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Restauriertes Feuerwehrfahrzeug beim Gassenfest vorgefahren / Für einige ein bewegender Augenblick

Altes Schätzchen kehrt nach Zersen zurück

Zersen (ah). „Tatütata“ ertönt das Martinshorn, als ein besonderer Überraschungsgast beim 17. Gassenfest in Zersen vorfährt. Manche Dorfbewohner reagieren mit „Das gibt’s ja nicht“ oder „schau doch nur“, anderen schießen Tränen in die Augen. Angekommen ist gerade Markus Clemens mit einem feuerroten Ford Taunus Transit F K 1250, Baujahr 1965, mit 55 PS. Das Auto, das die Dorfbewohner emotional bewegt, war laut Ortsbrandmeister Christian Milde „das erste selbstfahrende Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Zersen“.

veröffentlicht am 20.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:41 Uhr

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„Bewegend“ ist für seinen Vater Werner das Wiedersehen mit dem Wagen, den er selbst früher als Maschinist gefahren hat. „Mit sechs Mann und der ganzen Ausrüstung haben wir es damit bis hoch auf den Hohenstein geschafft, sind nie liegengeblieben“, erzählt er. 25 Jahre leistete das Fahrzeug der Wehr gute Dienste, bevor es vom Ford Transit L, Baujahr1990, mit 90 PS, abgelöst wurde.

Nach der Ausmusterung hatte ein Aerzener das alte Fahrzeug erworben, von dort ging es 2011 in den Besitz von Karosseriemeister Markus Clemens aus Gütersloh über, der es restaurierte. Der Fachmann erklärt, dass jener Taunus Transit „1965 nicht bei Ford, sondern bei Drauz in Heilbronn gefertigt wurde, wo zur gleichen Zeit der 356er Porsche gebaut wurde“. An der schönen handwerklichen Verarbeitung sehe man, „dass bei diesem Feuerwehrauto keine Maschine dran war“, so Clemens.

Kurios: Auf beiden Vordertüren prangte unter dem silbergrauen Originalschriftzug „Freiw. Feuerwehr“ ein Werbeaufkleber. Erst nach dem Entfernen kam das „Zersen“ zutage und brachte Clemens auf die Idee, das Fahrzeug im ursprünglichen Einsatzort zu präsentieren. So nahm er Kontakt zur Wehr im Hohensteindorf auf, teilte per Mail mit: „Das Auto lebt, ist restauriert, fahrbereit und steht zum Verkauf.“

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„Ich bin sehr glücklich, unserer Dorfgemeinschaft so ein altes Schätzchen vorstellen und es vielleicht auch nach Zersen zurückholen zu können“, erklärt der Ortsbrandmeister. Möglich werden soll der Kauf durch einen Spendenaufruf im Dorf. „Das Fahrzeug passt sehr schön zu den Exponaten in unserer historischen Lehrmittelsammlung“, so Milde. Auch die alte viergliedrige Leiter existiert noch: zwei Elemente befinden sich in der Sammlung, die anderen beiden dienen als Garderobe im Feuerwehrhaus. „Natürlich soll der Oldtimer auch fahren, etwa bei Jubiläen oder Feuerwehrumzügen“, betont Milde.

„Die Sache hat Stil“, lobt Marcus Paulig, Aktiver in der Zerser Ortswehr, der als 19-jähriger Maschinist selbst hinter dem Lenkrad des Ford Taunus Transit gesessen hat. Nun lässt er es sich nicht nehmen, das zu wiederholen. „Das erzeugt bei mir schon ein bisschen Gänsehaut“, gesteht Marcus Paulig.

Die Überraschung mit dem alten Feuerwehrfahrzeug ist nur einer der Höhepunkte beim Gassenfest, das die Dorfgemeinschaft Zersen alle zwei Jahre ausrichtet. Kinderflohmarkt und Käfer-Hüpfburg erwarten die jüngeren Gäste ebenso wie willkommene Wasserfreuden beim Löschen des Spritzenhäuschens, bei dem die Leiterinnen der Kinderfeuerwehr Barksen so manchen Tropfen abbekommen. Eine Riesenschweinerei, zugleich aber eine Herausforderung mit großem Spaßfaktor für die vornehmlich männlichen Baumeister: Das Fertigen von Skulpturen mit Hammer und Meißel aus Ytong-steinen. Zur Erfrischung bei hochsommerlichen Temperaturen sind alkoholfreie Cocktails sowie Eis heiß begehrt.

Nicht nur ganz Zersen ist auf den Beinen, als die gelben Plastikenten zum traditionellen Entenrennen zu Wasser gelassen werden und von der Masse angefeuert ihrem Ziel entgegenschwimmen. Wenn auch seine Ente nicht das Rennen macht: Bürgermeister Harald Krüger ist begeistert von der Atmosphäre zwischen den alten Backsteingebäuden, die durch die Zersener und ihre Stände lebendig werden. Noch zu nächtlicher Stunde ist die wunderschön illuminierte Straße „Zwischen den Brücken“ belagert von feiernden und zur Musik des Constructor Disco Teams tanzenden Gästen.

„Wann kommt denn unsere Ente endlich?“ Warten auf die Ente mit der eigenen Nummer.

Ortsbrandmeister Christian Milde (v. li.), Karosseriemeister Markus Clemens, Bürgermeister Harald Krüger und Werner Milde am alten Feuerwehrfahrzeug.

Fotos: ah

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