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Warum junge Familien sich für das Leben auf dem Land entscheiden

Zurück ins Kindheits-Paradies

Coppenbrügge. „Es ist wie im Paradies. Mitten im Nirgendwo.“ Michael und Izabela Sieverding haben den Arm gegenseitig um die Schultern, die Köpfe aneinander gelegt; die jungen Eltern (beide 34) stehen am Feldrand zu Füßen des Ith vor ihrem Haus und schauen in die Abendsonne über Wiesen und Felder zum Osterwald hinüber; Hündin Elli verfolgt derweil Spuren, die nur sie findet, Sohn Simon (3) unterzieht die Wasserundurchlässigkeit seiner Gummistiefel einem Härtetest im Matsch.

veröffentlicht am 25.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Ingrid stenzel
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Es ist der Traum nicht nur vereinzelter junger Eltern, den sich die Sieverdings verwirklicht haben, als sie vor einem Jahr mit der Renovierung von Michaels Elternhaus zwischen Coppenbrügge und Marienau anfingen, zwei separate Wohnbereiche für die Familie und den Großvater einrichteten und dann von Hannover „ins Nirgendwo“ zogen: Mit Kind und viel Platz in der Idylle der Natur leben; „ohne hektisches Treiben in der Stadt, gefährlichen Verkehr, immer Angst um das Kind“. Die Stadt (Hannover) hätten sie lange genug gehabt: Nein danke, die bräuchten sie jetzt, seit sie zu dritt und eine kleine, junge Familie sind, nicht mehr; nicht Michael, nicht Izabela und Simon erst recht nicht.

Michael hat in diesem Haus im Hellweg, 400 Meter von der geschlossenen Siedlung Marienau entfernt, vor dem Studium (Physik in Göttingen, Elektrotechnik in Hannover) die eigene Kindheit und Jugend verbracht. Den Arbeitsplatz in der Branche Anlagenbau und Energieversorgung in Hannover hat er jetzt bei der Rückkehr als Elternhauseigentümer behalten. „Bei der täglichen Anfahrt sei die Strecke bis zur Stadtgrenze gegenüber dem innerstädtischen Verkehr das deutlich kleinere Problem“, sagt er. Izabela hat schon immer von der eigenen Familie auf dem Land geträumt. Sie liest gern. Jeden Tag Disco, Party und Kultur bräuchten sie nicht: „Wir sind uns genug“, sagen sie lächelnd, „und entsprechen dadurch vielleicht nicht voll und ganz dem aktuellen Standard“, geben sie zu. „Wir haben hier alles, was wir zum Glücklichsein brauchen.“ Simon liebt Opas Enten, Gänse und Hühner in dem riesigen naturbelassenen Garten (8900 Quadratmeter), seine Freiheit für Entdeckertouren, die Eltern ihre Ruhe ohne Ängste, wenn sie nicht immer ganz nah und in Griffweite bei dem Dreijährigen sein müssen.

Seinen Platz im Waldkindergarten hatten sie, sobald sie eingezogen waren; das Miteinander von drei Generationen im Haus schätzen sie als wichtige Erfahrung für den Sohn. Einziger Nachteil: „Ein Minijob, um auch mein eigenes Geld zu verdienen, wäre schön“, sagt die gebürtige Polin. „Wirklich toll habt ihr es hier“, sagten denn auch immer sehr schnell Freunde bei Besuchen. Gleich nachgeschoben würde regelmäßig aber auch die Frage: „Was ist später?“ Warten wir es ab, sagen sie dann. Wir genießen das Jetzt. Ohne um den Block tobende, rauchende Horden von kleineren und größeren Kindern auf den Spielplätzen, wo die Zwerge ihre Sandkuchen backen. Ohne brodelnden Verkehr vor der Haustür, dafür weite Felder, wo man mit Gummistiefeln losstapfen und garantiert etwas Aufregendes entdecken kann: Käfer, Trecker, sogar Lamas. Die Infrastruktur von Schulen bis Einkaufsmöglichkeiten sei okay, die günstigen Immobilienkosten sprächen für sich. Arbeitsplatz der Eltern und „Paradies“ müssten unter einen Hut passen, sagt Michael. Wenn das alles eines Tages für Simons Lebensweg nicht mehr reiche – „schaun wir mal…“, sagen die Sieverdings mit Gelassenheit. Die Schleife: Hier aufwachsen, in der Welt die Ausbildung machen und zurückkommen – warum sollte sich der Werdegang des Vaters nicht beim Sohn wiederholen? Aber vielleicht müsse man es wirklich mal gelebt und nicht nur kurzfristig im Urlaub genossen haben, das Leben auf dem Land, um es auch als dauernden Wohnort zu wählen. „Muss man nicht unbedingt“, sagt dagegen Wiebke Nießner (31), 1800 Meter Luftlinie entfernt in ihrem Haus direkt in der Ortsmitte von Coppenbrügge gegenüber der Kirche. Sie fühle sich als ehemalige Städterin mit ihrer Familie (Andreas, 38, Tabea, 4, Tom, acht Wochen) nicht nur auch, sondern insbesondere auf dem Dorf seit nun zwei Jahren sehr wohl.

Traum erfüllt: Wiebke Nießner (mit Tabea)

„Für mich hat sich hier ein kleiner Traum erfüllt: Der eigene kleine ‚Bauernhof‘ mit Hängebauchschweinen, Hühnern, Katzen, viel Platz für Gemüse- und Obstanbau, viel Platz für die Kinder zum Spielen und Toben – sicherlich mehr als in der Stadt oder in einer Mietwohnung, wo man immer gezwungen ist, auf einen Spielplatz auszuweichen.“ Dazu komme das nahe Miteinander der Generationen: nebenan das Seniorenwohnheim, gegenüber der Kindergarten und das Familienzentrum.

„Außerdem schätzen wir die sehr gute Infrastruktur in Coppenbrügge. Alles ist vor Ort, Ärzte, Zahnärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Kindergarten und Schule, gute Bus- und Bahnverbindung. Das heißt, wir sind nicht unbedingt auf ein Auto angewiesen.“ Außerdem halte Coppenbrügge ein sehr vielfältiges Freizeitangebot für jeden Geschmack vor, vom Sportverein mit Angeboten für Kleinkinder bis zum DLRG mit Schwimmkursen für Minis, weil es sowohl Frei- als auch Hallenbad gebe. Angst vor dem demografischen Wandel zumindest in der jüngsten Abteilung sollte für die Kommune kein Thema sein, meinen die Sieverdings und die Nießners. In der Tat sorgen sie mit ihren jungen Familien für eine Bevölkerungsstruktur, die an der Basis sogar geringfügig breiter repräsentiert ist als in der Landeshauptstadt: 15 Prozent der Coppenbrügger Bevölkerung hat ein Alter von 0 bis 17 Jahren, in der Landeshauptstadt Hannover sind es nur 14,9 Prozent.



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