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Für Bauern im Weserbergland geht es jetzt um Schadensbegrenzung

Auf viel zu nassen Feldern geht nichts…

HESSISCH OLDENDORF. Das Regenwetter der letzten Monate macht den Bauern im Weserbergland und Norddeutschland große Probleme. Zwar konnten der Mais fast überall gehäckselt und die Zuckerrüben gerodet werden, es blieben aber noch Kartoffeln, Rote Beete und Möhren in der Erde, der letzte Grasschnitt konnte nicht erfolgen.

veröffentlicht am 03.01.2018 um 11:15 Uhr
aktualisiert am 03.01.2018 um 13:00 Uhr

Auch in den höheren Lagen der Sünteldörfer steht das Wasser auf den abgeernteten Feldern. Foto: BJ

Autor:

Peter Jahn
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Wegen des tiefen Bodens können Wiesen, Feldteile oder ganze Ackerschläge nicht befahren werden. Auf ein Abtrocknen der Felder ist nicht zu hoffen, es regnet zwar nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen, die Sonne gibt sich hier und da verstohlen ein Stelldichein, doch eine entscheidende Wetteränderung scheint nicht in Sicht. Winterweizen, Wintergerste und mancherorts auch Raps können nicht ausgesät werden. Der Run auf das Sommergetreide ist in vollem Gang, vielfach sind Sorten schon ausverkauft.

Wie viele seiner Berufskollegen führt der Bezirksvorsitzende des Landvolkes, Cord Möller, genaue Aufzeichnungen über die Regenereignisse durch. „Im vergangenen Jahr wurde die Regenmenge von Tausend Millimetern überschritten“, erklärt er. 2017 sind von Januar bis Juni 284 Millimeter Regen im Bereich Hessisch Oldendorf gefallen. Zum Verdruss der Landwirte regnet es ausgerechnet in der Zeit der Getreideernte und auch, als einige Wochen später die übrigen Feldfrüchte aus der Erde sollen. Am 31. Dezember des Vorjahres liegt die Regenbilanz bei 1004 Millimeter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: 2016 ermittelt der Hessisch Oldendorfer Landvolk Bezirksvorsitzende eine Regenmenge von 650 Millimetern. „Auch in jenem Jahr regnet es ausgerechnet in der Erntezeit“, so der Ackerbauer. „In den Jahren davor sind es im Jahresschnitt zwischen 750 bis 780 Millimeter gewesen“, wie die Regenstatistik aussagt.

Die Landwirte in Deutschland haben im Herbst 2017 auf einer Ackerfläche von 5,16 Millionen Hektar Wintergetreide ausgesät. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) ermittelt, liegt die Aussaatfläche von Wintergetreide für die Ernte 2018 um 120 900 Hektar, das sind zwei Prozent, unter den Anbauflächen von 2017. Zum Wintergetreide zählen die im Weserbergland angebauten Winterweizen, Wintergerste, Roggen und Triticale. Die Aussaatfläche von Winterweizen, der bedeutendsten Getreideart in Deutschland, ist laut Bundesamt um 147 000 Hektar beziehungsweise 4,7 Prozent auf 2,98 Millionen Hektar gesunken. Die größten Rückgänge gibt es in Schleswig-Holstein mit minus 27 Prozent und Niedersachsen mit einem Minus von zwölf Prozent.

„Schon wieder 25 Millimeter“ – der Hessisch Oldendorfer Bezirksvorsitzende des Landvolkes, Cord Müller, liest ab, wie hoch der Niederschlag in den letzten 24 Stunden war. Foto: PJ
  • „Schon wieder 25 Millimeter“ – der Hessisch Oldendorfer Bezirksvorsitzende des Landvolkes, Cord Müller, liest ab, wie hoch der Niederschlag in den letzten 24 Stunden war. Foto: PJ

Seit Oktober klauben die Bauern die Früchte vom Feld. Immer wieder musste gestoppt werden, da der Boden übernässt war und ein Befahren enorme Strukturschäden verursacht hätte. „Rund 80 Prozent der Felder im Raum Hessisch Oldendorf sind bestellt, wo Mais und Rüben erst spät geerntet werden konnten, mussten die Felder liegenbleiben“, sagt Cord Möller. An eine Bestellung mit Wintergetreide ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Was den Landwirten bleibt, ist die Aussaat von Sommerweizen in den ersten Monaten des neuen Jahres. Doch das Saatgut ist fast ausverkauft. Zwar hat sich der Landhandel auf eine höhere Nachfrage eingestellt, doch ausreichen dürfte das vorhandene Saatgut nicht. Es geht in diesem schwierigen Winter und im kommenden Frühjahr um Schadensbegrenzung, nicht darum, maximale Erträge herauszuholen, das wissen die Landwirte. Die Preise für das Saatgut von Sommergetreide sind aufgrund der gestiegenen Nachfrage in die Höhe geschnellt.

Viele der Felder, die im Weserbergland nach der Ernte nicht bearbeitet werden konnten, bleiben sicher, um weitere Schäden zu vermeiden, noch einige Wochen und Monate brach liegen. Dann bleibt den Grundeigentümern zwar nur die Flächenprämie, es fallen aber auch keine weiteren Zusatzkosten an. Vor dem Hintergrund, dass auf die unbestellten Felder nur noch Sommergetreide ausgesät werden kann, ist damit zu rechnen, dass der Maisanbau weiter ausgedehnt wird. Auch über den Anbau von Sojabohnen denken einige Landwirte nach. Aber ob Sojabohnen oder Ackerbohnen und Erbsen, nur wer die Technik dazu hat, für den ist dies eine Alternative.

Und dann gibt es da noch ein Problem: Viehhaltende Betriebe können ihre Gülle nicht ausbringen. Die Güllelager auf vielen Höfen sind voll. Nach den Sperrfristen der Düngeverordnung ist eine Ausbringung erst wieder ab 1. Februar 2018 möglich. „Die Lage ist angespannt, es kann zu sogenannten Havariefällen kommen, bei denen Gülle unkontrolliert ins Erdreich abfließt und damit das Grundwasser gefährdet. Das muss auf jeden Fall verhindert werden“, sagen Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies. Beide haben vor Weihnachten mit einem Erlass an die Wasserbehörden sowie die Düngebehörde reagiert. Demnach „ist in einem akut en Notfall das Ausbringen von Gülle auch in der Sperrfrist zu dulden, um größeren Schaden zu verhindern, etwa den Eintrag ins Grundwasser, in Oberflächengewässer oder in die Kanalisation“. Notfallmaßnahmen dürfen in Abstimmung mit den Wasserbehörden und der Düngebehörde und unter strengen Auflagen erfolgen, entscheiden die Ministerien.



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