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Der TuS Großenwieden – ein Traditionsverein blickt auf seine wechselvolle Geschichte zurück

Als Fußbälle noch repariert wurden

Großenwieden. Bereits 100 Jahre hat er auf dem Buckel und ist doch unglaublich jung: Der Großenwiedener Turn- und Sportverein. Am Wochenende feierte er sein Jubiläum mit zwei Bands, vielen Mitgliedern und Gästen und viel guter Laune.

veröffentlicht am 17.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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Von einigen Sportenthusiasten 1913 gegründet, blickt der Traditionsverein auf eine wechselvolle Geschichte zurück, in der Sieg und Niederlage, Tränen der Enttäuschung und Freude dicht beieinander liegen. Was aber für die einzelnen Sportsparten früher galt, zählt noch heute: Der Sportverein verbindet, gehört zum festen Gefüge der Dorfgemeinschaft, führt Menschen zueinander und fördert den Zusammenhalt im Weserdorf.

Oberste Priorität aller Sparten war immer die Fairness, sagt Vorsitzender Lutz Söffker. Besonders in Zeiten, als das Geld knapp war, fügt er an. So erinnert er sich an den Einsatz von Schuhmachermeister Heinrich Pape, der im Verein für drei Jahre Zeugwart war. „Es war schon eine Kunst, wie er den ramponierten Lederbällen nach den Spielen wieder zu ihrer Form verhalf.“ 1948 war es, als die Mannschaften bei Auswärtsspielen ihre Fußbälle mitnehmen mussten. „Damals kam es öfter vor, dass ein Spiel abgesagt werden musste, weil kein Ball aufzutreiben war“, erzählt der Erste Vorsitzende. Manchmal sei es allerdings auch zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Vereinen gekommen, wenn das runde Leder plötzlich nicht aufzutreiben war, obwohl es der Zeugwart mitgenommen hatte.

Erich Meier war zu der Zeit Schriftführer im Verein. Einer seiner Briefe von 1948 an einen fremden Verein ist erhalten: „Wir teilen Ihnen mit, dass Sie sich Ihren Ball abholen können, wenn Sie uns unseren wiederbringen. Wir haben drei Bälle mit zu Ihnen genommen, wovon einer im wahrsten Sinne des Wortes geklaut wurde. Sie geben ja nun an, das hätte Ihre Jugend getan, ein Beispiel dafür, wie gut Sie diese im Zuge haben. Wir wollen doch Sportler sein und uns nicht auf eine solch billige Art die Bälle stibitzen, die wir auch nicht auf der Straße finden“, heißt es in dem Brief. Natürlich wurde der Ball zurückgegeben.

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  • Fußballmannschaft in den 50er Jahren, 1948 waren die Großenwiedener in die Kreisklasse aufgestiegen. pr

Bereits 1913 bei der Gründung des Vereins hatten sich die Sportler ein Vereinslokal auserkoren, das es auch heute noch in Großenwieden gibt – den Gasthof Beißner. Hier wurden regelmäßig Turn-Übungsabende veranstaltet. Auch eine Damenmannschaft wurde gegründet, die innerhalb kürzester Zeit sportliche Erfolge aufweisen konnte. „Die Inflation 1923 machte dem Verein wirklich zu schaffen“, erzählt Lutz Söffker. Jugendliche mussten einen Jahresbeitrag von 25 000 Mark entrichten, Erwachsene wurden mit 100 000 Mark zur Kasse gebeten. „Dabei muss natürlich bedacht werden, dass ein Kilo Butter zwei Milliarden Mark kostete“, so Lutz Söffker augenzwinkernd.

Trotzdem konnte der Verein weiteren Mitgliederzuwachs verzeichnen. Zu den Turnern kamen die Sparten Handball und Fußball. „Fußballschuhe gab es damals noch nicht. Gespielt wurde mit Straßenschuhen.“ Große Erfolge konnte die Handballmannschaft vorweisen, die schließlich in den Bezirk aufstieg. „Die meisten Spiele gegen Steinbergen und Hameln konnten wir gewinnen“, betont Söffker. Großenwieden mauserte sich zur Handballhochburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich der Verein neu formieren. Ein Problem hatten die Fußballer vor allem zu lösen: „Wie kommen wir zu den Auswärtsspielen?“ Fahrten mit dem Autobus oder einem Lkw waren nur mit Sondergenehmigung der englischen Besatzungsbehörde möglich. So fuhren die Sportler mit dem Fahrrad in die Nachbardörfer oder gingen zu Fuß. Trotzdem waren sie leistungsstark: Die erste Mannschaft des Vereins stieg 1948 in die Kreisklasse auf und erreichte stets oberste Tabellenplätze. Wegen der guten sportlichen Leistungen beschloss der damalige Vorstand, den Sportplatz auf der Bruchbreite zu vergrößern, was dem Verein Schulden in Höhe von 900 Mark bescherte. Es dauerte fünf Jahre, bis man die Finanzen wieder in den Griff bekam. Ende der 1970er Jahre beschloss der Vorstand, eine Turnhalle zu bauen, die nach fast zweijähriger Bauzeit im Juni 1979 eingeweiht wurde. Passend dazu holte die Erste Herrenmannschaft im Fußball zum dritten Mal den Weserpokal nach Großenwieden.

Mittlerweile werden im Verein die verschiedensten Sportarten angeboten. Neben der Turnsparte gibt es Aerobic, Faustball, eine Wandersparte und Fahrradausdauersport. Dabei scheint der mitgliedsstarke Verein den Satiriker Joachim Ringelnatz zu kennen, der einst schrieb: „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit, und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit.“



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