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Im Keramikmalstudio an der Langen Straße gestalten zwei Segelhorsterinnen ihre eigenen Weihnachtsfiguren

„Alles Paletti“ in der eigenen Krippe

HESSISCH OLDENDORF. Mitten im Hochsommer an Weihnachten denken? Bei 30 Grad und Sonne eine Jesuskind-Figur bemalen? Kein Problem für Tanja Kapust und Christin Holfter. Die beiden Segelhorsterinnen arbeiten im Atelier „Alles Paletti“ schon seit Anfang des Jahres an ihren eigenen Krippenfiguren.

veröffentlicht am 20.12.2017 um 17:40 Uhr

Tanja Kapust (re.) und Christin Holfter freuen sich auf ihr erstes Weihnachtsfest mit ihren selbstbemalten Krippenfiguren. Foto: jli
Johanna Lindermann

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Johanna LindermannDWZ Volontärin
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„Ich wollte gerne eine Krippe haben, also dachte ich mir, ich mache einfach meine eigene“, sagt Kapust. Gesagt, getan. Gemeinsam mit ihrer Freundin Christin Holfter fragte sie beim Keramik-Atelier „Alles Paletti“ in der Langen Straße an. Die Inhaberinnen Bettina Lütjen und Sabine Spuhl haben zwar viele Keramik-„Rohlinge“ im Programm, die bemalt werden können, doch Krippenfiguren gab es hier noch nicht. Für ihre Kundinnen bestellten sie aber kurzerhand die Figuren. „Am Anfang waren wir doch etwas überrascht, wie groß sie waren“, sagt Kapust. Zwar hätten sie im Vorfeld die Größe gewusst, doch die bis zu 30 Zentimeter hohen Hirten, Könige und Engel hätten in der Realität doch größer gewirkt. Dennoch machten sich die Freundinnen im März gut gelaunt an die Arbeit.

Seither „versuchen wir, jede Woche hier zu sein“, sagt Holfter und ihre Freundin ergänzt: „Es ist einfach schön, wenn man herkommt und malt, egal was ist, und dabei abschalten kann.“ Übrigens ist das Bemalen nicht nur etwas für Frauen: „Es ist richtig ansteckend. Selbst mein Mann war schon hier“, sagt Holfter. „Das Keramikmalen ist das eine, das Team macht es aus.“ Denn die Inhaberinnen Lütjen und Spuhl täten viel dafür, dass sich die Kunden in ihrem Laden wohlfühlten. „Man fühlt sich hier wie in einem zweiten Zuhause“, sagt Kapust. „Manchmal kommen wir auch her, malen aber gar nicht, sondern unterhalten uns hier. Es ist wie eine kleine Familie.“

Eine künstlerische Vorbildung haben die beiden übrigens nicht. Die Figuren entstehen nur aus ihrer Lust am Malen heraus. Aber auch hier unterstütze das Team von „Alles Paletti“ die Hobby-Künstlerinnen sehr. „Wenn wir uns zum Beispiel nicht sicher sind, welche Farbe man nehmen könnte, liegen beim nächsten Mal ungefragt bunt ausgedruckte Bilder von Krippenfiguren auf unserem Tisch.“

Tanja Kapust arbeitet an ihrem Heiligen König. foto: jli
  • Tanja Kapust arbeitet an ihrem Heiligen König. foto: jli
Zum Vergleich: Rechts die unbemalten Keramik-Figuren, in der Mitte ein „halbfertiger“, bemalter, aber noch gebrannter König und links die fertiggestellten Krippenfiguren. Foto: jli
  • Zum Vergleich: Rechts die unbemalten Keramik-Figuren, in der Mitte ein „halbfertiger“, bemalter, aber noch gebrannter König und links die fertiggestellten Krippenfiguren. Foto: jli

An einer Figur arbeiten die beiden ungefähr an drei bis fünf Terminen. Dabei müssen die Farben ausgewählt und in bis zu drei Schichten aufgetragen werden, je nachdem, wie intensiv die Farbe später werden soll. Nachdem die Farbschichten getrocknet sind, wird die Figur von den Inhaberinnen glasiert und kommt dann für 36 Stunden in den über 1000 Grad heißen hauseigenen Brennofen. Die Figuren nach dem Brennen das erste Mal zu sehen, sei auch immer spannend. „Gebrannt sehen sie immer noch mal anders aus“, erklärt Holfter. Die Farben würden durch den Brennvorgang intensiver. Außerdem könne man erst dann sehen, an welchen Stellen man vergessen habe, eine zweite oder dritte Schicht Farbe aufzutragen. „Aber das macht nichts. Man soll ja sehen, dass sie handgemacht sind.“ Deshalb setzen die beiden auch unter jede ihrer Figuren ihren Namen – ganz wie in einer großen Manufaktur. „Es ist schön, dass es so etwas in Hessisch Oldendorf gibt“, bilanziert Holfter. Ähnliche Keramikmalstudios befänden sich sonst meist nur in den größeren Städten.

Bettina Lütjen und Sabine Spuhl gründeten ihr Studio in Hessisch Oldendorf im August 2015 aus ihrer eigenen Leidenschaft heraus. „Wir malen beide selbst, und bevor wir irgendwo hinfahren, haben wir lieber selbst einen Laden aufgemacht.“ Seither gibt es viele „Stammmaler“, die fast jede Woche in den Laden kämen. Aber auch Gruppenbesuche, wie Kindergeburtstage oder Vereinsausflüge, fänden hier immer wieder statt. „Und wir sind selbst immer gespannt, was die Leute malen.“

Noch nicht fertig hat Christin Holfter übrigens ihre Heiligen Könige. Sie hofft, dass sie sie noch bis Weihnachten fertigstellen kann. „Wenn nicht, ist es aber auch nicht schlimm“, scherzt sie. „Die kommen ja erst am 6. Januar.“

Information

Das Geschäft „Alles Paletti – Porzellan mal anders“ gibt es seit 2015 an der Langen Straße

Frauen, Männer, Kinder und Senioren können dort Keramik aller Art gestalten

Der Laden ist von Mittwoch bis Samstag sowie nach Absprache geöffnet

Im hauseigenen Ofen werden die Kunstwerke dann gebrannt

In der Regel kann die Figur nach drei bis vier Tagen abgeholt werden

Auch Kindergeburtstage, Firmenfeiern und Ähnliches sind möglich

Die Inhaberinnen nehmen auch Auftragsarbeiten entgegen

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