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„Palliativversorgung ist ein Segen“

Wie es ist, Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten

COPPENBRÜGGE/HAMELN. „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“. Das von Ciceley Saunders überlieferte Zitat drückt kurz und bündig aus, was Palliativmedizin bedeutet – die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen, deren Krankheit fortschreitet und die unter starken Schmerzen leiden, durch eine Schmerztherapie zu verbessern.

veröffentlicht am 13.05.2019 um 12:55 Uhr

Wenn todkranke Menschen nicht im Krankenhaus sterben wollen, muss ein Platz im Hospiz oder eine gute Betreuung daheim organisiert werden Foto: Jens Wolf/dpa
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Die englische Ärztin Cicleys Saunders (1918 bis 2005) gilt als Pionierin der Palliativmedizin und der modernen Hospizbewegung. Ihre Botschaft: Bei einer schweren Erkrankung ist die Verlängerung der Lebenszeit zweitrangig, stattdessen hat die Lebensqualität oberste Priorität. Betroffenen spricht Saunders aus dem Herzen. „Die Palliativversorgung ist ein Segen“, betont eine Patientin aus Coppenbrügge. Seit einiger Zeit wird sie bei sich zu Hause palliativ versorgt – mit allen überlebenswichtigen Maßnahmen für Körper und Seele.

Die 65-Jährige war vor einigen Jahren an Eierstockkrebs erkrankt. Nach einer Operation und der erforderlichen Nachsorge stabilisierte sich ihr Zustand. Dann aber schlug die Krankheit erneut zu – schonungsloser als zuvor. Der Krebs hatte sich weiter ausgebreitet. Ein Schock für die Patientin und ihre Angehörigen. Im Krankenhaus konnte für sie nichts mehr getan werden, denn der Krebs ist inoperabel. Die Betroffene lebt mit einem künstlichen Darmausgang und wird komplett über die Vene ernährt, indem die Nährlösung über einen Port-Zugang über dem Schlüsselbein läuft. Sie weiß, dass ihre Lebensuhr nicht mehr lange ticken wird, deshalb möchte sie jeden Tag genießen – in den eigenen vier Wänden und nicht im Krankenhaus. „Jeder Tag ist wertvoll und sollte deshalb bewusst gelebt werden“, betont die Patientin. Jeder Mensch habe nur eine bestimmte Zeit zum Leben und diese sollte sinnvoll genutzt werden.

Jeder Tag ist wertvoll und sollte deshalb bewusst gelebt werden.

Palliativpatientin aus Coppenbrügge

Die Zeit, die ihr noch bleibt, möchte sie zu Hause so schmerzfrei wie möglich verbringen. Gern nimmt sie deshalb die spezialisierte Versorgung des Palliativstützpunktes Hameln-Pyrmont und die damit verbundene Schmerztherapie in Anspruch. Die Palliativmedizin richtet sich an Menschen mit fortschreitenden, nicht heilbaren Erkrankungen. Diese Versorgung zielt insbesondere auf die Linderung belastender körperlicher und psychischer Beschwerden, berücksichtigt individuelle Wünsche und ermöglicht die Begleitung und Versorgung in der gewohnten Umgebung – mit dem Ziel, dem Schwerkranken eine bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen, so die Philosophie des Stützpunktes.

Dr. Thomas Kaluza hält die Notfallbox im Arm, die jeder Palliativpatient zu Hause erhält. Foto: sto

Der Stützpunkt wurde 2008 von einigen Ärzten in Hameln ins Leben gerufen. Ihm zur Seite steht der 2010 gegründete Verein, dessen ehrenamtliche Mitglieder die Fort- und Weiterbildung aller Beteiligten fördern und dafür Sorge tragen, den palliativ-medizinischen-Gedanken zu verbreiten. Zertifizierte Fachkräfte informieren schwerkranke Menschen und deren Angehörige über die spezialisierte Versorgung der Palliativmedizin. Durch die vom Stützpunkt koordinierte Zusammenarbeit mit Hausärzten, Fachärzten, Apotheken, Sanitätshäusern, Seniorenheimen, Ernährungsberatern und Medizintechnikern, Seelsorgern, Hospizen und Hospizvereinen sowie den Palliativstationen des Sana Klinikums Hameln und des Bathildiskrankenhauses Bad Pyrmont ist diese umfassende Versorgung möglich. Der Begriff „Palliativ“ stammt ab vom lateinischen Wort „Pallium“ und bedeutet „Mantel“. Durch die koordinierte Versorgung aller Beteiligten wird der schwer erkrankter Mensch sozusagen „ummantelt“.

Im Landkreis Hameln-Pyrmont und den benachbarten Landkreisen gibt es derzeit 16 Palliativärzte und diverse Palliativpflegedienste, die sich aktiv an der Versorgung schwerkranker Patienten beteiligen. Dr. Thomas Kaluza ist einer der Ärzte. Bis 2015 hat der Mediziner als Landarzt in Osterwald praktiziert, war parallel aber bereits als Palliativmediziner unterwegs. Er besucht die Patienten zu Hause, erkundigt sich nach deren Befinden, versorgt sie mit Schmerzmitteln, leistet Aufbauarbeit und nimmt sich Zeit. „Schmerztherapie ist nicht alles“, betont die Patientin. Sie freue sich auf jeden Besuch des Arztes. Die Gespräche und die Zeit, die er ihr schenke, seien Balsam für die Seele. Eine Angehörige der Patientin bringt es auf den Punkt: „Palliativ-Pflege ist nicht nur eine wertvolle Hilfe für todkranke Patienten, sondern auch ein wertvolles Geschenk für alle liebenden Angehörigen.“ Für Dr. Kaluza ist seine Tätigkeit als Palliativmediziner ein Geben und Nehmen. „Ich begleite die Menschen auf ihrem letzten Lebensweg, höre ihnen zu, weiß um ihre Ängste und verbringe Zeit mit ihnen, sie wiederum schenken mir neue Erfahrungen und lehren mich, dass das Leben endlich ist“, betont der Arzt. Als Palliativmediziner des Palliativstützpunktes ist er vorwiegend im Einsatz in den Regionen Coppenbrügge und Salzhemmendorf.

Info: Details zum Palliativstützpunkt Hameln-Pyrmont sind im Internet zu finden unter www.palliativstuetzpunkt-hameln-pyrmont.de. Auch Vorträge sind möglich, wie vor einiger Zeit bei Senioren- und Behindertenbeirat Coppenbrügge durch Saskia Tebs, eine der Koordinatorinnen des Palliativ-Stützpunktes. „Wir haben viel erfahren über die Arbeit des Stützpunktes und der Palliativmedizin“, bilanzierte Horst Wollenberg, der Vorsitzende des Beirats.



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