weather-image
17°

Besondere Reiseleidenschaft von Ludwig Zarges und Reiner Kanz beginnt beim Tischtennis

Auf den Spuren der neuen sieben Weltwunder

Hessisch Oldendorf (ah). Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen, heißt es in einem Matthias-Claudius-Lied. Angesprochen auf ihre gemeinsamen Reiseerlebnisse, tauchen Reiner Kanz und Ludwig Zarges aus Hessisch Oldendorf sofort in fremde Länder und Kulturen ein: Erinnerungen an prachtvolle Monumente, aber auch an Slums und Bettler prägen ihre Erzählungen.

veröffentlicht am 04.02.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

270_008_6160911_lkho101_0502.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ganz unbeabsichtigt haben sie sich auf die Spuren der neuen sieben Weltwunder begeben, die 2007 ermittelt wurden, weil von den sieben Weltwundern der Antike nur noch die Pyramiden von Gizeh erhalten sind. Erst kürzlich kehrten Ludwig Zarges und Reiner Kanz von ihrer letzten großen Reise zurück. Diese hatte sie zu einem jener neuen Weltwunder, nach Rio de Janeiro, geführt.

Die beide Männer kennen sich seit Jahrzehnten, waren Mitglieder der sogenannten „Bommies“, einer Tischtennis-Mannschaft. Dort nimmt ihre Reiseleidenschaft ihren Anfang. „Wir hatten eine Kasse eingerichtet, in die jeder zahlen musste, der zu spät kam oder sein Spiel verlor – und wir waren alle keine sehr guten Spieler“, erzählt Reiner Kanz. Die Kasse wird für eine Fahrt auf der Ostsee geleert, später für Städtereisen, unter anderem 1987 nach Rom. In der laut Zarges „Stadt der modernen Raubritter“ beginnt die Weltwunder-Tour. „Dort waren wir natürlich auch im Kolosseum“, erzählt der Hessisch Oldendorfer und schwärmt von der Architektur und der Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten des antiken Amphitheaters. Seine Sehnsucht nach alten Kulturen und fremden Ländern sei bereits in seiner Jugend durch die Lektüre des Klassikers „Götter, Gräber und Gelehrte“ geweckt worden, verrät er.

Nach einer Nil-Kreuzfahrt mit Besichtigung der Pyramiden von Gizeh bereiten sich Kanz und Zarges mit ihren Ehefrauen 1993 auf eine Indien-Rundreise von Delhi über Jaipur nach Agra vor.

Die Männer erinnern sich an das Hotel in Delhi, in dem jeder Flur von einem Mann mit Gewehr „gut bewacht“ war, dennoch aber ein Pyjama abhandenkam, und an den Teppichhandel mit viel Cola-Rum.

Vom neuen Weltwunder, dem Taj Mahal, der 1631 aus Marmor und rotem Sandstein erbauten Grabmoschee, sind sie hellauf begeistert. „Das Schönste sind die sehr filigranen, konisch gearbeiteten Verzierungen“, sagen sie.

Zwei Jahre später nehmen sie an einer China-Rundreise von Shanghai über Xian nach Peking teil, wo Reiner Kanz und seine Frau verloren gingen. „In so einer Situation und ohne Sprachkenntnisse ist man schon angespannt“, gesteht Kanz. Von einer Fahrt nach Souzhou erzählen Zarges und er, dass Bauern dort morgens das vor den Haustüren abgestellte Nachtgeschirr als Düngemittel einsammelten. Sie schwärmen von den Maultaschen in Xian, „bei denen wir keine Ahnung hatten, was wir da aßen“ und äußern sich enttäuscht über die Pekingente in einem der besten Lokale. Tief beeindruckt hat sie die tönerne Armee in Xian sowie die Chinesische Mauer. Mit 6000 Kilometern ist die Grenzbefestigungsanlage das längste Bauwerk der Welt und ebenfalls neues Weltwunder. „Was man da auf Kosten der zwangsverpflichteten Bevölkerung geschaffen hat, ist unvorstellbar“, sagt Reiner Kanz.

Die nächste Rundreise führt die Ehepaare von Mexiko City nach Yucatán. „Als Taxis waren dort VW Käfer im Einsatz – allerdings ohne rechte Türe“, erinnert sich Ludwig Zarges und fährt fort: „Uns wurden nur die schönsten Seiten Mexikos gezeigt, doch organisiertes Bettlertum gehört dort ebenfalls zur Tagesordnung.“ Ein großes Hallo gibt es auf einer Hazienda, wo sie überraschend zwei Frauen aus Hessisch Oldendorf treffen. Weltwunder Nummer vier wartet in Form der Ruinen der ehemaligen Maya-Stadt Chichén Itzá auf der Halbinsel Yucatán auf sie. „Obwohl die Menschen früher klein waren, sind die Stufen der Kukulkan-Pyramide bis zu einem halben Meter hoch, manche von uns haben das Hinauf- und Hinabsteigen nur mithilfe eines Seils bewältigt“, so schildern sie dieses Erlebnis.

2001 fliegt die Gruppe nach Jordanien und besichtigt dort Weltwunder Nummer fünf, die Felsenstadt Petra, früherer Handelsknotenpunkt und heute eine laut Ludwig Zarges „Totenstadt“. Man gehe durch einen schmalen, langen Canyon, der von steilen Felswänden begrenzt wird, „bis man plötzlich den Blick frei hat auf diese einmalige Stadt“, erzählt er. Vom Berg Nebo schauen sie wie einst Moses „auf das Land, wo Milch und Honig fließt“ und auf ein Rinnsal namens Jordan. Zarges erinnert sich noch an den glockenklaren Weckruf des Muezzins, erzählt vom fremden Mann in seinem Hotelbett und von der Weiterreise nach Syrien. Dort beeindruckt sie die Wüstenstadt Palmyra, einst bedeutende Metropole an der Seidenstraße.

Elf Jahre Pause liegen zwischen dem Flug nach Jordanien und der Transatlantiküberquerung von Teneriffa über Weltwunder Nummer sechs, Rio den Janeiro, bis nach Buenos Aires. Ludwig Zarges schwärmt von der eindrucksvollen Hafeneinfahrt in Rio und der Christusstatue mit segnend ausgebreiteten Armen auf dem Corcovado-Berg. „Von dort hatten wir einen atemberaubenden Blick auf die Stadt mit ihrer chaotischen Bauweise, die uns zu Füßen lag“, schildert er seinen Eindruck. „Für mich war das von der Landschaft her die schönste Stadt, die wir bislang besucht haben“, meint Reiner Kanz. „Aber auch eine der gefährlichsten“, ergänzt Ludwig Zarges und sagt: „Unser Reiseführer riet uns, keinen Schmuck und nur wenig Geld mitzunehmen.“

Was die beiden Witwer noch nicht gesehen haben, ist Machu Picchu, die gut erhaltene Inka-Ruinenstadt in den Anden. „Für mich wird das ein Wunschtraum bleiben, denn da muss man gut zu Fuß sein und das bin ich nicht mehr“, erklärt Ludwig Zarges. Reiner Kanz hingegen überlegt, sich zu gegebener Zeit einer Reisegruppe anzuschließen, um das noch fehlende Weltwunder zu besichtigen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?