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Modernes im historischen Ambiente

Wie aus der Alten Molkerei eine Geschenkfabrik wurde

EIME. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Molkerei gegründet. Mit dem großen Molkereisterben der 1960er Jahre kam auch das Aus für die Produktion in Eime. Heute kann man in dem Gebäude Mode- und Wohnaccessoires kaufen und auch Veranstaltungen besuchen. Ein Blick in die Geschichte.

veröffentlicht am 15.04.2019 um 18:28 Uhr
aktualisiert am 15.04.2019 um 21:00 Uhr

Einige Gegenstände aus dem Besitz der Molkerei sind noch heute vorhanden, wie zum Beispiel die alte Milchflaschen-Kiste. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Als vor einem halben Jahrhundert im Zuge des großen Molkereisterbens auch in Eime die Lichter für die Molkereigenossen ausgingen, ahnte sicher niemand, dass gerade die zündende Idee von Johann Hörmann, eine Kerzenmanufaktur zu eröffnen, den Fortbestand des Standorts sichern sollte. Und Milch spielt bis heute in dem ortsbildprägenden Gründerzeit-Klinkerbau eine Rolle – zumindest als Schaum auf dem Latte macchiato.

Doch alles der Reihe nach: Bereits 1339, also schon vor 680 Jahren, hatte man in Eime die Idee, eine Molkerei zu gründen, wie aus der von Rolf Möbius überarbeiteten Festschrift zum 750. Ortsjubiläum aus dem Jahr 1959 zu erfahren ist. Mit der Umsetzung ließ man sich im Leinebergland allerdings über 550 Jahre Zeit. Erst 1890 wurde die Idee wieder aufgegriffen und in die Tat umgesetzt.

Am 18. Oktober 1892 eröffnete die Molkerei am Ortseingang des Fleckens Eime und bereits am ersten Tag wurden 3000 Liter Milch angeliefert, ist aus der Molkereigeschichte überliefert. Um die Molkerei Eime zu betreiben, gründete sich eine Molkereigenossenschaft, der die Dörfer Sehlde, Esbeck, Deilmissen, Deinsen, Dunsen, Marienhagen, Mehle, Benstorf, Oldendorf, Ahrenfeld, Osterwald, Quanthof und Rittergut Heinsen angehörten – aus heutiger Sicht also ein landkreisübergreifendes Projekt. 1958 galt die Molkerei als Musterbetrieb, denn über die Jahrzehnte wurde immer weiter investiert, modernisiert und die Technik dem neuesten Stand angepasst.

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So sah es im Herstellungsraum für Camenbertkäse aus. Foto: pr

Obwohl der Betrieb in Eime lange Zeit zu den modernsten Molkereien Deutschlands zählte, hat er nie die notwendige Größe erreicht, um nicht dem großen Molkereisterben der 1960er-Jahren zum Opfer zu fallen. Ende 1968 musste der Betrieb eingestellt werden, denn mit den modernen Großmolkereien konnte der regionale Betrieb nicht konkurrieren. Das Gebäude an der Neuen Straße fiel in einen Dornröschenschlaf. Erweckt wurde es 1990 von Johann Hörmann. Er kaufte die alte Molkerei in Eime und gründete darin die Firma „neuekerze“, um Kerzen mit besonderen Effekten und schönem Design herzustellen.

1994 übernahm sein Sohn Joyce-Philipp Hörmann die Firma und eröffnete im selben Jahr einen Werksverkauf in den Räumen der alten Molkerei. Doch genau wie die Milchverarbeitung hatte auch die Kerzenherstellung in Eime seine Zeit. Als die Produktion ausgelagert wurde, verblieb nur noch der Fabrikverkauf in Eime und der freiwerdende Platz bot Raum für neue Ideen. Mit der Jahrtausendwende wird aus dem Werkverkauf eine Geschenkfabrik, die bis heute im Wachstum begriffen ist und deren Angebot sich an den wechselnden Mode- und Wohnaccessoires-Trends orientiert.

Der Bereich Feinkost mit vielen eigenen Köstlichkeiten rundet das Angebot ab. Saisonal sind bis zu 30 Mitarbeiter in der Alten Molkerei beschäftigt. Auf 600 Quadratmetern werden neben dem Verkauf auch Events und Veranstaltungen angeboten, wie zum Beispiel die Acoustic Night am Freitag, 30. August, unter anderem mit dem heimischen Singer-Songwriter Nick March. Seit 2003 gibt es auch wieder Milch in den Mauern der alten Molkerei, anfangs in der Espresso-Bar, heute im Lounge-Bereich des kleinen Milchcafés.

Im Sommer können die Gäste zusätzlich auf der alten Anlieferrampe für die Milchkannen Platz nehmen, die zur Terrasse umgestaltet wurde, um sich eine Auszeit draußen im Schatten der alten Linden zu gönnen. Auch sie haben die Eimer Molkerei über all die Jahrzehnte ihres Bestehens begleitet. Das in die Verkaufsfläche integrierte kleine Cafe bietet Milch nicht nur als krönenden Schaum auf dem Kaffee, sondern auch in vielen anderen leckeren Varianten an, wie zum Beispiel als fruchtigen Milchshake oder leckere Sahnetorte.

Die wird übrigens bei der Diakonie Himmelsthür in Osterwald frisch für das Milchcafé gebacken. „Alte Molkerei“ heißt der Hörmann'sche Betrieb erst seit dem 20-jährigen Bestehen des Betriebs in dem historischen Eimer Gebäude im Jahr 2010.

Wer einen Blick in das ortsbildprägende Gebäude werfen möchte, die Alte Molkerei hat dienstags bis samstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.



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