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Louisa Arendts schrieb mit 14 ein Buch – jetzt ist es gedruckt und sie Schriftstellerin

17, Autorin, aus Wickbolsen

Wickbolsen. Schminken lernen, Jungs in der Pause kleine Briefchen schreiben, Haare färben: so sieht ein Mädchen-Leben mit 14 Jahren aus. Normalerweise. Bei Louisa Arendt war da noch viel mehr. Sie schrieb im Epizentrum der Pubertät neben der Schule einen Roman. Seit Mai ist es auf dem Markt. Im Interview erzählt die Autorin von „Die Wette um das ungewollte Herz“ von sich, ihren schlechten Deutschnoten und der Leidenschaft für die Literatur.

veröffentlicht am 04.08.2015 um 12:56 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:21 Uhr

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Bist du das auf dem Cover?

(lacht) Nein, mein Papa sagte auch, die sieht aus wie ich. Ich bin das auf dem Umschlag hinten. Da war ich 14 und wusste nicht, dass das Bild mal auf den Buchrücken kommt.

Um was geht es in dem Buch?

Es geht um einen Jungen, der eine Wette abschließt, dass er ein bestimmtes schüchternes Mädchen innerhalb eines Monats rumkriegt. Sie wird auch gemobbt und er versteht irgendwann, warum sie so ist, wie sie ist. Es geht im Grunde um Schule, ist eine Liebesgeschichte und Mobbing spielt auch eine Rolle.

Hast du mit den Themen Berührungspunkte?

In der Zeit, in der ich das Buch geschrieben habe, war ich natürlich in der Schule. Und da erlebt man auch etwas in Richtung Mobbing.

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  • Das Cover von Louisa Arendts erstem Buch. jmr

Wurdest du gemobbt?

Ich selbst wurde zum Glück nicht so gemobbt. Also klar, beleidigt wird jeder mal. Aber ich habe das bei Freunden mitbekommen. Ganz heftig. Bei manchen war es kurz davor, dass sie sich etwas antun, glaube ich.

Wie lange hast du an dem Buch geschrieben?

Ein halbes Jahr. Ich habe vorher immer so Buchanfänge geschrieben, aber das ist das erste, das ich auch fertiggestellt habe.

Und wie sah das dann aus?

Ich schreibe am liebsten per Hand, aber das ist anstrengend und die Verlage nehmen natürlich nichts Handgeschriebenes. Ich habe das Buch deshalb auf dem Laptop geschrieben. Meistens abends im Bett, da kuschele ich mich ein.

Das Buch ist in Ich-Form aus Sicht des Jungen geschrieben. Musstest du von Mädchen auf Junge umdenken?

(lacht) Ein bisschen reinversetzen muss man sich schon, aber ich hab mir keine Kurzhaarperücke oder so aufgesetzt, um das zu tun (lacht).

Was macht deinen Stil aus?

Ja, also, heute schreibe ich ganz anders, als damals. Damals habe ich noch viel lustiger geschrieben. Jetzt schreibe ich viel schwerer.

Wie würdest du dein erstes Buch beschreiben?

Anfangs ist es witzig, aber es wird eher ernst. Es geht in eine dramatische Richtung gegen Ende.

Wurde denn viel vom Lektor geändert?

Ganz anders, als mein Stil ist die Beschreibung auf dem Umschlag. Die ist nicht von mir. Im Text sind vor allem eine Menge Ausrufungszeichen dazugekommen. Sonst eigentlich nicht viel.

Wie hast du einen Verlag gefunden, der das Erstlingswerk einer 14-Jährigen druckt?

Ich habe viele Verlage angeschrieben und die meisten wollten viel Geld. Ich habe keinen gefunden, der es völlig ohne Eigenanteil macht. Den Bar-Verlag habe ich im Internet gefunden. Man zahlt einen kleinen Anteil selbst. Das Buch wurde tausend Mal gedruckt. Es gibt auch Verlage, die wollen 3000 Euro für den Druck. Aber das war zu teuer. Ich habe mir den kleinen Anteil für den Druck selbst zusammen gespart.

