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Im Weenzer Bruch sollen die Saale umgeleitet und der Eisenteich verfüllt werden

Wird hier ein Idyll zerstört?

Wallensen. Der Weenzer Bruch ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Bei hohen Temperaturen lässt sich in den Seen gut eine Erfrischung finden und auch Spaziergänger kommen in dem Waldgebiet auf ihre Kosten. Kurz gesagt: Es ist idyllisch dort. Dabei sind die Seen nicht natürlichen Ursprungs, sondern stammen aus Zeiten des Braunkohle-Tagebaus, der dort bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben wurde.

veröffentlicht am 15.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Nun plant der Leineverband in dem Bereich einige Veränderungen. Der Verband unterhält den Verlauf der Leine von Hessen bis Sarstedt samt seiner Nebenflüsse, zu dem auch die hiesige Saale gehört. Geplant ist, den aktuellen Verlauf der Saale im Weenzer Bruch umzulegen. Im Bereich des Weinberger Sees wird es dabei zu den größten Veränderungen kommen: Die Saale soll künftig am Weinberger See vorbeiführen statt hindurch. Zudem soll die Schäler-Brücke abgerissen werden, die bisher Fußgängern und Fahrradfahrern den Weg von einer Flussseite zur anderen ermöglichte. Darunter befinden sich Kaskaden (Wassertreppen), die ebenfalls entfernt werden sollen, um den Fluss für Tiere und Pflanzen wieder durchgängiger zu machen. Ehemalige Staustrecken wie oberhalb des Weinberger Sees und der Schäler-Brücke werden aufgehoben. Der Plan des Leineverbandes, der derzeit noch einige behördliche Genehmigungsverfahren durchlaufen muss, sieht neben der Umgehung des Weinberger Sees auch die Verfüllung des gleich darunterliegenden Eisenteichs vor. Der malerische Teich soll in eine Auenlandschaft verwandelt werden.

Weil durch diese Umgestaltungen Bereiche wegfallen, die sonst Hochwasser zurückhalten, müssen diese zwangsläufig kompensiert werden. Dabei hat der Leineverband beschlossen, diesen Schutz im Zuge der Gewässerentwicklungsmaßnahme gleich zu verbessern. Dafür soll der Spiegel des Weinberger Sees um 1,5 Meter abgesenkt werden. „So kann kostengünstig und mit verhältnismäßig geringen Eingriffen ein Retentionsraum-Volumen von 90 000 Kubikmetern geschaffen werden“, wie es vom Leineverband heißt. Dafür bekommt der Leineverband Zuschüsse vom Land Niedersachsen. Fast eine Million Euro soll die Maßnahme insgesamt kosten (wir berichteten). Salzhemmendorf müsste davon nur einen Anteil von 30 000 Euro tragen, was man im Bauausschuss sehr positiv aufnahm. So günstig käme man nie wieder an Hochwasserschutz, hieß es dort, weshalb die Ausschussmitglieder das Projekt einstimmig befürworteten. Auch hinsichtlich der Eingriffe in die Natur sieht man das Projekt selbst bei den Grünen positiv. Einwände von Naturschützern wurden bisher nicht laut. Alistair Hill vom Ornithologischen Verein Hildesheim bewertet die Renaturierungsmaßnahmen an der Saale als grundsätzlich positiv, sofern die Lebensbindungen der seltenen Fischarten in der Saale berücksichtigt werden, die dieses Gebiet zu einem besonderen Schutzraum gemacht haben. Da dort auch viele Vogelarten beheimatet sind, muss diesen ebenso Rechnung getragen werden. „Besonders die dort lebenden Eisvögel, Wasseramseln und Gebirgsstelzen sind auf kleine Flüsse angewiesen“, sagt Hill. Für diese Vögel sind vom Leineverband spezielle Böschungen am Ufer eingeplant. Das Projekt vollständig bewerten könne der Naturschützer allerdings nicht, da er nur wenige Unterlagen vom Leineverband erhalten habe. Die Eingriffe in die Natur und Landschaft sind laut Leineverband kompensierbar. Das Projekt sei insgesamt positiv zu bewerten. Alle Maßnahmen und deren Auswirkungen würden den Entwicklungszielen des Schutzgebietes entsprechen und die Entwicklungszustände positiv beeinflussen. Eine Beeinträchtigung des Lebensraums und der Arten wird nach Angaben des Leineverbandes ausgeschlossen. Das hätten Vorprüfungen ergeben.

Durch die Absenkung des Weinberger Sees wird sich allerdings die Struktur der dort wachsenden Pflanzen verschieben. Denn das Gewässer bekommt einen saureren PH-Wert, da dem Weinberger See dann nur noch bei Hochwasser kalkhaltiges und nährstoffreicheres Wasser zufließt. Das wird allerdings nicht als negativ eingeschätzt, da der derzeitige pH-Wert mit 8,5 schon sehr hoch liege. Im See und im unmittelbaren Bereich um den See würden dann zwar weniger Tiere leben, dafür seien diese dann „hochwertiger“ und „schützenswerter“. Allerdings müssten sich zukünftig Angler am Weinberger See einschränken, denn die Angelfläche wird durch die Absenkung des Wasserspiegels geringer.ms

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