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Mit dem „weißen Gold“ lassen die Salzhemmendorfer beim Söltjerfest eine Tradition aufleben

Wie wird man eigentlich Salzsieder?

Salzhemmendorf (sto). Einen Schatz zu hüten wie seinen Augapfel, ist eine Sache. Andere an dem Schatz teilhaben zu lassen, ist die andere Sache. Die Bürger von Salzhemmendorf haben sich für Letzteres entschieden. Für sie ist das gemeinschaftliche Handeln das Salz in der Suppe – im wahrsten Sinne des Wortes, steht das „weiße Gold“ doch im Mittelpunkt einer Veranstaltung, mit der die Einwohner an ein Stück Heimatgeschichte erinnern wollen: an die Salzgewinnung aus den einstigen Solequellen in „Swalenhusen“, dem heutigen Salzhemmendorf. Mit einem „Söltjerfest“ rund um die Marktstraße lassen die Bürger am 27. und 28. August die „salzige“ Tradition für zwei Tage wieder aufleben. Das Fest ist benannt nach den Salzsiedern, die damals „Söltjer“ hießen. Die Vorbereitungen für die zweitägige Veranstaltung laufen auf Hochtouren.

veröffentlicht am 09.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:41 Uhr

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Udo Baranowski kümmert sich um die Salzgewinnung. Die dafür nötige Sole hat der Rentner aus einer im Ort befindlichen Solequelle geschöpft und nach Hause transportiert. In seinem selbst gebauten „Siedeofen“ wurde die Sole dann so lange gekocht, bis die Flüssigkeit verdampft war. Das gewonnene Salz hat Udo Baranowski anschließend in einem Backofen getrocknet. „Aus den 300 Litern Sole habe ich 18 Kilogramm reines Salz gewonnen“, so der Hobby-Salzsieder, der bei seiner Arbeit von Tochter Sarah unterstützt wird. Abgepackt in kleinen Leinenbeuteln, ist das Salz beim Söltjerfest erhältlich. Und zwar am „Salzsiede-Stand“, wo die beiden Baranowskis sich beim Salzsieden über die Schulter schauen lassen.

Wie wird man überhaupt Salzsieder von Salzhemmendorf? Die Idee sei vor 20 Jahren in einem Gespräch mit einigen Salzhemmendorfer Bürgern entstanden. Nach und nach seien die Visionen in die Tat umgesetzt worden. Das erste Mal als Salzsieder im Einsatz war Udo Baranowski aber nicht in Salzhemmendorf, sondern in der niederländischen Stadt Velden. Das war 1998 anlässlich der Feier zum zehnjährigen Bestehen der damals noch formell bestehenden Partnerschaft des Fleckens Salzhemmendorf mit der niederländischen Gemeinde Arcen/Velden/Lomm. Seinen stabilen Salzsiedeofen aus Stahl hatte Udo Baranowski damals noch nicht. „Gesiedet habe ich in einem selbst gebauten Ding aus Ytong-Steinen“, erinnert sich der Salzsieder. Erst später, als die Vorführungen des mittlerweile zünftig gekleideten Salzsieders immer beliebter wurden, hat er sich den Ofen gebaut, auf dem er noch heute die „Salzbrühe“ zu Brei einkochen lässt. Die Sole hat einen Salzgehalt von nur sechs Prozent. Das gewonnene Salz schmeckt trotzdem sehr intensiv. „Weil es nicht chemisch gebleicht wurde, sondern naturbelassen ist“, erklärt der Salzsieder.

Gern möchte Udo Baranowski der einstigen Salzgewinnung im Ort einen noch größeren Stellenwert verschaffen. „Das könnte doch auch aus touristischen Aspekten interessant sein“, meint er. Seine Idee, die er vor einigen Jahren kundgetan hatte, in Salzhemmendorf ein Salzsiedehaus, einen sogenannten „Koth“, zu errichten, war vom Ortsrat Salzhemmendorf unterstützt worden. Auch ein Bauplan liegt bereits vor. „Wir haben aber leider noch keinen geeigneten Bauplatz gefunden“, bedauern Ortsbürgermeister Lutz Hesse und Karsten Appold, der stellvertretende Bürgermeister. Auch nach finanziellen Quellen müsse sich umgesehen werden.

Zunächst aber werden Zeit und Energie in das „3. Söltjerfest“ gesteckt. Die erste Veranstaltung hatte 1982 stattgefunden. Nach vielen Jahren Pause war das Fest 2007 wieder ins Leben gerufen worden. „Es soll künftig alle vier Jahre stattfinden“, so Karsten Appold. Dank vieler Sponsoren und der aktiven Teilnahme aller örtlichen Vereine und einiger Institutionen ist es dem federführenden Ortsrat und einem Organisationsteam gelungen, ein buntes Programm für Alt und Jung zusammenzustellen. Essen und Trinken satt, Basteln, Blasrohrschießen, Salzsieden, Kinderschminken, Torwandschießen, Sackhüpfen, Hüpfburg, Riesenkicker, ein „heißer Draht“, Kinderflohmarkt, Beachparty bei York, Leierkastenmusik von Albert Eickhoff, Trommeln der KGS, Karaoke für Kinder und Jugendliche und vieles mehr erwartet die Besucher. Eingeladen ist auch die niederländische Juxkapelle „Wache effe“.

Gezahlt wird bargeldlos mit „Söltjertalern“, die in zwei Wechselstuben erhältlich sind. Ein Salztaler entspricht 50 Cent.

Hier das Bühnenprogramm, wie es auf dem Flyer angegeben ist: Eröffnung der Veranstaltung auf der Bühne an der Gärtnerei am Samstag, 27. August, um 14 Uhr durch Ortsbürgermeister Lutz Hesse. 14.15 Uhr: Mukke mit dem DJ, Karaoke für Kids. 14.30 Uhr: Auftritt der Kindertagesstätte „Kansteinzwerge“. 15 Uhr: Trommeln für alle mit der Schule am Kan-stein. 16 Uhr: Auftritt der Grundschule Salzhemmendorf. 16.30 Uhr: Livemusik mit der Gruppe „Dreamland Spiritis“. Ab 19.30 Uhr: Disco mit DJ Wabnitz. Ab 20 Uhr spielt auf der Bühne an der Marktstraße die Band „Time Life“. Sonntag, 28. August, Bühne an der Marktstraße: 10.30 Uhr: Freiluftgottesdienst. Ab 11.30 Uhr: Geselliges Beisammensein, Frühschoppen und gemeinsames Mittagessen.



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