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Wo Tuisto ein Steinaltar gewidmet war

Wie Sprachforscher die Ortsnamen im Flecken Salzhemmendorf deuten

SALZHEMMENDORF. Lauenstein? Levedagsen? Salzhemmendorf? Die Ortsnamenforschung versucht, den ursprünglichen Namen eines Ortes und dessen Entwicklung bis zur heutigen Nennung zu ermitteln. Denn vielen Ortsnamen, die sich heute kaum interpretieren lassen, deuten auf ein hohes Alter. Hier der Versuch, die Ortsnamen im Flecken Salzhemmendorf anhand der alten Überlieferungen zu deuten.

veröffentlicht am 13.10.2017 um 19:32 Uhr

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Autor

Marina Fuchs Reporter
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Sie sind sozusagen Relikte aus der Vorgeschichte und man kann sie als die ältesten Zeugnisse der menschlichen Sprache bezeichnen. Alte schriftliche Überlieferungen eines Ortsnamens gehen oft aus kirchlichen oder notariellen Urkunden hervor, die in Latein verfasst wurden. Nicht immer lässt sich aus diesen Quellen eine präzise Form gewinnen, weil von den Schreibern oft mehrere Varianten, das heißt verschiedene ähnlich lautende Formen für denselben Namen verwendet wurden.

Ahrenfeld ist von den Höhenzügen Osterwald im Norden, Külf im Südosten, Thüster Berg direkt im Süden und Ith etwas im Westen eingerahmt. Nach Norden fällt der Blick auf das Tal des Leine-Zuflusses Saale. 1197 gibt es die erste urkundliche Erwähnung des Ortes „Arnevelt“: Ein Herr von Arnevelt wird mit einer Holzgrafschaft belehnt. Die Ortsnamenforschung geht davon aus, dass „Arne“ von Arno kommt. Arnevelt wäre demnach das Feld des Arno. Andererseits ist Arne aber auch ein altes Wort für Ecke, Winkel, Grenze oder auch Ähre und Ernte, so dass der Ortsname auch als „Grenz- oder Erntefeld“ gedeutet werden könnte.

Benstorf liegt nordöstlich des Kernortes Salzhemmendorf an der B 1. Er gruppiert sich um die Kirche und die historische Thie-Linde herum. Erstmals erwähnt wird der Ort im Jahre 1022 in der Saalechronik,1241 auch die Pfarrkirche „St. Johannes“ urkundlich erwähnt. Für die Ortsnamenforscher geht Benstorf auf Benstorpe oder Bennes-thorp zurück und bedeutet soviel wie „Haus des Benno“.

Dem Ortsnamen Hemmendorf wird eine ähnliche Bedeutung mit Eigennamen-Herkunft zugeschrieben. Hemmendorf liegt zwischen dem Osterwald im Norden und Thüster Berg im Süden. Es befindet sich an der historischen Heerstraße, der heutigen Bundesstraße 1. 854 wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde über Land, das ein Maynward dem Kloster Corvey schenkt, erstmals erwähnt. Hementrop oder Hammen-thorp wird als Haus des Hammo gedeutet.

Lauenstein, in alten Urkunden als Lowenstein, Levensteine, Lewensten oder Lawenstein erwähnt, liegt in der einzigen tieferen Einsenkung im Kamm des Höhenzuges Ith, in einem quer zum Ithkamm nach Osten abfallenden Tal. Die Edelherren von Homburg aus Stadtoldendorf errichteten berhalb des heutigen Dorfes Lauenstein wahrscheinlich im 13. Jahrhundert die Burg Lauenstein als das neue „Castrum Lewenstein“. Als solches wurde es erstmals im Jahr 1247 urkundlich erwähnt.Lauenstein oder Löwenstein könnte so weinen Namen nach dem Löwen im Wappen der Homburger erhalten haben. Laue hiess aber auch der Bach, der am Lauenteich entspringt.Und auch der Baumeister des alten Schlosses soll Johan Laue geheissen haben. Der Ortsname lässt also viele Imterpretationen zu.

Levedagsen liegt in exponierter Lage am Südhang des Thüster Berges. Die erste Erwähnung von Levedagsen, das später in den Urkunden als Leidagsen oder auch Luittingeshem erwähnt wird, geschah um das Jahr 1200. Je nach Ortsnamensbezeichnung sind hier zwei Interpretaionen des Ortsnamens möglich. Zum einen ist „Leve“ die Kurzform des Namens „Detlev“, „Dag“ bedeutet „Haus“ und „Sen“ Siedlung. Die Bedeutung von „Levedagsen“ wäre demnach „Detlevshausen“. Will man jedoch den alten Ortsnamen Luittingeshem deuten , kommt man sprachwissenschaftlich auf „Wohnung des Luiting“.

