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Schola Gregoriana Pragensis fasziniert die Zuhörer mit adventlicher Marienmesse in der Stiftskirche

An der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit

Fischbeck. Die Lichter erloschen, nur der Stern im Altarraum leuchtete als Sinnbild für Orientierung und Hoffnung in der Finsternis. Alle Hektik des vorweihnachtlichen Getriebes war ausgeblendet, als die Männerstimmen der Schola Gregoriana Pragensis erklangen und zur Besinnung auf das Wesentliche des nahen Festes einluden.Ihre vom Geist reiner Frömmigkeit erfüllten Gesänge enthalten die Essenz christlichen Erlösungsglaubens.

veröffentlicht am 16.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 07:41 Uhr

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Autor:

von Christine Longère
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Vor zwei Jahren begeisterten sie mit einem Frühlingskonzert die Zuhörer in der Fischbecker Stiftskirche. Diesmal eine adventliche Marienmesse auf dem Programm des aus Tschechien angereisten Ensembles unter der künstlerischen Leitung von David Eben. Äbtissin Uda von der Nahmer erinnerte daran, dass auch Stift Fischbeck ursprünglich dem Patronat der Gottesmutter geweiht war.

Bis heute ist nach Auskunft der Sänger in ihrer Heimat der Brauch verbreitet, in der Adventszeit vor Anbruch der Morgendämmerung eine sogenannte Roratemesse zu Ehren der Jungfrau Maria zu zelebrieren. In poetischen Worten kündigt der Introitus „Rorate coeli desuper“ die Ankunft des Messias an: „Tauet, ihr Himmel, von oben und die Wolken regnen Gerechtigkeit“. Es waren diese Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja, die der Messe ihren Namen gaben.

Gleichsam aus höheren Sphären kam auch der Gesang, der den Kirchenraum mit purem Wohlklang erfüllte. Oberhalb der Treppe zum Chor aufgestellt, stimmte die Gruppe der in weiße Kutten gekleideten Sänger vor voll besetzten Reihen Weisen an, die Welten verbinden und Jahrhunderte der Musikgeschichte nachvollziehbar werden lassen.

Einen Schwerpunkt in ihrem Repertoire bilden die gregorianischen Choräle, wie sie mittelalterlicher Vorstellung nach Papst Gregor einst vom heiligen Geist in Gestalt einer Taube eingegeben wurden. In ihrer überpersönlichen Ausgeglichenheit erfüllen sie das Bedürfnis nach meditativer Versenkung. Sie trügen „in höchstem Maße dazu bei, den menschlichen Geist zum Übernatürlichen zu erheben“, heißt es in einer 2001 verbreiteten Instruktion zur heiligen Liturgie. Den Kern der „klassischen“ gregorianischen Gesänge des Messpropriums erweitert die Schola aus Prag in ihrer Rekonstruktion einer Marienmesse um mehrstimmige Sätze, wie sie in zahlreichen „Rorategesangbüchern“ seit der Renaissance überliefert wurden.

Die Wirkung des Ensembles, dessen Leistung die Zuhörer mit anhaltendem Beifall würdigten, beruht auf den solistischen Qualitäten jeder einzelnen Stimme. Nur aus dem Verständnis des tradierten Ritus kann diese Musik lebendig gestaltet werden, was der Schola Pragensis bewundernswert gelang. Wärme und Tragfähigkeit der Stimmen, dynamische Differenzierung und harmonische Intonation wiesen sie als herausragende Interpreten von Werken aus, die an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit entstanden und in ihrer affirmativen Kraft bis in die Gegenwart hinein große Faszination ausüben.



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