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Seit zehn Jahren im Amt: Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka zieht positive Bilanz – mit Einschränkungen

„Wir stehen zu unseren Bädern“

Coppenbrügge. Eigentlich könnte er sich entspannt zurücklehnen. Während andernorts Kandidaten darum kämpfen, hauptamtliche Bürgermeister zu werden beziehungsweise zu bleiben, ist er noch für fünf Jahre gewählt: Hans-Ulrich Peschka. Seit zehn Jahren führt der 55-jährige Familienvater den Flecken Coppenbrügge als Verwaltungschef, zieht eine positive, jedoch keineswegs euphorische Bilanz.

veröffentlicht am 27.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Matthias Aschmann

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Matthias Aschmann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Er habe den Fraktionen 2004 in schwierigen Zeiten eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit angeboten, freue sich, dass man bei allen großen Themen nahezu durchweg an einem Strang gezogen und alles gemeinsam getragen habe. Das politische Klima im Flecken wertet der gelernte Landschaftsplaner und Verwaltungsfachangestellte dementsprechend gut, sieht sich selbst als einen Bürgermeister, der über die Parteigrenzen hinweg ziel- und sachorientiert mit seinem Verwaltungsteam arbeitet.

Mit großen Zielen angetreten, räumt der Christdemokrat allerdings auch Rückschläge ein. Vor allem die prekäre Finanzlage bereite Sorgen, habe sich trotz intensiver Bemühungen nicht verbessert. Die Gewerbesteuereinnahmen seien kontinuierlich zurückgegangen, die finanzielle Grundausstattung der Kommunen sei katastrophal. Es sei nicht mehr fünf vor zwölf, sondern längst nach zwölf, betont Peschka, der seit 2007 auch Kreisgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes ist. Die Kommunen würden immer mehr mit Aufgaben belastet, ohne dass Bund und Land auch nur annähernd für einen finanziellen Ausgleich sorgten. „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, unterstreicht der Bürgermeister und fordert eine Garantie, die Kommunen finanziell so auszustatten, dass sie ihre Pflichtaufgaben erfüllen können.

Die Finanzlage ausgeklammert, ist Peschka mit seiner Zehnjahres-Bilanz durchaus zufrieden. Positive Entwicklungen sieht er unter anderem im Tourismus. Hier habe man Fördermöglichkeiten wie beispielsweise Leader plus konsequent genutzt, einen ganzen Blumenstrauß an Maßnahmen umgesetzt. So sei das Freibad in Coppenbrügge für rund 1,5 Millionen Euro komplett durchsaniert worden. Dass dies gelinge, habe er sich nie träumen lassen. In diesem Kontext stellt Peschka klar: „Wir stehen zu unseren Bädern.“ Innovativ sei zudem das Konzept, die Bäder mit Biogas-Abwärme zu heizen. Die energetische Erneuerung sei neben Tourismus ein Schwerpunktthema. Peschka, der außerdem ehrenamtlich als Vorsitzender des Heimatvereins „Wir Coppenbrügger“ aktiv ist, verweist auf das Leitprojekt Naturtourismus und auf die gute Zusammenarbeit mit Bad Münder und Salzhemmendorf. Die Vernetzung sei gelungen.

Umgesetzt worden sei auch das Wahlversprechen, in jedem Ort des Fleckens im Rahmen von Bürgergesprächen Probleme und Sorgen vor Ort zu erörtern. Die Bürgerrunden, verspricht der Verwaltungschef, blieben erhalten. Er werde auch weiterhin durch die Dörfer tingeln.

Als Filetstück bezeichnet Peschka die Burg Coppenbrügge mit Wassergraben und Museum. Dort sei unglaublich viel in den letzten zehn Jahren realisiert worden. Und er sei durchaus stolz darauf, als erster hauptamtlicher Bürgermeister in der Burg Ehen schließen zu dürfen. Am 18. und 19. finde rund um die Burg das nunmehr dritte Fleckenfest statt. Er lege aber großen Wert darauf, dass alle zwölf Ortschaften im Laufe der Jahre ein Fleckenfest ausrichten.

Im Bereich Straßenbau sieht der 55-Jährige Handlungsbedarf bei den Gemeindestraßen. Deshalb seien auch pro Jahr 80 000 bis 100 000 Euro für Straßensanierungen im Etat vorgesehen. Dadurch verhindere man, möglicherweise irgendwann eine kostenintensive Totalsanierung in Angriff nehmen zu müssen. Bei der Ortsumgehung Marienau-Coppenbrügge gebe es nach jahrelangem Stillstand Signale, dass 2015/2016 möglicherweise mit dem Bau begonnen werde. Allerdings müsse man sich darüber im Klaren sein, dass diese Umgehung Segen und Fluch zugleich sein könne. Die Umgehungsstraße zerschneide Landschaften, zudem müsse man gemeinsam viel Hirnschmalz aufwenden, um Lösungen unter anderem für den Einzelhandel zu finden, „wenn es ganz ruhig wird in Coppenbrügge“.

Die Leerstände im Einzelhandel hielten sich bisher in überschaubaren Grenzen, allerdings gebe es zunehmend Wohnungsleerstände. Der demografische Wandel sei auch im Flecken deutlich zu spüren: 2004 habe man noch 8100 Einwohner gezählt, aktuell seien es 7500 mit sinkender Tendenz. Dennoch: Der demografische Wandel habe aber auch Chancen. In Coppenbrügge und Bisperode habe man jeweils eine Grundschule und einen Kindergarten – die Entwicklung bei Schülern und Lehrern sei stabil. Er sei Verfechter von Ganztagsschulen, setze auf ein Angebot auf freiwilliger Basis bis 15.30 Uhr, wenn dadurch nicht den Vereinen das Wasser abgegraben werde. Zugleich hoffe er, dass weiterhin keine Schule geschlossen werden müsse.

Scharfe Kritik übt Peschka an der Landespolitik. Die Raumordnung sei in Niedersachsen seit Jahren vollkommen falsch aufgestellt, verhindere, dass große Betriebe sich in ländlichen Regionen niederließen. Das Gewerbegebiet zwischen Coppenbrügge und Marienau habe sich dementsprechend nicht so entwickelt, wie er sich das vor zehn Jahren erhofft habe. Kritisch bewertet der Verwaltungsfachmann die Entwicklung beim Thema Windkraft. Man brauche erneuerbare Energien, jedoch fehle es an einem Regelwerk, das Menschen und Landschaft schütze. Für die nächsten fünf Jahre setze er sich zum Ziel, das Erreichte zu erhalten und auszubauen sowie die interkommunale Zusammenarbeit mit Bad Münder und Salzhemmendorf auszubauen.



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