Und dann?

Ich habe den Text eigentlich nur hingeschickt, ein Exposé und das Manuskript, das Geld gezahlt und dann haben die das gedruckt. Ich werde aber schon noch in die Buchläden gehen und versuchen, es dort auslegen zu lassen. Bisher wird das Buch übers Internet vertrieben.

Was sagen deine Freunde dazu?

Ich habe das nicht vielen Leuten erzählt. Ein paar Leuten schon, manchen war es egal, einige fanden es gut.

Und deine Familie?

Mein Papa glaubt, ich könnte Schriftstellerin werden. In der vierten Klassen sollten wir Aufsätze schreiben. Ich habe für meinen eine vier bekommen, aber Papa meinte, der hätte ne eins verdient.

Warum hältst du das so geheim?

Ja, weiß nicht. Das Interview wird hoffentlich der Knaller und dann müssen mich alle ansprechen. (lacht)

Hattest du immer eine eins in Deutsch?

Neee, vier! Ich hab immer schlechte Aufsätze geschrieben, ständig knapp an der fünf vorbei. Diktate gingen ganz gut.

Wissen deine Lehrer, dass du jetzt Autorin bist?

Nein, das hätten die bestimmt auch eigenartig gefunden.

Was inspiriert dich?

Die Umwelt beeinflusst einen, klar. Dann das, was man selbst erlebt habt. Man hat ja auch mit solchen Leuten zu tun in der Schule. Zum Teil habe ich auch das, was mir andere erzählt haben oder erlebt haben, für das Buch ein bisschen geändert, übernommen.

Weißt du am Anfang immer schon, wie deine Geschichte endet?

Ich habe immer eine Anfangsszene im Kopf, darauf baut die Geschichte auf. Ich weiß meist, wie das endet.

Überlegst du jedes Wort ganz genau?

Früher hatte ich Schlafprobleme, da habe ich mir nachts immer bildlich vorgestellt, was ich am nächsten Tag aufschreiben möchte. Davon bin ich eingeschlafen. Am nächsten Tag hatte ich das Bild oder die Sätze dann parat. So mache ich das.

Wann hat du deine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt?

Als ich sieben war, habe ich angefangen, kleine Heftchen zu basteln und habe da kleine Geschichten da rein zu schreiben.

Was schreibst du sonst so?

Hauptsächlich über Schule und Liebesgeschichten. Gerade schreibe ich wieder einen Roman mit Bezug zur Schule. Das neue Buch, an dem ich gerade schreibe, ist aus Sicht von zwei Personen geschrieben und es geht wieder um Schule und darum, welchen Weg man einschlagen kann und wie das enden kann.

Was machst du gerade?

Ich habe letztes Jahr ein Praktikum bei einer Änderungsschneiderei gemacht. Jetzt habe ich frei. Ich weiß noch nicht, was ich mal machen will.

Ist Schriftstellerin dein Traumberuf?

Ja, das wär schon schön, wenn das klappen würde. Aber wenn nicht, könnte ich mir auch was im sozialpädagogischen oder psychologischen Bereich vorstellen.

Was sind deine Lieblingsbücher?

Ich lese gern Goethe und die Drei Groschen Oper.

Hast du Vorbilder?

Also, ich denke, man sollte sich zu einem Individuum entwickeln. Ein konkretes Vorbild in der Hinsicht habe ich nicht.

Lehrerfrage: Was will der Autor mit seinem Text sagen?

Mensch Leute, bessert euch doch mal ein bisschen…Geld ist mir nicht so wichtig, solange ich nur irgendjemanden das Gefühl geben kann, das er mit diesen Problemen nicht alleine ist oder jemanden zum Nachdenken über sein eigenes Fehlverhalten anregen kann, dann reicht mir das. Bestätigung durch Gruppenzwang braucht man einfach nicht.

Interview: Julia Rau

Das Buch „Die Wette um das ungewollte Herz - Gewonnen und dennoch verloren“ ist online für 12,90 Euro erhältlich.



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