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Ortsbürgermeister Friedrich Koch arbeitet an Dorfchronik / Unterlagen zeichnen lebhaftes Bild des Ortes

Als das Handwerk in Bensen brummte

Bensen. Ting, ting, ting, klingt der helle, gleichmäßige Schlag des Hammers aus der Schmiede von Max Thielsch in Bensen. Man schreibt das Jahr 1955, und Meister Thielsch beschäftigt in dieser Zeit zwei Lehrlinge und einen Gesellen. 52,58 DM Wochenlohn bekommt Letzterer von seinem Arbeitgeber. Es ist die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg, und die Umsätze in Industrie, Handwerk, Landwirtschaft und im Dienstleistungsgewerbe steigen. Auch aus der Bau- und Möbeltischlerei von Ferdinand Schulte zeugt das Kreischen der Kreissäge von arbeitsamem Treiben. Seine vier Mitarbeiter bekommen 1,55 Deutsche Mark in der Stunde. Ganze 1,86 DM zahlt Heinrich Bergmann pro Stunde, der zu dieser Zeit ein Baugeschäft in Bensen betreibt, Bauentwürfe anfertigt und auch im Hoch- und Tief- sowie Stahlbetongewerbe tätig ist. Das 1952 gebaute Feuerwehrhaus ist aus seiner Feder, 1956 wird er die Volksschule bauen. In der Maßschneiderei nebenan rattert die Nähmaschine und im Malergeschäft von Wilhelm Schulte fragen die Kunden nach Tapeten und Farben. Frauen kommen und kaufen ihr Brot in der Bäckerei Lange, lassen die Kanne Milch beim Bauern auffüllen und in einem der drei Lebensmittelläden in Bensen holen sie den Rest ein, alles eben, was man so fürs Tägliche braucht. Der Sonntagsbraten dagegen ist schon beim Hausschlachter oder in der Landschlachterei vorbestellt, Fleisch gibt es nicht an jedem Wochentag. Aber ein Bier am Abend, das gönnt sich der eine oder andere gern in einem der drei Wirtshäuser.

veröffentlicht am 11.09.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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So oder ähnlich mag es gewesen sein in Bensen Mitte der 1950er Jahre. Es ist ein Bild ohne Gewähr, doch wirklichkeitsnah, denn die Daten hat Ortsbürgermeister Friedrich Koch zusammengestellt. Über 200 Seiten Material für die noch unfertige Chronik, die er irgendwann einmal in Worte fassen will, liegen dafür bereit. Der Grundstein jedenfalls ist gelegt. Die Unterlagen des Bensers sind eine Art Datenbank, in der aufgeführt ist, soweit möglich, wer wann welches Geschäft betrieben hat, wie viele Angestellte der Betrieb hatte, wie viel verdient wurde, wer das Geschäft übernommen hat und warum es geschlossen wurde. Denn das ist Fakt: Überlebt hat kein einziges den Wandel der Zeit. Zwar ist Bensen heute ein Ort mit schmucken Eigenheimen, der 1964 und 1968 sogar vordere Plätze beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ holte, aber in dem Maße, in dem der Ort optisch mehr und mehr Zeugnis ablegte vom Wohlstand seiner Bürger, verlor er auch wichtige infrastrukturelle Eckpfeiler. Geschäfte mit Tradition verschwanden mit dem Tod ihres Besitzers von der Bildfläche, kleine Höfe gingen in größeren auf und die Lebensgewohnheiten der Menschen taten ein Übriges, um den Versorgungskreislauf im Dorf zu unterbrechen.

Dass früher trotzdem nicht alles besser war, zeigt ein Blick weit zurück in die Geschichte des Dorfes: Die meisten Häuser waren in schlechtem Zustand und mit einem Strohdach versehen, heißt es in Friedrich Kochs Unterlagen um 1838. 21 Haus- und Hofstellen hatten damals einen Backofen und zum Anspannen gab es insgesamt nur 15 Pferde. „In der Dorfbeeke schwammen Forellen, Mayfische und Krebse welche zu fangen die gnädige Herrschaft und das Stift Fischbeck berechtigt waren“, heißt es weiter. Der Schulmeister musste sich mit 24 Groschen Gehalt und drei Groschen Holzgeld sowie zwei Malter Roggen pro Kind zufriedengeben. Was der Pfarrer von den einzelnen Hausstellen bekam, war ebenfalls genau festgelegt. Die Zuordnung erfolgte dabei nach Hausnummern – Straßennamen wurden erst nach der Gemeindereform festgelegt. Besiedelt wurde Bensen im Jahre 600, erstmals urkundlich erwähnt 955. Keimzelle des Orts ist der Hof Lange in der Hohlen Straße 1. Ursprünglich hieß das Rundlingsdorf Bensen „Benneshusen“, das Haus des Benno, denn der war ein Getreuer des Stiftes Fischbeck, der eine „Hufe“ (Gemarkung) bekommen hatte, ganz genauso wie „Haddo“ und „Wicko“, ebenfalls Getreue des Stiftes.

Aus Friedrich Kochs Unterlagen geht hervor, wie Bensen sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, wie und wovon die Menschen leben. Neben dem fruchtbaren Boden geben der Wald, die Kalk- und Sandsteinbrüche und der Bergbau den Menschen Arbeit. Nicht wenige wandern täglich von Bensen über den Süntel nach Bakede, um in der dortigen Stuhlfabrik zu arbeiten. Aber zurück in die 1950er: 1955 ist ein besonderes Jahr für Bensen, gemeinsam mit Haddessen und Wickbolsen feiert der Ort sein 1000-jähriges Bestehen mit historischem Umzug und viel Prominenz – unter anderem kommt der Fürst zu Schaumburg-Lippe. Und es ist das Jahr, in dem sich in Bensen die erste Dorfgemeinschaft im ganzen Landkreis gründet. Und, das kann Ortsbürgermeister Friedrich Koch mit Stolz sagen, dieser Eckpfeiler der dörflichen Infrastruktur besteht bis heute. Denn auch wenn man sich heute nicht mehr beim Bäcker, Schlachter oder der Post trifft: Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, werden gehegt und gepflegt – weil sie der Kern der dörflichen Gemeinschaft sind.

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  • Schaufenster des Lebensmittelgeschäftes Westhofen.
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  • Heinrich und Maria Wömpener schmecken die Blutwurst ab.

Im Internet: Mehr über Bensen auf Friedrich Kochs Website www.bensen-suentel.de.



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