Dem frühzeitlichen Adressbuch entsprungen scheint da am Fuße des Ith ganz in der Nachbarschaft gelegen auch der Ortsname Ockensen. Ortsnamenforscher interpretieren ihn als das „Haus des Odeko“.

Auch den OrtsnamenOldendorf, der in Urkunden auch als„Aldendorp“ oder „Ahlendorp“ erwähnt wird, interpretieren die Namensforscher als Adresse; Das „Haus des Aldo oder Haldo“ könnte so bezeichnet worden sein, meinen sie. aber auch eine Interpretation als „Altes Dorf“ wäre für den Ort an der B1 und der Saale möglich, der von den Höhenzügen Osterwald im Norden, Külf im Südosten, Thüster Berg im Süden und Ith im Westen eingerahmt wird. Eine Besiedlung des Ortes wird bereits im fünften Jahrhundert vermutet. Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort 1166 durch den Bischof Hermann von Hildesheim als Ahlendorp.

Der Name Osterwald leitet sich von dem gleichnamigen Gebirgszug ab, an dessen Südflanke die Häuser liegen. Der Name des Waldes könnte von Ostara herstammen, der nicht unumstrittene Name für eine vermutete germanische Frühlingsgöttin. Osterwald könnte sich somit won „Wald der Ostara“ oder „Wald im Osten“ herleiten.

Thüste in derIth-Hils-Mulde ist eingerahmt von den Jurakämmen Ith, Thüster Berg und Duinger Berg.1022 wurde Thüste zum ersten Mal in einer Bernhardinischen Stiftungsurkunde des Klosters St. Michael in Hildesheim erwähnt. Die Silbe „thüs“ im Ortsnamen wird zurückgeführt auf Tuisto, der bei Tacitus als einer der Stammväter der Germanen überliefert ist und dem auf dem Thüster Berg bei der alten Soleiche ein Steinaltar gewidmet gewesen sein soll. Die Schlusssilbe „te“ wird von den Sprachforschern von „Ter“ für Wald hergeleitet. Thüste hieße also der Tuisto-Wald..

Der OrtWallensen erscheint 1068 erstmals urkundlich in einem Dokument, in dem König Heinrich IV. dem Bischof Hezilo von Hildesheim die Grafschaftsrechte über das Gebiet schenkt. Auf einer Anhöhe östlich von Wallensen, dem Weiberg (Flurname Wenberg), lag die Burg Walaburgun oder Walburgon wo homburgische Vasallen lebten. Diese Bezeichnung der Burg und seiner Bewohner dürfte sich in den späteren urkundlichen Bezeichnungen Walehuson, Wallhausen, Walen-huson oder Wallensheim, also Vasallenheim erhalten haben.

Salzhemmendorfist hauptsächlich durch das so genannte Drei-Berge-Eck, also die Höhenzüge Ith im Westen, den Osterwald im Norden und den Thüster Berg im Osten geprägt. Der Ort wird erstmals 1022 in einer Urkunde genannt. In dieser Urkunde nimmt Kaiser Heinrich II. das Hildesheimer Michaeliskloster in seinen Schutz. Das Kloster hatte eine Mühle in Salzhemmendorf. In den künftigen Schriftstücken taucht Salzhemmendorf dann als Swalenhusen, Schwalbenhausen, Salinen bei Hemmendorpe, Solt tho Hemendorpe oder Solte auf.

Die alten „Schwalben“-Namen beziehen sich auf den Qualm der beim Schwelen beziehungsweise Kochen des Salzwassers in den zwölf ehemaligen Siedehäusern des Ortes entstand. Die Häuser standen wie Schwalbennester am Berg und wurden deshalb „Schwalbenhäuser“ genannt. Weil den neuen Ort, der erst durch die Entdeckung der Sole nahe Hemmendorf seine Bedeutung erhalten sollte, niemand kannte, sagte man „Salz bei Hemmendorf“, denn lezterere wer ein bekannter Ort. Daraus entstand die plattdeutsche Kurzform „Solte“ für Salzhemmendorf.

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