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Legendäre Nachtbar „Sexy Hill“ am Schecken steht zum Verkauf

Wo das Gewerbe horizontal war

DIEDERSEN / OLDENDORF...Als „ehemaliges Gewerbeobjekt mit drei Wohneinheiten direkt an der B1 in Coppenbrügge“ wird die Immobilie Am Schecken 1 – das ehemalige Nachtlokal „Sexy Hill“ – derzeit von einem Springer Immobilienvermittler angeboten:

veröffentlicht am 12.01.2018 um 13:21 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Die nackte Schöne aus weißem Betonguss, die mit respektablem Busen und gespreizten Beinen vor der Eingangstür kniet, hat schon längst einen grünen Algenbelag angesetzt. Und der mit rosa Tuch ausgeschlagene Schaukasten mit der Tüll-Umrandung, in dem einst die aktuellen Angebote des „Sexy Hill Cabarett“ angepriesen wurden, ist längst leer geräumt. Seit knapp drei Jahren hat eine der letzten noch betriebenen Sex-Bars im Landkreis Hameln-Pyrmont ihre Pforten geschlossen. Knapp 500 Quadratmeter, in drei Ebenen bis unters Dach ausgebaut, mit bettenbestückten Einzelzimmern. Ein kuscheliger Barraum mit integrierter Bühne, alles in erotisierendem Rot gehalten. Mit „gemütlicher Atmosphäre“ eben, wie noch heute das Firmenschild des Etablissements verspricht. Abgerundet wird das Angebot mit einem 2000-Quadratmeter-Grundstück. Verhandelbarer Kaufpreis: 189 000 Euro.

Die Geschichte des Hauses am Schecken 1 reicht bis ins Jahr 1905 zurück. Damals wurde der Backsteinbau von einem Diederser Landwirt als Feldscheune neben der damaligen Bundesstraße 1 zur Lagerung von Getreide und landwirtschaftlichem Gerät gebaut.

Nach dem Kriege – in den 50er Jahren – wurde in der Scheune ein kleiner Gastraum mit nur drei bis vier Tischen ausgebaut. Das Wasser für den Betrieb der Rast- und Ausflugsgaststätte musste damals noch mit einem 200-Liter-Fass per Handwagen herangeschafft werden.

Später wurde die gesamte Scheune zur Speise- und Ausflugsgaststätte umfunktioniert. Nach mehreren Pächterwechseln kaufte 1975 der Bierverlag Krukemeier das Lokal.

Mit dem Bau des Atomkraftwerks Grohnde und seinen Hunderten von Bauarbeitern und Monteuren begann dann die große Rotlicht-Ära in der Weser-Region: Unter Mary Strohbach und ihrem Geschäftsführer Detlef „Teddy“ Köhler wurde aus der bislang biederen Gastwirtschaft „Am Schecken“ das Sexy Hill Cabaret – mit „Striptease von 21 bis 6 Uhr“ und allen anderen bekannten Annehmlichkeiten der Branche.

Daneben warben in der Region in den 70er Jahren die Anuschka-Bar, die Babalu-Bar, der Club Natira, die Camino-Bar (in Anzeigen „Für den verwöhnten Gast“) und der Club 20 (mit „einmalig, unerreicht“ beworben) weitere Betriebe der Sex-Branche um einsame Monteure und die damals auch noch hier stationierten unbeweibten Soldaten. Die Sex-Welle schwappte damals in voller Wucht über den Landkreis.

Für dessen heißestes Kapitel sorgte in den 1970ern übrigens nur wenige Kilometer entfernt die Oldendorfer Nachtbar „Moulin Rouge“, die den Ort weit über seine Grenzen hinaus bekannt machte. In dem 1969 eröffneten und 1978 geschlossenen Etablissements sorgten „Dunja“, „Piroschka“, „Chiquita“ und andere Tänzerinnen für volles Haus und gaben den „Live-acts“ auf der Bühne ihre originäre Bedeutung zurück.

Sogar in einer Ausgabe des Magazins „Spiegel“ im August 1970 wurden dem Dorf unter dem Titel „Sex-Welle“ einige Zeilen gewidmet, und auch der NDR brachte einen Bericht über die Sex-Bars in Diedersen, Fischbeck und Oldendorf. In der Nachtbar hätten Gäste damals „schon mal 9892 Mark für Sekt berappen müssen“, hieß es damals im Spiegel. Männliche Gäste mit einem dicken Portemonnaie sollen während ihrer „Schäferstündchen“ in einer mit Sekt gefüllten Wanne gebadet haben; und mancher Monteur habe hier regelmäßig sein Geld verprasst, so die damalige Berichterstattung in überregionalen Medien. Auch sollen Zuhälter aus Hamburg regelmäßig Hameln-Pyrmonts Etablissements besucht haben.

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