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Berufe, die man heute kaum noch kennt

Als der Böttcher noch Fässer aus Holz anfertigte

Hessisch Oldendorf (ah). Einige erinnern sich noch, wie der Amtsdiener, auch Büttel oder einfach nur Ausrufer genannt, mit seiner Glocke durch Hessisch Oldendorfs Straßen lief und rief: „Hiermit wird bekanntgegeben, dass aus jedem Haushalt eine Person zum Segelhorster Berg kommen muss, um ihn vom Schnee freizuschaufeln!“ Ältere Einwohner werden sich schmunzelnd entsinnen, in welch heiterer Stimmung so manch einer heimkehrte, da stets ein wärmender Tropfen auf die Helfenden wartete.

veröffentlicht am 19.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:21 Uhr

August Römmer war der letzte Hessisch Oldendorfer Böttcher.
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Den Ausrufer, eine Institution in jeder Ortschaft, erwecken die Welseder kurzzeitig wieder zum Leben, wenn sie auf diese traditionelle Weise zu ihrem Weinfest einladen. Ansonsten ist der Berufsstand heute ausgestorben – ebenso wie der des Zieglers. Dieser verdiente mit Handarbeit sein Brot in Ziegeleien, die etwa in Rumbeck, Fischbeck, Krückeberg, Fuhlen oder Großenwieden ansässig waren. Über das Stadtgebiet verteilt, geben rote Backsteinhaussiedlungen Zeugnis von diesem historischen Beruf.

Wie Ziegler verschwanden viele Berufe im letzten Jahrhundert aus dem Stadtbild, weil Maschinen Handgearbeitetes ersetzten, weil es keinen Bedarf an dem Erzeugnis oder schlichtweg keinen Nachfolger gab. Letzter seiner Zunft in Hessisch Oldendorf ist beispielweise Böttchermeister August Römmer gewesen, der seine Werkstatt in der Südstraße hatte. Hand aufs Herz: Hätten Sie sofort benennen können, was ein Böttcher herstellt? Er fertigt Schlachtermollen, Tröge, Butter- und Weinfässer, Bottiche (daher die Berufsbezeichnung) aus Holz, die mit einem Reifen zusammengehalten werden.

Wer tiefer in die Stadtgeschichte Oldendorfs eintaucht, erfährt, dass Bierbrauer und Münzmeister schon vor Lebzeiten des legendären Cord Baxmanns angesehene und einträgliche Berufe waren.

In Zeiten, in denen noch Pferde das Bild auf den Straßen prägten, hatten Schmiede und ihre Gesellen etwa in der alten Stadtschmiede an der Ecke Lange Straße / Marktplatz genügend zu tun. Nicht weit davon entfernt gab es einen Korbmacher und einen Zinngießer, der die Bedürfnisse der moderner eingerichteten Bürger erkannte und ein Klempner-Geschäft eröffnete. „Es gibt eine klar erkennbare Weiterentwicklung der Berufe“, erklärt Bernd Stegemann vom Vorstand des Heimatbundes, dem viel daran gelegen ist, vergangene Bräuche und Sitten im Gedächtnis der Bevölkerung zu halten.

Sein Großvater war Zigarrenmacher, erhielt den Tabak auf dem Wasserwege aus Bremen. Die ganze Familie war bei Zigarrenmachern im Einsatz, schnitt Tabakblätter zu und drehte die Rauchware sorgfältig in Heimarbeit, weiß Stegemann. Alte Tabakmesser seines Großvaters Fritz Lücke, der sich durch Erweiterung des Warenbestands erfolgreich selbstständig machte, sind im Museum in Rinteln zu bewundern.

Zur sozialen Absicherung übten Maurer zu Zeiten, als noch Hausschweine gehalten wurden, einen zweiten Beruf aus: Als Hausschlachter, die „mit ihren hausgemachten Würsten über sich hinauswuchsen“, hatten sie im Winter ein weiteres Einkommen, so Stegemann und ergänzt: „Von den Schweinen blieben höchstens Reste für Meisen und die Haare übrig, die an Bürstenbinder weitergegeben wurden.“

Manche Berufe, die heute noch so lauten wie vor 100 Jahren, hatten damals ganz andere Tätigkeitsfelder abzudecken: So waren Menschen mit Zahnschmerzen bei Friseur Karl Grending in guten Händen, denn er erledigte kleinere chirurgische Eingriffe wie Zähneziehen. Zugleich war der „Putzer“ natürlich auch für Bärte und Frisuren zuständig.

Ob junge Menschen wissen, dass es einst Kolonialwarenhändler gab? Dass dort, wo heute Getränke- und Supermarkt stehen, die Stuhlfabrik Brautlecht und davor die Lohgerberei Wehrhahn angesiedelt waren? Vielleicht haben Sie, liebe Leser, einmal in solch einem Betrieb gearbeitet? Sind Sie gelernter Gerber, Tuch-, Hut- oder Büchsenmacher, Weißnäherin, Kesselflicker, Färber, Sattler, Stellmacher oder hatten Sie eine feste Anstellung als Nachtwächter? Gibt es jemanden in der Verwandtschaft, der im Stadtgebiet einen Beruf ausgeübt oder einen Laden geführt hat, den es heute so nicht mehr gibt? Dann melden Sie sich bei uns in der Redaktion (Tel. 05151/200415) und erzählen darüber. Sollten unterhaltsame Geschichten herauskommen, werden wir sie in loser Folge auf dieser Seite veröffentlichen.



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