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Aus der Geschichte des Hessisch Oldendorfer Vereins, der morgen sein 150-jähriges Bestehen feiert

Als die Nazis die Fahne des VfL einzogen

Hessisch Oldendorf. Man schreibt das Jahr 1934, sportliche junge Leute treffen sich zum Gauturnfest in Afferde. Mit dabei die Turner aus der Weserstadt Hessisch Oldendorf. Der Höhepunkt des Festes soll wie immer der große Festumzug sein. Die Vereine stellen sich auf, da kommen Männer in braunen Uniformen und geben den Hessisch Oldendorfern des Turnvereins Jahn unmissverständlich zu verstehen, dass sie bei diesem Umzug nicht mitmarschieren dürfen.

veröffentlicht am 06.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Peter Jahn
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Die Nationalsozialisten hatten die Turnerschaft als Dachverband aufgelöst, an ihre Stelle ist der Reichsbund für Leibesübungen getreten. Und der hatte neue Gesetze geschaffen, griff grundlegend in die Sportbewegung ein. Die Vereinsfahne des Turnvereins Jahn wird eingezogen. Den Verein, den turnbegeisterte Männer, die sich in lockerer Runde zum Sporttreiben getroffen hatten, gegründet hatten, gibt es nicht mehr.

Turnen war früher sehr populär. Früher, das meint die Zeit um 1860, als sich Männer trafen, um am Reck und am Barren, an Ringen und am Boden Übungen durchzuführen. Es war auch die Zeit der Vereinsgründungen. Viele der Vereine verstanden sich in der Tradition von Turnvater Friedrich-Ludwig Jahn. So auch der heutige VfL Hessisch Oldendorf. Turnen war eine reine Männerdomäne, wie Walter Eikmeier, der Vorsitzende des VfL Hessisch Oldendorf, erklärt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es auch eine Jungen- und eine Mädchenabteilung. Geturnt wurde über viele Jahrzehnte übrigens unter freiem Himmel auf dem Schützenplatz, dort, wo sich heute der große Parkplatz des Baxmann-Zentrums befindet. Als Walter Eikmeier noch Kind war, also vor über 70 Jahren, standen noch zwei Barren vor dem Kindergarten, der heutigen Malschule. „Die Stangen wurden immer abgenommen“, erinnert sich der VfL-Vorsitzende.

Doch noch einmal zurück zur Geschichte des größten Vereins in der Hessisch Oldendorfer Kernstadt. Vor 150 Jahren als Männerturnverein gegründet, geht 1876 die Freiwillige Feuerwehr daraus hervor. Es folgt 1902 die Umbenennung in Turnverein Jahn. 1928 macht sich die Sparte Grün-Weiß als TuS Hessisch Oldendorf selbstständig.

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  • Die Männer des damaligen TV Jahn Hessisch Oldendorf im Jahr 1902. 1959 benannte sich der Verein in VfL um.

Das Verbot durch die Nationalsozialisten bedeutet 1934 keineswegs das Aus für den Verein. Zwar ruht für zwei Jahre der offizielle Turnbetrieb, doch die Sportler geben nicht auf. 1937 wird ein Weg gefunden, um das Vereinsschiff wieder flott zu machen. Schneidermeister Wilhelm Christoph und Walter Edler gehören zu denen, die unter dem Namen Turnverein den Neuanfang schaffen. Und noch einmal wird es schwierig: Die Engländer verbieten 1945 vorübergehend die Vereinstätigkeit.

Danach geht es stetig bergauf, der Höhepunkt wird in den 90er Jahren erreicht. Der Verein nennt sich seit 1959 Verein für Leibesübungen, neue Sparten kommen dazu und die Mitgliederliste weist über eintausend Namen auf. Dieses Niveau lässt sich aber nicht halten. Demografie und weitere Veränderungen in der Gesellschaft tragen ihren Teil dazu bei, dass die Mitgliederzahl vor wenigen Jahren auf 750 abrutscht. Paradox – der Vorsitzende kann trotz allem sagen: „Wir haben keine Nachwuchssorgen.“ Und dies erklären Walter Eikmeier und sein Stellvertreter Peter Bormann so: „Die Zahl der Eintritte bei Kindern ist nach wie vor hoch, der Knick kommt, wenn die jungen Leute eine Ausbildung beginnen oder das Abitur in der Tasche haben und das Weserbergland verlassen.“ Walter Eikmeier kann erfreut feststellen, dass viele der früheren Mitglieder wieder in den Verein eintreten, wenn sie Kinder haben. „Dann meldet sich meist die ganze Familie an.“

Peter Bormann formuliert die Zukunftsaufgabe des VfL so: „Wir müssen uns immer die Frage stellen, sind wir für andere attraktiv?“ Das bedeute, dass ständig am Angebot gearbeitet werden müsse. „Es reichen nicht nur Bewegungskurse, die über die Krankenkasse für Kinder angeboten werden“, erklärt er. Gerade für Kinder ist das Angebot beim VfL seit Jahren groß und wird auch gut angenommen, wie Walter Eikmeier und Geschäftsführerin Heidith Ladda erklären. Peter Bormann verweist darauf, dass neben der Turnhalle eine Grillhütte gebaut wurde, an der man sich in gemütlicher Runde trifft, dass auf dem Sandspielfeld gekickt, Volleyball und Handball gespielt werden kann. Zu den Konzepten für die Zukunft gehören auch die Beteiligung am Ferienpass und die Überlegung, künftig Freizeiten anzubieten. Die gesamte Vereinsarbeit und ein umfangreiches und qualifiziertes Angebot stehen und fallen mit qualifizierten Übungsleitern und Menschen, die bereit sind, ehrenamtliche Arbeit zu leisten, wissen Walter Eikmeier und Peter Bormann. „Und deshalb sind wir bemüht, noch mehr Menschen zu aktivieren.“



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