weather-image
22°

Auf dem Rücken von Poor Boy kann sie loslassen

Von Annette Hensel

Hessisch Oldendorf. Poor Boy trabt über den Reitplatz am Schieferberg, Angelika Rieke, die die Longe hält, forciert das Tempo. Im Galopp buckelt der isländische Fellponywallach plötzlich, fast gleichzeitig ertönt ein Jauchzer: „Tolles Rodeo!“ Auf dem Rücken von Poor Boy sitzt Sonja-Therese Leber, deren Gesicht grenzenlose Freude ausstrahlt.

veröffentlicht am 26.04.2010 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:21 Uhr

Reiterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Von Annette Hensel

Hessisch Oldendorf. Poor Boy trabt über den Reitplatz am Schieferberg, Angelika Rieke, die die Longe hält, forciert das Tempo. Im Galopp buckelt der isländische Fellponywallach plötzlich, fast gleichzeitig ertönt ein Jauchzer: „Tolles Rodeo!“ Auf dem Rücken von Poor Boy sitzt Sonja-Therese Leber, deren Gesicht grenzenlose Freude ausstrahlt. Was ihr am Reiten gefällt? „Das Gefühl ist schön“, sagt Sonja-Therese Leber. Seit vier Jahren geht sie jede Woche zum heilpädagogischen Reiten zu Angelika Rieke. Kontakt zuzulassen, das ist etwas, das ihr schwerfällt. Umso wichtiger ist es Mutter Stefanie Leber, die Beziehung zu den Ponys zu fördern. Außerdem helfe das Reiten der 12-Jährigen dabei, den eigenen Körper besser kennen und beherrschen zu lernen. Sonja-Therese ist Autistin, leidet unter einer Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung, die ihr Sozialverhalten stark beeinträchtigt und zwanghafte Verhaltensmuster mit sich bringt. So müsse sie immer in Frisuren von „Menschen mit Hochhaaren“, wie sie Fönfrisuren nenne, hineinpusten und das fänden nicht alle witzig, verrät Stefanie Leber. Auf den ersten Blick ist an dem freundlichen Mädchen nichts Ungewöhnliches festzustellen, nur ihre Augen fallen auf, wirken dunkel, haben etwas Geheimnisvolles, Ernstes.
 Autismus ist eine angeborene Schwäche, die mit Stärken in anderen Bereichen einhergeht. Vielen ist der 1988 von Dustin Hoffman eindrücklich gespielte Autist Raymond in Rain Man noch in Erinnerung, der Telefonbücher Seite für Seite auswendig aufsagte oder seinem Bruder (Tom Cruise) im Spielcasino zu hohem Gewinn verhalf. Sonja-Thereses Stärke liegt vor allem im kreativen Bereich. Nicht nur, dass sie gerne und gut singt, nein, sie malt auch mit großer Hingabe, beispielsweise Serienfiguren wie die Simpsons, die sie dann ausschneidet, um mit ihnen zu spielen – und das laut Stefanie Leber stundenlang. „Dabei spricht sie auch immer, als wenn sie einen Freund bei sich hat“, fügt sie hinzu.
 „Erst vor der Einschulung sprach sie richtig“, sagt Stephanie Leber und berichtet von den ersten Monaten in der Grundschule am Rosenbusch, in denen Sonja-Therese schnell auffiel.
 Die daraufhin erfolgende Untersuchung eines Kinderpsychologen ergab, dass Sonja-Therese Autistin ist. Im zweiten Jahr besucht Sonja-Therese Leber die Astrid-Lindgren-Schule in Bad Münder, in der die Klassen eine Stärke von sechs bis sieben Schüler aufweisen. „Ihre schulischen Leistungen sind bombastisch“, verrät Stefanie Leber. Vor Kurzem hat Leseratte Sonja den Kreisvorlesewettbewerb gewonnen. Vorgelesen hat die 12-Jährige aus dem Buch „Pferdeabenteuer im Hochland“…



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare