weather-image
22°

Dritte Kraft in Krippen stellt Kommunen vor Herausforderungen, wie das Beispiel Hessisch Oldendorf zeigt

2 + 1 = 1 Problem

Hessisch Oldendorf. Der Plan des Landes Niedersachsen, ab 2015 zusätzliche Sozialassistenten in Krippen einzustellen, dürfte schwieriger umzusetzen sein als geplant. Auch die Stadt Hessisch Oldendorf könnte die Neuerung vor Probleme stellen, sagte die zuständige Fachbereichsleiterin Margareta Seibert während der jüngsten Sitzung des Familienausschusses. Hessisch Oldendorf möchte fünf Stellen für Sozialassistenten für jeweils 20 Stunden pro Woche schaffen. Dies kostet rund 95 000 Euro pro Jahr. Das Geld dafür bezahlt das Land.

veröffentlicht am 09.10.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:21 Uhr

270_008_7488001_lkho101_1010_dpa_1_.jpg

Autor:

VON ROBERT MICHALLA
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein grundsätzliches Problem dabei: Es gibt wohl gar nicht so viele Sozialassistenten auf dem Markt, wie nötig sind. Im Bereich der Arbeitsagentur Hameln, der abgesehen von Bad Pyrmont alle Städte und Gemeinden im Landkreis umfasst, sind derzeit neun Sozialassistenten arbeitslos gemeldet. Allein Aerzen und Hessisch Oldendorf möchten aber schon sieben Stellen schaffen. Wie viele Bewerber die übrigen Städte und Gemeinden suchen werden, ist noch unklar. Wahrscheinlich gibt es aber zu wenige arbeitslose Sozialassistenten aus der Region, um alle ab Januar offenen Stellen zu besetzen.

Für die Städte und Gemeinden heißt das auf jeden Fall, dass sie sich um die Sozialassistenten reißen müssen. „Wenn zeitgleich alle suchen, könnte es schwierig werden“, fügte Seibert hinzu.

Ein weiteres Problem: Im ersten Jahr übernimmt das Land nur die Bezahlung der Sozialassistenten für 20 Stunden. Dies macht die Stellen für viele aber unattraktiv. Denn gerade junge Bewerberinnen ohne Familie möchten in der Regel gern Vollzeit arbeiten.

Die Städte und Gemeinden müssen also wohl selbst dafür sorgen, die Stellen ansprechender zu gestalten. Sie könnten zum Beispiel gleich Erzieherinnen suchen oder Vollzeitstellen schaffen. Seibert sagte bereits, dass sie sich dies für Hessisch Oldendorf vorstellen könne. Erzieher sind besser ausgebildet als Sozialassistenten, sie erhalten aber auch eigentlich mehr Geld. Aktuell sind im Landkreis abgesehen von Bad Pyrmont 26 Erzieher ohne Job.

Weil das Land aber für die volle Bezahlung von Erziehern nicht aufkommt, könnten Kosten auf die Kommunen zurollen. Besonders für die Stadt Hessisch Oldendorf, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, ist das schwierig. Die Stadt will daher erst einmal nur Sozialassistenten für 20 Stunden suchen.

Seibert betonte indes ausdrücklich, dass sie den Plan, eine dritte Betreuungskraft einzustellen, begrüße. „Unter dem Strich ist das natürlich erfreulich“, sagte sie. „Das haben Eltern seit Jahren gefordert.“

Ab 2015 soll es an den niedersächsischen Krippen eine vom Land finanzierte dritte Betreuungskraft geben. Für Gruppen mit 15 Kindern sind derzeit gesetzlich zwei Erzieherinnen vorgeschrieben, wenn die Hälfte der Kinder älter als zwei Jahre ist. Ist die Hälfte jünger, darf die Gruppe höchstens zwölf Mädchen und Jungen umfassen. Mit der dritten Kraft werden ab 2021 fünf Kinder auf einen Betreuer kommen.

Nach Angaben des Kultusministeriums liegt die Differenz bei den Landeszuschüssen für eine Erzieherin und eine Sozialassistentin in Vollzeit pro Jahr bei rund 6400 Euro. Hochgerechnet auf die bis 2020 angepeilten rund 3000 Krippen mit einer dritten Betreuerin ergäbe dies einen jährlichen Ausgabenunterschied von rund 1,9 Millionen Euro für den Landesetat, würden überall Erzieher als dritte Kraft eingesetzt.

Das Land geht davon aus, dass mit den für 2015 veranschlagten 39 Millionen Euro bereits mehr als die Hälfte der rund 2800 Krippen mit einer dritten Betreuerin ausgestattet werden kann. Ziel ist es, bis 2021 alle Krippen im Land stufenweise mit einer dritten Kraft auszustatten. Voraussichtlich ab 2020 soll die flächendeckende Ausstattung umgesetzt sein. Für 2021 erwartet die Regierung Kosten von 142 Millionen Euro.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?