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Wie der Waldkindergarten Frost und Schnee ein Schnippchen schlägt

Winter – na und?

Coppenbrügge. Was machen die Waldkinder bei Minusgraden oder bei Regen? Ob sie sich in den Bauwagen verkrümeln, an die warme Heizung kuscheln und ihre Nasen am Fenster plattdrücken? Garantiert nicht. Die Mädchen und Jungen wissen etwas viel Besseres – sie schlagen dem Wetter ein Schnippchen. Dazu brauchen sie drei Dinge: Spaß am Spielen unter freiem Himmel bei Wind und Wetter, warme Kleidung und wasserdichtes Schuhwerk. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, gibt es kein Halten mehr für das Abenteuer im Wald. Derzeit werden die letzten Schneereste genutzt: Zum „Poporutschen“ auf der Piste direkt vor dem Bauwagen, dem Domizil des 1997 ins Leben gerufenen Waldkindergartens „Ithkinder“.

veröffentlicht am 09.02.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Christiane Stolte
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Auch Kochen geht gut mit Schnee. Auf dem großen „Baumstamm-Herd“ ist reichlich Platz für Pfannen und Töpfe. Sidonie (4) und Helen (4) überlegen, was es Leckeres geben soll. Vielleicht eine Suppe aus geschmolzenem Schnee? Oder lieber gebratene Blätter und Zweige?

Während die beiden Köchinnen am Speiseplan basteln, entfacht Anne Gerhardt-Rodewald mit den anderen Kindern ein Feuer in einer von Steinen umrandeten Feuerstelle. „Wir wollen heute noch Pfannekuchen backen“, sagt die Erzieherin und Waldorfpädagogin. Die Kinder dürfen ihr assistieren. So lernen sie auf spielerische Weise einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Feuer. „Die naturnahen Erfahrungen sind für die Kinder von unschätzbarem Wert“, betont Hiltrud Schneider, Mutter zweier „Waldkinder“. Verantwortungsvolles Verhalten und ein selbstverständlicher Kontakt zur Natur gehören zu den Prinzipien des „Kindergartens ohne Tür und Wände“. „Nur aufgrund eigener Erlebnisse und Erfahrungen können die Kinder die Natur als etwas Schützenswertes, Wertvolles und Liebenswertes kennenlernen“, betont Leiterin Gerhardt. Im Wald haben die Ithkinder viele Möglichkeiten, ihren Bewegungsdrang auszuleben und ihren Gleichgewichtssinn zu üben – sie balancieren über Baumstämme, erklimmen kleine Hügel, schleichen durch das Moos oder rutschen auf dem Po. Auch Basteln und Bauen gehört zum Tagesablauf. Spielerisch lernen die Kinder darüber hinaus Dinge und Erlebnisse wertzuschätzen, die auf den ersten Blick eher banal erscheinen. Wie herrlich schmeckt beispielsweise das Frühstück im gemütlich warmen Bauwagen nach unzähligen Malen Poporutschens auf der Piste. Die Kinder futtern wie kleine Löwen, denn die frische Waldluft hat ihren Appetit mächtig angeregt. Schnell noch einen Becher Tee oder Kakao aus der mitgebrachten Thermoskanne, dann Handschuhe an und nix wie raus. Die Ithkinder sind abgehärtet und selten erkältet. Viren und Bazillen haben kaum eine Chance in freier Natur – im Gegensatz zu geschlossenen Räumen. Nur bei sehr starkem Sturm, extremer Kälte oder Unwetter werden die Waldkinder im Jugendtreff Coppenbrügge untergebracht.

Jede Jahreszeit hat ihre Besonderheit. „Im Frühling wollen wir mit einem Honigprojekt starten“, so Hobbyimkerin Anne Gerhardt. Sogar ein Bienenhaus soll es geben. Geplant ist, den Honig zu gegebener Zeit am Bauwagen und auf dem Wochenmarkt Coppenbrügge zu verkaufen. Der Erlös kommt dem Erhalt des Bauwagens zugute. „Dank der Dorfgemeinschaft Dörpe hat unser Domizil im vergangenen Jahr ein neues Dach erhalten“, freut sich die Erzieherin.

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  • Frühstück im warmen Bauwagen.
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  • Sidonie (4) und Helen (4) kochen Schneesuppe.

Der Waldkindergarten bietet eine Kapazität für 15 Kinder. Alle Plätze sind belegt. „Eine Flaute hatten wir noch nie“, bilanziert Gerhardt. Schon jetzt sei abzusehen, dass die Einrichtung auch in den nächsten Jahren ausgelastet sein werde. Drei Kinder, die in diesem Sommer den Waldkindergarten verlassen, werden übrigens die „Freie Schule Weserbergland in Cop-penbrügge“ besuchen.



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