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Am Haarbach sorgen Stadtwerke, Jäger und Bauern für ein gutes Lebensmittel

Auf dem Wasser liegt das Schwergewicht

LACHEM. „Es war ein ordentlicher Kampf“, erinnert sich Klaus Arnold, als Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, feststellt, dass er „sich eine blutige Nase geholt“ habe, als es vor fast 30 Jahren für die Stadtwerke Hameln darum ging, die Wasserversorgung zukunftsfähig zu machen. „Die Alternative war, das Wasser kostspielig maschinell in Hameln aufzubereiten oder am Haarbach in Lachem aus der Erde zu holen“, sagt der frühere Chef der Stadtwerke.

veröffentlicht am 11.06.2018 um 20:30 Uhr
aktualisiert am 12.06.2018 um 16:00 Uhr

Horst Wißmann leitete Anfang der 90er Jahre die Pflanzaktionen am Haarbach und erklärt, worauf es heute ankommt, damit sich Fauna und Flora optimal entwickeln. Foto: PJ

Autor:

PETER JAHN
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Ein Sturm der Entrüstung bricht los, als es heißt, das Trinkwasser soll in Lachem gefördert werden, da dies gleichzeitig bedeutet, dass die Landbewirtschaftung im Gewinnungsgebiet völlig verändert, Ackerland in Grünland umgewandelt werden muss.

Die Veränderung hat stattgefunden und heute ist das Kerngebiet südlich von Lachem ein Bereich, auf den nicht nur die Verantwortlichen der Stadtwerke, sondern auch die Jägerschaft und Landwirte stolz sind. Zwischen Heckenstreifen grasen die Kühe von Rainer Sander, die Streuobstwiese ist nicht nur in der Zeit der Blüte ein Hingucker, der Ackerbau rundherum im Einzugsbereich funktioniert sehr gut, die Erträge stimmen, die Landwirte sind zufrieden. Bei der Feldbereisung, zu der die Stadtwerke eingeladen haben, erklärt Cord Stukenbrock, dass er entsprechend der Beratungsempfehlung freiwillig auf den Einsatz von chloridazonhaltigen Pflanzenschutzmitteln auf seinem Rübenfeld verzichtet habe. Auch bei den Stickstoffgaben gibt es, wie Maximilian Schulte Uemmingen vom Büro Geries erfreut feststellen kann, eine freiwillige Vereinbarung der im Einzugsgebiet produzierenden landwirtschaftlichen Betriebe, nicht mehr als 100 Kilo je Hektar einzusetzen.

Die Biogasanlage am Hemeringer Kreisel liegt im erweiterten Einzugsgebiet des Wasserschutzgebietes Haarbach. Jörg Pape, der die Anlage mit zwei weiteren Gesellschaftern betreibt, Wärme für 87 Häuser, zwei Kirchen, einen Sauenstall und zur Heu- und Holztrocknung liefert, geht darauf ein, dass der Gärrest gezielt als Dünger eingesetzt werden kann. Thomas Loges vom Büro Geries Ingenieure erläutert, wie der Einsatz von Gärresten gewässerschonend erfolgt.

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Dr. Hartmut Geries, der mit seinen Mitarbeitern, das Projekt am Haarbach beratend seit über 25 Jahren begleitet, lobt ebenso wie Susanne Treptow das Engagement der Landwirte und der Jägerschaft, die Nachhaltiges für nachfolgende Generationen sichern.

Michael Wiehe, Abteilungsleiter Gas- und Wasserversorgung der Stadtwerke Hameln, nennt am Brunnen Haarbach Ost aktuelle Zahlen zur Wasserversorgung, der Wasserqualität und energiesparenden Methoden bei der Wasserförderung. Aus den beiden Brunnen im Haarbach werden rund 20 Prozent des Hamelner Trinkwassers aus rund 20 Meter Tiefe gefördert und über 10 000 Hamelner damit versorgt. Lagen Mitte der 80er Jahres des letzten Jahrtausends die Nitratwerte des Hamelner Wassers bei 40 Milligramm pro Liter, so ist man bei den Stadtwerken heute stolz auf nur noch 27 Milligramm pro Liter, was deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm liegt.

Als es Anfang der 1990er Jahre um die Umgestaltung des ehemals intensiv landwirtschaftlich genutzten Bereichs am Lachemer Haarbach geht, hilft die Jägerschaft beziehungsweise der Hegering Hemeringen. 18 000 Gewächse werden unter der Regie des Obmanns für Naturschutz bei der Kreisjägerschaft, Horst Wißmann, gepflanzt. Die Waidgesellen beteiligen sich in den folgenden Jahren an der intensiven Pflege des Aufwuchses.

Heute sind intensive Pflegemaßnahmen notwendig, so werden Teile der Buschreihen auf den Stock gesetzt, wie Wißmann erklärt. Immer noch gelte mit Blick auf das Projekt: „Oben licht, unten dicht – auf dem Wasser liegt das Schwergewicht“. Dass sich auch viele Insekten angesiedelt haben, darauf weist Heiner Meier-Köpke hin. Der Bio-Landwirt bewirtschaftet einen Teil der Flächen am Haarbach. Dass sich auch das Wild im Wasserschutzgebiet heimisch fühlt, können Teilnehmer der Feldbereisung hautnah erleben, als sich ein Reh aus dem dichten Grün einer Wiese erhebt und in der nächsten Hecke verschwindet.



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