weather-image
19°

Wie Jochen Huch als heimischer Unternehmer ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters geht

Am liebsten ohne Politik

Er ist in Hessisch Oldendorf geboren, dort zur Schule gegangen, hat seine Ausbildung in der Stadt absolviert und führt nun seinen Malerbetrieb in der Innenstadt. Jetzt will Jochen Huch ins Rathaus einziehen. Dewezet und Schaumburger Zeitung widmen den drei Kandidaten je ein Feature. Teil 2: Jochen Huch, der Pragmatiker aus der Wirtschaft.

Von Christoph Boßmeyer

veröffentlicht am 24.09.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 14:21 Uhr

270_008_7408718_ho_buergermeister_neu.jpg

Autor:

VON CHRISTOPH BOßMEYER
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bereits Ende Februar hat sich Jochen Huch (55) dazu bekannt, künftig die Geschicke der Stadt Hessisch Oldendorf – seiner Heimatstadt – als Bürgermeister lenken zu wollen. Damit hat der Malermeister mit Betrieb in der Kernstadt sich so früh zu seiner Kandidatur bekannt, wie keiner seiner Kontrahenten. Die frühe Entscheidung spricht für ihn, da weiß einer, was er will und plant scheinbar alles von langer Hand. Dann aber herrschte erst mal Ruhe und die anderen beiden Kandidaten übernahmen das Ruder im Wahlkampf. Wer nun denkt, Jochen Huch sei untätig gewesen, der irrt. Ebenso wie seine Kontrahenten stellte er sich dem Dialog mit den Bürgern.

Dennoch blieb der Unternehmer scheinbar immer etwas im Hintergrund. Tauchte aber doch an manchen Stellen auf und zeigte, dass er sich kümmert. So war er als Zuhörer auf der öffentlichen Mitgliederversammlung der BI Transit in Coppenbrügge und lauschte den Anmerkungen von Politikern und Kommunalchefs. Auch da drängte er sich nicht in den Vordergrund, obwohl er als Unternehmer in Hessisch Oldendorf und Vorsitzender des Werberings durchaus etwas zu sagen hätte.

Den 55-Jährigen im Wahlkampf zu begleiten, um zu sehen, wie der Mann das eigentlich macht, wie er auf die Bürger zugeht, gestaltete sich schwierig. Oft waren Termine nicht bekannt. Will Huch die große Bühne meiden? Auch das mag man ihm positiv auslegen. Andererseits, der Mann möchte Bürgermeister werden, eine Position bekleiden, bei der er sich nicht im Hintergrund wird halten können, sondern die Front fest gebucht hat.

Kein Mann vieler Worte: Jochen Huch möchte am Sonntag in seiner Heimatstadt Bürgermeister werden. Foto: rom

Je näher die Wahl am Sonntag, 28. September, nun rückt, scheint Huch aufzutauen. Er wird angriffslustiger. Das zeigen seine Aussagen auf der Podiumsdiskussion im Kultourismusforum. Natürlich lehnt er sich dort nicht zu weit aus dem Fenster, aber phasenweise gerät die Dreierrunde zum Zwiegespräch zwischen ihm und dem amtierenden Bürgermeister Harald Krüger. Schon im Vorfeld der Diskussion wird deutlich, dass sich der 55-Jährige etwas vorgenommen hat. Während sich Krüger und Brian Boyer drinnen aufhalten, Hände schütteln und hier und da ein Pläuschchen halten, hält Huch sich draußen auf an diesem milden Spätsommerabend. Ab und zu begrüßt er Bürger, unterhält sich ein wenig. Erst kurz bevor die Kandidaten auf die Bühne gebeten werden, betritt er den Raum. Auf der Bühne stellt er seine Kontrahenten sogleich in den Schatten – was die Größe angeht, denn der ehemalige Handballer ist hoch aufgeschossen, eine ganz schöne Kante, wie man unter Sportlern vermutlich sagen würde.

Im Vorfeld betonte Huch immer wieder, dass ihm die Themen Transparenz und Integration wichtig seien. Er wolle die Politikmüdigkeit vieler Menschen bekämpfen und sie wieder für Hessisch Oldendorf – seine Heimatstadt, diesen Fakt lässt er immer wieder durchscheinen – begeistern. Was sich auch wie ein roter Faden durch seine Argumentation zieht, ist sein Hintergrund als Unternehmer und Vorsitzender des Werberings, ein Verein, der sich um die Unternehmer in der Stadt und das Stadtmarketing kümmert. Themen, die er auch als Stadtoberhaupt beackern müsste. Aber vom vermeintlichen Gegenspieler würde Huch dann auf die andere Seite, die Seite der kommunalen Verwaltung, wechseln. Für einen Pragmatiker wie ihn eine Herausforderung. Bei seinen Antworten im Rahmen der Podiumsdiskussion stellt er immer wieder darauf ab, dass es den heimischen Unternehmen gut gehen müsse, Arbeitsplätze geschaffen werden könnten und letztlich die Wirtschaftskraft steigen würde. Das ist bei Huch die Lösung gleich bei verschiedenen Themen, sei es Familie und Soziales oder Tourismus. Das Ganze aber, wenn man Huchs Argumentation folgt, ohne „groß die Politik reinzubringen“, wie er an einer Stelle sagt. An einer anderen Stelle sagt er, dass es auch mal Entscheidungen „ohne Räte und ohne Politik“ geben müsse. Ebenso müsse „das Parteiendenken aus den Köpfen raus“. Dahinter steckt der Wille, die Stadt voranzubringen, keine Frage. Was Jochen Huch aber anstrebt, ist das Amt des obersten Verwaltungsbeamten. Eine seiner Hauptaufgaben wird es sein, sich mit dem Rat und der Politik zu beschäftigen. Es wäre spannend zu beobachten, wie Huch seinen Pragmatismus in der Rolle des Bürgermeisters ausleben würde. Behalten wolle er in jedem Fall seinen eigenen Betrieb, so sagt es der 55-Jährige zumindest bislang.

Wenn der Malermeister etwas sagt, dann kommt er generell meist auf den Punkt und benötigt nicht mehr Worte als unbedingt nötig. So schöpft er die vorgegebene Zeichenzahl zu den Fragen der Dewezet nie ganz aus, während seine Kontrahenten bis zum letzten Buchstaben ihre Plattform nutzen. Auch in den Interviews, in denen die Kandidaten lediglich fünf Sekunden für eine Antwort hatten, hält er bei fast allen Fragen das Zeitlimit ein. Lediglich bei der letzten Frage, warum er sich im Vorteil gegenüber seinen Kontrahenten sehe, verliert er den Kampf gegen die Uhr. Auch da nennt er immer wieder die zwei Aspekte, dass er in der Stadt aufgewachsen sei und dort seinen Betrieb habe. Und die Verbundenheit zur Stadt ist nicht nur eine Phrase, das merkt man beim Überraschungstermin im Seniorenheim „Ramsauers Mühle“, wo alle drei Kandidaten Mittagessen ausgeben. Immer wieder kann Huch mit der persönlichen Ansprache punkten. Lediglich der Knoten seiner Schürze klemmt am Ende. Als er ihn aufbekommt, ruft er aus: „Der Knoten ist geplatzt.“ Ob das auch für seinen Wahlkampf gilt, entscheiden die Bürger am kommenden Sonntag.

Alle Artikel, Fotos und Videos zur Wahl finden Sie im Internet unter kuerzer.de/howaehlt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt