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Alle Bemühungen in Hessisch Oldendorf waren erfolglos

Am Samstag ist bei Rewe Schluss

Hessisch Oldendorf. Lange war nichts am Supermarkt zu sehen, schien alles wie immer. Auch innen merkte der Kunde nichts von der bevorstehenden Schließung. Seit einigen Tagen ist nun ein Schild aufgestellt, das darauf hinweist, dass Rewe diese Filiale heute bereits um 15 Uhr schließt – und das für immer. Auch die Regale waren in den vergangenen Tagen immer leerer geworden. Mit einem weiteren Leerstand im Einkaufszentrum an der Segelhorster Straße öffnet sich für die Stadt eine Baustelle, fällt die Nahversorgung östlich der Innenstadt weg. Nun dürfte sich alles auf die Supermärkte und Discounter westlich der Langen Straße fokussieren.

veröffentlicht am 23.10.2015 um 18:25 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:49 Uhr

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Autor:

von christoph Boßmeyer
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Früh war im Grunde klar, dass die Stadt Hessisch Oldendorf keine Chance hat, die Entscheidung von Rewe rückgängig zu machen. Begonnen hatte aber alles schon viel früher, als der Eigentümer des Einkaufszentrums Insolvenz angemeldet hatte. Der luxemburgische Insolvenzverwalter Yann Baden kam ins Spiel, die finanziellen Forderungen wechselten nicht nur einmal den Gläubiger.

Ende des vergangenen Jahres dachte man, dass sich eine Lösung abzeichnet. Die Concept Immobilien GmbH aus Hamburg stand wohl kurz vor einer Einigung und hatte auch schon Pläne für das Einkaufszentrum gemacht. In letzter Sekunde, wie man es in der Hessisch Oldendorfer Verwaltung munkelt, wäre ein neuer Gläubiger ins Spiel gekommen und hätte alles wieder auf Anfang gesetzt. Dieser neue Gläubiger, Kildare Partners/Curzon Advidors aus London, ist auch Bürgermeister Harald Krüger bekannt, was schon viel heißt. Lange hatten weder Krüger noch irgendjemand aus der Verwaltung in dem englisch-luxemburgischen Konstrukt den Durchblick.

Unterschriftenaktion

gegen die Schließung hat nichts gebracht

Doch selbst die nun geknüpften zaghaften Kontakte helfen nicht. Der Stadt seien in dieser Sache schlicht die Hände gebunden, war schon vor kurzem von Krüger zu hören, weil es sich nicht um eine öffentliche Fläche handelt, sondern um Privateigentum. Zuletzt will Krüger erfahren haben, dass zwischen dem aktuellen Gläubiger und Rewe wieder Gespräche liefen. Aber seine Hoffnung auf ein glückliches Ende war da schon gen null gesunken. Bei der Pacht wäre man weit auseinander, will der Bürgermeister gehört haben. Und selbst wenn es auf der Ebene eine Lösung gäbe, müsste im Anschluss immer noch eine Einigung mit dem Insolvenzverwalter hergestellt werden. Im Angesicht dessen, dass Rewe bereits seit Tagen dabei ist, sich auf die Schließung vorzubereiten und sie heute stattfindet, ist es wohl tatsächlich zu spät für eine Wende.

In dieser Hinsicht hatten die Stadt und auch die Einwohner alles versucht. Iris Schubel und auch von einer Mitarbeiterin der Bäckerei im Rewe-Markt waren Unterschriften gesammelt worden. In nur vier Tagen hatte Schubel 2500 Unterstützer zusammen und wollte die Unterschriften an die Stadt und den Insolvenzverwalter Yann Baden übergeben. Sie hatte auch eine luxemburgische Zeitung angestachelt, von der ein Redakteur wohl mit Baden Kontakt aufgenommen hatte. Auch Rewe selbst hatte Schubel permanent mit Anrufen und Briefen bombardiert, aber nichts erreicht. Außer dem Statement, dass Rewe an sich gar nicht aus Hessisch Oldendorf weg will, der Markt aber nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne. Ein Fingerzeig auf die überzogenen Pachtforderungen des Gläubigers?

Neben Schubel war auch Hessisch Oldendorfs Ortsbürgermeister Claus Clavey tätig geworden und hatte die Einschaltung eines auf Insolvenzrecht und internationales Recht spezialisierten Anwalts gefordert. Weiter sollte die Stadt Grundbucheinsicht beantragen und das Sanierungsgebiet an der Segelhorster Straße ausweiten. Dann müsste die Stadt mit an den Verhandlungstisch kommen, war sich Clavey sicher. Das hätte aber auch bedeutet, dass die Stadt sich ein Vorkaufsrecht gesichert hätte, welches sie im Zweifelsfall hätte wahrnehmen müssen. Für die Haushaltssicherungskommune Hessisch Oldendorf ein Ding der Unmöglichkeit, das wird auch klar, wenn man Harald Krüger mit der Idee konfrontiert. Zuletzt hatte die Hessisch Oldendorfer SPD-Fraktion versucht, über den Landtagsabgeordneten Ulrich Watermann an Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies heranzukommen, damit dieser versuche, in den Prozess rund um den Rewe-Weggang einzugreifen. Der Bürgermeister ist mit seinen Gedanken zum Teil ohnehin schon weiter und macht sich über die Zeit nach Rewe Gedanken. Wenn der Supermarkt erstmal raus ist, werde es noch schwieriger, das Einkaufszentrum an der Segelhorster Straße wieder zu beleben.

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