weather-image
22°

Seit 1972 von der Lebenshilfe genutzt / Bewohner ziehen in den Neubau in Hameln

Wigand-Haus steht vor der Schließung

Lauenstein (sto). Könnten Häuser reden, hätte das Gebäude an der Ithstraße 1, bekannt als „Dr.-Wolf-Wigand- Haus“, sicherlich viele spannende Geschichten zu erzählen. 1895 an der Stelle errichtet, wo einst die mittelalterliche, zur Burg Lauenstein gehörende Zehntscheune gestanden hatte, diente das Haus als Amtsgericht. Es wurde Recht gesprochen und über menschliche Schicksale entschieden. Bis 1967. Dann wurde das Gericht aufgelöst und nach Hameln verlegt.

veröffentlicht am 11.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:41 Uhr

270_008_4696622_lkcs101_1108.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Einige Jahre stand das Gebäude leer. Mit Leben erfüllt wurde es erst wieder im Juli 1972 durch die „Paritätische Gesellschaft Behindertenhilfe“, die sich heute „Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland“ (PLSW) nennt. Von der Einrichtung war das Haus gekauft und in ein offenes Wohnheim für 30 männliche, überwiegend erwachsene Behinderte umgebaut worden, wie nachzulesen ist in der Chronik der PLSW. Die jugendlichen Bewohner waren vorwiegend ehemalige Heimkinder. In ihrem neuen Zuhause fühlten sie sich wohl, fanden sie doch familiäre Geborgenheit, die ihnen bislang nicht gegeben war. „Das Wohnheim wurde für mich zu einer Heimat, wie ich sie nie kennengelernt hatte“, erinnert sich Norbert Dietrich Röver, ein Bewohner der ersten Stunde. Aber auch das ganze Drumherum gefiel ihm damals und gefällt ihm heute noch. Der 54-Jährige mag das Dorf, die Bewohner, die idyllische Landschaft und seine regelmäßigen Einkäufe in dem örtlichen Supermarkt. Er räumt jedoch ein, dass früher „mehr los war“ im Ort. Es habe mehr Geschäfte und bis vor wenigen Monaten noch das dem Wohnheim gegenübergelegene Gasthaus „Lauensteiner Hof“ gegeben. Egal. NDR, wie er genannt wird, wohnt trotzdem gern in Lauenstein. An den Gedanken, dass das Wohnheim voraussichtlich 2013 geschlossen werden soll, muss er sich erst gewöhnen. Im Gegensatz zu einigen anderen der 16 Bewohner, die es kaum erwarten können, nach Hameln zu ziehen. „Da ist doch viel mehr los, und wir können mehr unternehmen“, sagen sie.

Geplant ist, dass die Bewohner in den Heimneubau am Weserufer ziehen sollen, den die Lebenshilfe Hameln-Pyrmont derzeit errichten lässt. Kürzlich war der erste Spatenstich erfolgt. Nach dem Auszug soll das Wigand-Haus geschlossen werden. Gründe der Schließung: „Um das Haus den Bedürfnissen der mittlerweile älteren Bewohner anzupassen, sind größere Umbaumaßnahmen erforderlich“, so Manfred Seller, einer der beiden Geschäftsführer der PLSW, auf Anfrage der Dewezet. Das Wigand-Haus sei weder barrierefrei noch rollstuhlgerecht. Die Zimmer seien nur über Treppen zu erreichen. Einen Aufzug gebe es nicht. Mindestens einer müsste jedoch eingebaut werden. Erforderlich wäre auch, die Sanitärräume zu vergrößern und barrierefrei umzugestalten. Darüber hinaus seien der überwiegende Teil der Zimmer Doppelzimmer. Das entspreche nicht mehr den heutigen Standards. Die Umbaumaßnahmen würden erschwert werden durch die alte Bausubstanz und die hohen Auflagen für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude. „Insgesamt wäre der finanzielle Aufwand nicht zu verkraften“, so Beate Osterfeld, der die Fachbereichsleitung Wohnen und Begleiten obliegt. Für viele Bewohner sei der Umzug nach Hameln interessant, weil es dort ein größeres Freizeitangebot gebe. Wegen fehlender Busverbindungen am Abend sowie an Sonn- und Feiertagen waren die Bewohner des Wigand-Hauses von Freizeitangeboten in Hameln meist abgeschnitten. Das Gebäude ist benannt nach dem mittlerweile verstorbenen Orthopäden Dr. Wolf Wigand, der sich für behinderte Menschen eingesetzt hatte. Was nach dem Umzug mit dem Haus geschehen soll, steht noch nicht fest. „An einem Nachnutzungskonzept wird derzeit noch gearbeitet“, betont Beate Osterfeld.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?