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In Heßlingen werden Kinder berufstätiger Eltern und Flüchtlingskinder zusammen betreut / Gabriele Lösekrug-Möller besucht Grundschule

„Am Ende sind alle Gewinner“

HESSLINGEN. Seit anderthalb Jahren gibt es an der Grundschule Sonnental in Heßlingen eine Nachmittagsbetreuung, deren Plätze Kindern von berufstätigen Eltern vorbehalten sind. Dank EU-Fördermitteln können seit Anfang September auch Flüchtlingskinder an dem Programm teilnehmen. Gabriele Lösekrug-Möller lobt das Projekt.

veröffentlicht am 01.10.2017 um 14:21 Uhr

„Dieses Projekt ist eine Ermutigung für andere“, findet die ehemalige Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller (li.) beim Spielen mit den Kindern. foto: ah
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Annette Hensel Reporterin
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„Ich brauche beim Schreiben Hilfe und bin froh, dass ich hier meine Hausaufgaben machen kann. Auch meine Eltern finden das gut“, erzählt eine Zehnjährige. „Mir gefällt es hier sehr“, meint eine Sechsjährige und ein Gleichaltriger verrät: „Wir haben schon viele Freunde gefunden.“ „Am Schluss holt uns immer ein großes Taxi ab und fährt uns nach Hause“, berichtet ein Achtjähriger stolz.

Die Rede ist von der vor anderthalb Jahren eingeführten Nachmittagsbetreuung in der Grundschule Sonnental in Heßlingen, deren Plätze nur Kindern von berufstätigen Eltern vorbehalten sind. Flüchtlingskinder waren bislang davon ausgeschlossen. Integrationslotse Herbert Vauth erkannte jedoch den Bedarf. Im Sommer beantragte er für das Projekt „Nachmittagsbetreuung für Flüchtlingskinder“ EU Fördermittel aus dem Programm „500LandInitiativen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Zum Sommerferienende kam von dort die Bewilligung. Umgehend kümmerten sich Förderverein, Schulleitung und Stadtverwaltung um die Organisation von Mittagessen, zusätzlichem Geschirr und Besteck, Heimfahrt und um die Anstellung einer weiteren Betreuungskraft. Dank Impuls und dem Hamelner Verein S.A.M. wurde Monique Rehse gefunden, die mit Flüchtlingsarbeit vertraut ist.

Anfang September konnte Natalie Evans, Vorsitzende des Fördervereins die derzeit sechs Flüchtlingskinder an der Schule erstmals bei der Nachmittagsbetreuung begrüßen. Nach dem Unterricht essen sie dienstags bis donnerstags zusammen mit den anderen Kindern, bevor sie von Monique Rehse bei den Hausaufgaben unterstützt werden. Außerdem wird in großer Runde erzählt und gespielt. „So soll den Kindern die Integration erleichtert und nachhaltig ermöglicht werden“, so Vauth.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) hörte über eine Kollegin in Berlin von der Förderung und beschloss die Grundschule Sonnental aufzusuchen, um mehr über das Projekt zu erfahren. „Niemand flieht aus einem Land, in dem es ihm gut geht – und Kinder haben es besonders schwer“, betont sie.

„Die Nachmittagsbetreuung ist eine Bereicherung für die Flüchtlingskinder, sie hilft ihnen Anschluss zu finden“, erklärt Natalie Evans und Heiko Eggers, Vorsitzender des Schulelternrats ergänzt: „Je mehr man macht, umso besser wird es.“ Das Projekt sei eine Rundum-Geschichte, meint Gabriele Brakemeier vom S.A.M.-Vorstand. „Nachmittags sind diese Kinder normalerweise unter sich. Dank der Betreuung können wir sie fördern, ihnen Strukturen und Regeln mitgeben und sie besser integrieren“, so Schulleiterin Sabine Sieg-Windeler und sagt: „Schon nach so kurzer Zeit zeigt sich, dass sie sich öffnen, Vertrauen entwickeln, dass sich Rollen ändern und die Schule zur Heimat wird.“

Fachbereichsleiterin Margareta Seibert ist dankbar, dass Herbert Vauth den Antrag gestellt hat: „Wir haben zu wenig Nachmittagsbetreuungsplätze – und da zählt der Rechtsanspruch“, betont sie.

Gabriele Lösekrug-Möller setzt sich zu Kindern, die an einem Tisch spielen und sagt: „Mein Eindruck ist, dass das alles hier in guten Händen ist und am Ende alle Gewinner sind. Dieses Projekt ist eine Ermutigung für andere.“

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