wohlklang und ein rein sakrales Orgelspiel erwartet hatte, der wurde angenehm überrascht. Als Kernstück des Orgelkonzertes präsentierte Liebig die 2011 als Auftragsarbeit für den 10. Krummhörner Orgelfrühling entstandene Komposition „Don Quijote“ des zeitgenössischen Komponisten Guy Bovet. Assistiert von den beiden Becker-Foss Schülerinnen Isabell Gruppe und Nana Sugimoto entwarf Liebig ein sich aus einzelnen Szenen zusammensetzendes spektakuläres Tongemälde und entlockte dabei der Fischbecker Hillebrand-Berner-Orgel Klänge, die an diesem Ort nie zuvor zu hören waren: Schnarren, Pfeifen, Stampfen, Zwitschern, Hörnerklang, Waffengeklirr und Pferdegetrappel. Mal expressiv, mal voll zarter Romantik, mal mit melancholischer Düsternis dräuend, mal hochdramatisch anschwellend in Szenen wie „Der harte Kampf gegen die Windmühlen“, „Die Schlacht gegen die Weinschläuche“ oder im „Liebeslied an Dulcinea“.

„Das ist ja fast wie Stummfilmmusik“, schwärmten dann auch Äbtissin Katrin Woitack und die Musikexpertin des Stifts, Ursula Schröder, nach dem reich beklatschten Konzert. Das endet nach der furiosen Don Quijoterie mit einer versöhnenden Bach-Fuge für eventuell von soviel Expressivität Verschreckte.

„Dass Don Quijote durchs Fischbecker Stift reitet, das habe ich noch nicht erlebt“, kommentierte ein Besucher das ebenso ungewöhnlich wie skurrile Klangerlebnis anerkennend.



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