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Jacqueline Trumpf und ihre 13 Geschwister erhalten Tradition aufrecht – um 1823 fing alles an

Zirkusfamilie in der achten Generation

Coppenbrügge (ist). „Es ist einfach ein tolles Leben, das ich nie hergeben würde!“ Die junge Zirkusartistin strahlt und lässt die Hula-Hoop-Reifen um himmelwärts gereckte Handgelenke und schwingende Hüften rotieren. „Weil bei uns immer was los und jede Woche anders als die vorige ist“, lächelt Jacqueline Trumpf (19). „Wo du nicht jeden Tag wieder Frau Meier, Müller, Schulze oder Herrn Schmidt von nebenan und denselben Baum gegenüber siehst, sondern immer woanders bist. Glücklich sein ist für uns, das zu tun, wofür wir geboren sind, was uns Herzensangelegenheit ist und wobei die Familie immer die Nummer eins bleibt: Alle (jetzt 15) essen an einem Tisch und Zoff wird nie zum Problem.“ Das gelte nunmehr seit acht Generationen der Zirkusfamilie Trumpf, die „wahrscheinlich irgendwann um 1823 als Gaukler mit Jonglage und Stelzenlaufen in Berlin angefangen hatte“, wie Mutter und Chefin Cornelia Trumpf (55) erzählt. Die sich dann vom Gaukler bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts und familiär verbandelten Netzwerken mit Kind und Kegel anderer Artistenfamilien zu einem „Riesenzirkus“ entwickelte. Heute sucht der zahlreiche Nachwuchs sein Heil gegen „Internet, Playstation, Mega-Krones und Co.“ in kleinen Zirkussen mit Nähe zu den Gästen.

veröffentlicht am 28.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:41 Uhr

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„Alle meine 13 Geschwister haben schon ihren eigenen kleinen Zirkus“, sagt Jacqueline. Sie als jüngste Tochter werde dann den Betrieb der Eltern Cornelia und William übernehmen, freue sich darauf und könne sich nichts Schöneres für ihr Leben vorstellen. Zirkus Trumpf bedeutet knapp 190 Jahre eine eigene Welt für sich, die sich von den jeweiligen Hauptsorgen der Gesellschaft damals wie heute nur peripher berühren ließ und lässt: Generationswechsel und Verantwortung in der Unternehmensführung gleiten in Zirkusfamilien wie den Trumpfs wie selbstverständlich von Eltern zu Kindern und Enkeln – so schwerelos wie seinerzeit die scheinbar federleichte Seilartistik der heute 79-jährigen Trumpf-Großmutter, die übernommen wurde von der Tochter und Trumpf-Mutter Cornelia, anschließend der heute 31-jährigen Schwiegertochter Rebecca. Die Nachfolge im Familienzirkus war nie ein Problem. Sorge um Ausbildungsplätze und Jobs für den zahlreichen Nachwuchs brauchen sich Zirkuskindereltern nicht zu machen, da „einmal Zirkus, immer Zirkus gelte“, die Familie quasi Ausbildung und Übernahme garantiere, so Cornelia Trumpf.

Beschulung, Schulabschlüsse und eine Zweitausbildung in einem Lehrberuf sind zumindest in und um Nordrhein-Westfalen durch mobiles Unterrichtsangebot und Vermittlung gesichert.

Von „Klassengrößen“ ab drei Kindern im rollenden Klassenraum für die Zirkusschule können Regelschulen nur träumen. Was Zirkussorge Nummer eins bleibe und sich extrem negativ auswachse, sei die Zuschauerzahl, so Gino (21), künftiger Vater von Jacquelines Kindern und damit der neunten Generation. „Gestühl für 500 Personen haben wir“, sagt er. Mehr als dreißig stelle er grundsätzlich nicht mehr auf. Zum allerersten Mal war der Zuschauerraum in diesem Frühjahr komplett leer geblieben. „Worum sich der Hunger der Tiere und der Benzinverbrauch unserer Transporter wenig kümmerte.“

Lieben ihr Leben als Zirkusfamilie: Jacqueline, Kathy und Gino.Foto: ist

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