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Bürgermeistersuche: Knapp 44 Prozent machen ihr Kreuz – Huch und Boyer hadern mit geringer Beteiligung

Auch der Nichtwähler hat entschieden

Hessisch Oldendorf. „Wir sind absolut zufrieden“, sagt Volker Rödenbeck über das Ergebnis der Bürgermeisterwahl. Der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands Hessisch Oldendorf gibt aber auch zu, dass er das so nicht erahnt hatte. „Ich habe erwartet, dass Harald Krüger das Rennen macht, aber es war schon eine Überraschung, dass es nicht in die Stichwahl geht“, erklärt er. Nicht zufrieden sei er lediglich mit dem Ergebnis in der Kernstadt. Den Ausschlag gegeben habe nach Rödenbecks Ansicht Krügers intensiv geführter Wahlkampf in allen 24 Ortsteilen.

veröffentlicht am 30.09.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

von christoph boßmeyer
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Ebenso wenig überrascht seien die Grünen vom Ausgang der Wahl, sagt Günter Kuhnert, Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Sprecher der Mehrheitsgruppe aus SPD und Grünen im Hessisch Oldendorfer Stadtrat. Einen Kandidaten hatte die Partei nicht aufgestellt, auch Gespräche mit Brian Boyer hatten im Vorfeld zu nichts geführt. „Das Ergebnis ist vielleicht zwei bis drei Prozentpunkte zu hoch ausgefallen“, führt Kuhnert aus. Jochen Huch hatte er bei knapp 40 Prozent erwartet, Boyer hatte er sieben Prozent zugetraut. 53 Prozent hatte Kuhnert so gesehen für Krüger reserviert. Aus Kuhnerts Einschätzung wird auch deutlich, dass er im Gegensatz zu Rödenbeck nicht mit einer Stichwahl gerechnet hat – trotz drei Kandidaten. Zu Boyers Ergebnis sagt Kuhnert, dass „ihm doch klar gewesen sein muss, dass er chancenlos ist“. Die Wähler hätten nach der Person gewählt und danach, wer die Verwaltung führen könne. Das habe Boyer nicht nachgewiesen. Jochen Huch habe Kuhnert die 40 Prozent auch deshalb zugetraut, weil „die CDU im Stadtgebiet realistisch so auf um die 40 Prozent kommt“. Für weitere Stimmen hätte Huch selbst sorgen müssen. Amtsinhaber Krüger habe auch die Nähe der Grünen zur SPD in die Karten gespielt.

Boyer selbst hat sich bereits in seinem Blog im Internet an seine Wähler gewandt und spricht dort ein generelles Problem der Bürgermeisterwahl an: die geringe Wahlbeteiligung von knapp 44 Prozent. Weiter teilt er Hessisch Oldendorf in „zufriedene Wähler und unzufriedene Nichtwähler auf“. Sein Abschneiden, mit dem er selbst nicht gerechnet hatte, wie aus seinen Äußerungen noch am Wahlabend hervorgeht, führe er auch darauf zurück, dass „Tausende Menschen, welche mir sagten, dass sich etwas ändern muss, kollektiv nicht zur Wahl gegangen“ sind.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Huch, der sich am Tag nach dem Wahlsonntag „tief enttäuscht“ zeigt. Speziell mit dem Ergebnis in der Kernstadt hadert er ganz deutlich, auch wenn er, betrachtet man nur diese sechs Wahlbezirke, als Sieger hervorgeht. Was ihn speziell in der Kernstadt enttäuscht, ist die Wahlbeteiligung. „Nur knapp ein Viertel der Wahlberechtigten ist dort zur Wahl gegangen, dabei sind viel mehr gefühlt unzufrieden“, macht er seine Verwunderung deutlich. Insgeheim geht Huch davon aus, dass er eine reelle Chance auf den Wahlsieg gehabt hätte, wenn sich die Bürger der Kernstadt stärker an der Wahl beteiligt hätten und „nur fünf Minuten ihrer Zeit dafür geopfert hätten“. Auf den Dörfern habe er nach eigener Aussage mit schlechteren Ergebnissen gerechnet. Dass Huch nie mehr für ein politisches Amt kandidieren werde, sagte er bereits am Wahlabend. Am Tag danach stellt er jedoch sein gesamtes Engagement für Hessisch Oldendorf in Frage. „Wenn die Leute doch so unzufrieden sind, was muss noch passieren, damit sie zur Wahl gehen?“, fragt Huch und kennt die Antwort selber nicht, zu enttäuscht ist er, wie er immer wieder herausstellt. „Wenn jetzt noch irgendjemand ankommt und sich beschwert, den frage ich erst mal, ob er wählen war. Wenn nicht, hat er kein Recht, sich zu beschweren“, fällt Huch ein abschließendes Urteil.

Die Niederlage für Huch, der immer wieder betonte, dass er als parteiloser Kandidat antrete, ist auch eine Niederlage für die CDU in Hessisch Oldendorf, die Huch unterstützt hatte. Im Nachhinein verlieren beide Seiten jedoch kein böses Wort übereinander. Huch: „Die CDU war ein toller Unterstützer.“ Oft habe die Partei gefragt, wie sie ihn unterstützen könne, habe Plakate aufgehangen und Flyer verteilt. „An den Christdemokraten lag es nicht“, sagt Huch. Die CDU widerspricht, sie habe Huch nicht bedingungslos unterstützt. Stadtverbandsvorsitzender Thomas Figge dazu: „Es war eine sehr gute Zusammenarbeit bis zum Schluss.“ Bei den Christdemokraten ist man ebenso enttäuscht, wie Huch es ist. Nachdem die CDU schon 2006 mit Hans Joachim Grote gegen Krüger verloren hatte, war die Schlappe nun noch deutlicher. Figge weiter: „Wir haben die Botschaft in den Orten nicht rübergebracht“, nennt er einen Grund für das schlechte Ergebnis. Dass Huch seinen Wahlkampf in den Dörfern lieber alleine habe bestreiten wollen, habe man akzeptiert, so Figge. Auch Huchs Äußerungen auf der Podiumsdiskussion, als er mehrfach davon sprach, dass man auch mal Dinge ohne die Politik angehen müsse, seien der CDU nicht sauer aufgestoßen. „Wir haben im Vorfeld gewusst, dass er so tickt und haben das akzeptiert. Er ist da nicht übers Ziel hinausgeschossen.“ Dass die Christdemokraten in sieben Jahren möglicherweise noch einmal einen parteilosen Kandidaten unterstützen, wollte Figge nicht ausschließen.

In der Kernstadt wurde in sechs Wahlbezirken abgestimmt. Auffällig: Jochen Huch gewinnt fünf davon. In den übrigen 29 Wahlbezirken bekommt er nur noch in Wahrendahl die meisten Stimmen. Alle anderen gewinnt Harald Krüger.ths



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