weather-image
14°
Die Von-Mengersen-Prieche in der Lachemer Kirche

Adventskalender Tür 23: Eine Herberge für die Heilige Familie

LACHEM. Bis Weihnachten haben wir täglich für Sie, liebe Leserinnen und Leser, Türen geöffnet. Die Redaktion besuchte Orte, die nicht für jedermann zugänglich sind und verriet das eine oder andere Geheimnis, das hinter den Türchen steckt. Heute öffnen wir die letzte Tür und blicken in die Mengersen-Prieche der Paulus-Kirche in Lachem.

veröffentlicht am 23.12.2017 um 06:00 Uhr

Von der Empore aus lässt sich beim Blick zur Prieche das Krippendach erkennen. Foto: ah
Avatar2

Autor

Annette Hensel Reporterin

Ob vom Dachboden, aus dem Keller oder Schrank: Kurz vor Heiligabend werden in vielen Haushalten die Krippen aus dem Winterschlaf geholt. Auch die Kirchengemeinden stellen bei der Vorbereitung der Feier der Geburt Christi eine Krippe mit Figuren auf – doch wo wird sie gelagert?

In der um 1300 erbauten Lachemer Paulus-Kirche haben Maria, Josef und das Jesuskind, Ochs und Esel außerhalb der Weihnachtszeit an ungewöhnlicher, jedoch erhabener Stätte eine Herberge gefunden: Direkt hinter dem Altar in der Prieche der Familie von Mengersen, die zudem den gegenüberliegenden Turm der Kirche von 1650 bis 1851 als Begräbnisstätte nutzte.

Eine Prieche ist ein vom allgemeinen Kirchengestühl abgesonderter Sitzplatz der Adeligen oder Würdenträger einer Kirchengemeinde. Von den Vorfahren der Familie von Mengersen in Auftrag gegeben, stammt der hölzerne, etwa zwölf Quadratmeter große Emporeneinbau in Lachem laut Inschrift aus dem Jahre 1608. Durch einen eigenen Eingang konnten die Angehörigen des Adelsgeschlechtes von anderen Kirchgängern ungesehen das Gotteshaus betreten. Sobald die Holzgitterfenster aufgeschoben waren, hatten sie freien Blick aus 4,50 Metern Höhe auf Altarraum und Gemeinde. Unmittelbar vor der Prieche sind auf einer hölzernen Tafel aus dem Jahre 1690 die Wappen der Familien von Münchhausen, von Mengersen (Mengersheim) und von Campen zu sehen.

Das Adelsgeschlecht hatte seinen eigenen Zugang zur Prieche. Foto: ah
  • Das Adelsgeschlecht hatte seinen eigenen Zugang zur Prieche. Foto: ah
Pastor Jens Riesener gewährt einen Einblick in die Sommerresidenz der Heiligen Familie. Foto: ah
  • Pastor Jens Riesener gewährt einen Einblick in die Sommerresidenz der Heiligen Familie. Foto: ah
270_0900_74753_Adventstuerchen_Adventskalender_Logo.jpg

Außer dem von außen mit Spinnweben versehenen Eingang für die Adeligen führt auch eine schmale Wendeltreppe hinter dem Altar zur Prieche – oder man wählt den Weg über die Haverbecker Empore. Die Holztüre ist nicht abgeschlossen. „Sie wird aber auch nie für Besucher geöffnet und da tritt auch sonst keiner unaufgefordert ein“, berichtet Pastor Jens Riesener und fügt hinzu: „Einmal im Jahr, wenn unsere Konfirmanden die Kirche erkunden, gehe ich mit ihnen hinein. Damit betreten sie eine Jahrhunderte zurückliegende Zeit und sind besonders fasziniert vom ganz anderen Blick auf die Kirche.“

Seit vielen Jahren ist die Prieche verwaist und dient stattdessen als Lager für Weihnachtsschmuck, die Krippe, für Bohlen für die Krippenspiel-Bühne und fürs „Lagerfeuer“ für die Hirten. Kurz vor den Festtagen öffnet Küsterin Silke Wehrhahn am schlichten Metallgriff die in den Holzrahmen eingearbeitete Türe, um die Heilige Familie abzuholen. In der Weihnachtszeit hat die Krippe ihren festen Platz zwischen Altarraum und Kirchenschiff vor der ersten Bankreihe. Wundervoll illuminiert lädt sie zum Innehalten ein. Nach dem 6. Januar kehren Krippe und Figuren wieder in die Prieche zurück. Dann dauert es erneut mehr als elf Monate, bis die Heilige Familie im Lichterglanz erstrahlt. Nur ab und an kommt Pastor Jens Riesener vorbei, öffnet die Holztüre einen Spaltbreit und schaut nach, ob in der „Sommerresidenz“ alles in Ordnung ist.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt