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Blumendiele Klages in Fuhlen schließt nach 40 Jahren / Kein Interessent für Nachfolge

Ausgeblüht

FUHLEN. „Das ist Ihr letzter Strauß, den Sie bei mir abholen.“ Mit diesen Worten hat Ruth Klages den männlichen Kunden, die am Muttertag für die Partnerin einen frisch gebundenen Blumenstrauß erwerben wollten, mitgeteilt, dass sie ihr Blumengeschäft zum 1. Juni schließt.
Vor genau 40 Jahren eröffnete die gelernte Gärtnerin die Blumendiele Klages in Fuhlen.

veröffentlicht am 24.05.2018 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 24.05.2018 um 18:30 Uhr

„Solch einen von Hand gefertigten Kranz bekommt man nicht im Discounter“, betont Ruth Klages. Foto: ah
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Annette Hensel Reporterin
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„Weil unser Kinderwunsch unerfüllt blieb und mein Mann krank war, habe ich eben das Kind ‚Blumenladen‘ zur Welt gebracht“, erzählt sie und fügt hinzu: „Angefangen hat alles in einer Blechgarage, der Winter vertrieb uns dann auf die Diele – und somit war die ‚Blumendiele‘ geboren.“ Ihr Mann baute die Garage zum Laden aus und nach Abschaffen der Schweine kam der Ausbau des angrenzenden Schweinestalls hinzu. „Das wurde mein Binderaum“, sagt Ruth Klages.

Als ihr Mann die Garage wieder benötigte, errichtete er für sie einen Anbau mit Fenstern. „Darin habe ich am Schlachtetisch Sträuße gebunden“, so die gebürtige Fuhlerin. Selbst ein neues Carport blieb nicht von den Arbeitsmaterialien verschont. Auch dort, wo früher Wäsche aufgehängt wurde, lagert Zubehör. „Hier ist eben alles in der Hand des Ladens“, betont sie und zeigt im hinteren Gebäudetrakt den Kerzen- und Beratungsraum ihres Betriebes.

Zimmer- und Beetpflanzen, Schnittblumen, zu schönen Sträußen gebunden sowie liebevoll verpackte Geschenke können seither in der Blumendiele erworben werden. Besonders gefragt bei den Kunden seien in den Anfangsjahren Dendrobien (kleine lilafarbene Orchideen), Anthurien (Flamingoblumen) und Biedermeiersträuße gewesen, erinnert sie sich.

Aktuell hat sie neben Schnittblumen eine Auswahl an Sommerpflanzen im Angebot, mit Mitarbeiterin Iris Lange fertigt sie Brautsträuße, Tischdekoration für Feiern oder Kränze für Beerdigungen. Dass die 68-Jährige ihre Blumendiele schließt, hat nicht nur gesundheitliche Gründe. „Zum einen ist da die hochdeutsche Gründlichkeit, die ganz viel kaputt macht“, sagt sie und erläutert: „Da gibt es Auflagen für den Brandschutz, für sanitäre Anlagen oder dass eine digitalisierte Kasse eingeführt werden soll – aber vor der Digitalisierung habe ich Angst, das mache ich nicht mehr mit. Bei mir werden Aufträge noch telefonisch mit den Kunden abgesprochen, nicht per Computer.“

Ein weiterer Grund sei die Wirtschaftlichkeit. „Als Blumenfachgeschäft können wir übers Jahr gesehen nicht nur von den Einnahmen an Valentins- und Muttertag, Ostern, Advent und Weihnachten leben. Das Schlimmste sind nicht die Kollegen mit ihren Blumenläden, sondern die Discounter – die machen uns tot. Dabei können die nie das an Qualität bieten, was die Kunden von uns Fachkräften erwarten.“ Den Männern, die sie an Muttertag fragten, warum sie denn ihr Geschäft schließe, habe sie geantwortet: „Ihre Frauen hätten ihre Blumen eben im Fachgeschäft und nicht im Discounter kaufen sollen …“

In den vergangenen Jahren sei das Sortiment bei ihr bereits kleiner geworden, dennoch habe sie manchmal Blumen wegschmeißen müssen, weil die Nachfrage zu gering war und sie welkten. „Uns fehlen regionale Erzeuger, wir müssen Blumen aus Holland kaufen – und in den Discountern werden sogar mit kostbarem Trinkwasser gewässerte Rosen aus Äthiopien oder Ecuador angeboten“, betont Ruth Klages und fährt fort: „Wir haben viele Aufträge für Beerdigungen, aber auch in diesem Bereich mussten wir miterleben, wie durch Urnen- und Ruhwaldbestattungen die Kranzbestellungen nachließen.“ Mitunter könne für stundenlange Feinarbeit wie kürzlich für das Binden einer sieben Meter langen Girlande aus frisch ausgeschlagenem Buchsbaum nicht einmal der volle Preis verlangt werden, weil das den Kunden zu teuer sei.

Mit dem Abverkauf von Kerzen, Keramik und Glasartikeln läutet die Gärtnerin nun die letzten Tage der Blumendiele Klages ein. Über die Schließung sind viele Kunden traurig. „Ich kaufe hier seit Jahren, Ruthchen hatte immer gute Ratschläge parat und das richtige Händchen, die Wünsche der Kunden zu erfüllen“, erzählt Helga Tegtmeier. Ihre Tochter, Michaela Nagel, ergänzt: „Und sie hatte immer gute kreative Ideen.“

Einen Interessenten für die Blumendiele gibt es übrigens nicht – „dafür wären aber auch die Auflagen zu hoch“, erklärt Ruth Klages.



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