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Mädchen aus Pretoria zu Gast in Brünnighausen / Revanche für „beeindruckendes Entgegenkommen“

Zum ersten Mal im Leben jenseits von Afrika

Brünnighausen (ist). Bejahrtes Fallschirmjägermilitär und cool trendiges Fingernagelstyling, Südafrika und Nesselberg – manchmal rücken Welten ganz dicht zusammen, die gefühlt nicht wirklich unmittelbar zusammengehören. Wenn allerdings Prudence und Mmankapu (beide 15) aus Pretoria jetzt nach einem dreiwöchigen Aufenthalt mit gleichermaßen glänzenden Augen wie Nageldesign den Flieger nach Johannesburg genommen haben, ist das Beweis für das Gegenteil. Dann ist das Weserbergland ganz dicht an das Kap gerückt.

veröffentlicht am 18.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:41 Uhr

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Die Geschichte: Im Jahr 1991 war Rolf Hellmuth aus Brünnighausen mit einer Reservistengruppe ehemaliger Fallschirmjägerkameraden aktiver Bataillone zum 20-jährigen Bestehen der südafrikanischen Fallschirmjägerschule in Bloemfontein eingeladen worden. „Und wir wurden am Flughafen in Johannesburg vom Kommandeur empfangen und anschließend betreut wie die Könige“, erinnert sich der „Weltenbummler“ an Fallschirmseilen, wie er sich selbst am ehesten nennen würde. Eine derartige hochachtungsvolle Gastfreundschaft des südafrikanischen Militärs hätten die 10 Männer in den beginnenden 1990er Jahren nicht erwartet. „Wir waren in jenen Zeiten der Apartheid die ersten Deutschen in Uniform, die jemals dort unten gesehen worden waren. Denn Südafrika sollte aufgrund der politischen Verhältnisse gemieden werden. Da trat selbst der Militärattaché noch in regelrecht karnevalistischer Kostümierung auf.“ Das führende Fallschirmjägermilitär am Kap war damals noch durchgängig von Weißen besetzt, mit Ausnahme des dunkelhäutigen „Taps“, mit dem eine besonders enge Freundschaft geschlossen wurde. „Ehrgeiz und Leidenschaft für das Fallschirmspringen machen vor der Hautfarbe nicht Halt“, sagt der 62-jährige Brünnighäuser, der nach seiner Bundeswehrzeit bei den Fallschirmjägern umschulte und heute bei der Stadtverwaltung Hameln tätig ist. In Südafrika seien heute und seit Ende der Apartheid 1994 militärische Führungspositionen umgekehrt durchgehend von Schwarzen besetzt. Die freundschaftlichen Kontakte dagegen hätten sich nicht verändert.

Und endlich nach zwanzig Jahren, so Hellmuth, habe er jetzt in Zeiten der Globalisierung einen angemessenen Weg gefunden, sich für das beeindruckende, irgendwie historische Entgegenkommen in den 90ern der Apartheid zu revanchieren: Prudence, die Tochter des inzwischen verstorbenen „Taps“ und ihre Cousine Mmankapu, waren drei Wochen Gast im Hause Hellmuth in Brünnighausen. Das erste Mal im Leben jenseits der Grenzen Südafrikas genossen sie sowohl ein nahezu „generalstabsmäßig“ ausgearbeitetes, privates Kulturprogramm des Hausherrn als auch das Lebensgefühl der Jugendlichen in Deutschland im Kreise der Familie Hellmuth mit den Töchtern Ricarda (15), Romana (20) und René (17).

„Dass die Afrikaner die Zeit und wir die Uhr haben“, schmunzelt Hellmuth mit Blick auf die großzügige Unpünktlichkeit der Gäste, sei nur eine, wenn auch ganz beiläufige Erfahrung von vielen auch für seine Familie gewesen. Auf der anderen Seite Erfahrungen mit Nachhaltigkeit im Kingsize-Format für die Kinder als Dank für „königliche“ Betreuung der Väter: Nail-Studio in Hannover, Shopping in Hameln, Zoo, Marienburg, Bückeburger Schloss, Sport, Schulbesuche in Salzhemmendorf, Bowling, Familienleben um Weihnachten und Jahreswechsel… Wo sie zu Hause nach 10 Stunden Flugzeit mit dem Erzählen anfangen werden, wüssten sie noch nicht so genau. Es sei einfach wahnsinnig viel nie zuvor Gesehenes und Erlebtes gewesen, meinen Prudence und Mmankapu beim Durchblättern des dicken Reisetagebuches mit zahlreichen Fotos und beim Bewundern ihres Nageldesigns. Aber lange dauern werde es. Da seien sie sich ganz sicher.

Nicht allzu lange dagegen wird das Wiedersehen mit Rolf Hellmuth in Südafrika auf sich warten lassen. Am 1. April steht die Feier des 40-jährigen Bestehens der Fallschirmspringerschule in Bloemfontein an. Er wird wieder dabei sein.



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