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Im Ortsrat genauso viele Befürworter wie Gegner – doch alle eint Sorge um Steinerquelle

Widerstand gegen Steinbruchpläne bröckelt

Salzhemmendorf (hen). Der geballte Widerstand der Salzhemmendorfer gegen die Pläne für den Steinbruch „Borela“ scheint zu bröckeln: Im Ortsrat wurden nicht nur aus den gut gefüllten Zuhörerreihen entsprechende Stimmen laut, auch einige Politiker zeigen Verständnis für das Vorhaben des Unternehmens. „Jeder will Geflügelfleisch essen, aber keiner will den Stall vor seiner Tür haben“, sagt Henning Pieper (CDU): „Ich sehe das globaler, obwohl ich hier zu Hause bin.“ Er wolle sich keine „ideologisch vorgefertigte Meinung“ aufzwingen lassen. Der Wunsch nach Rohstoffsicherung, den Rheinkalk mit der Ausweitung der Vorrangfläche von Borela um 21 Hektar hegt, sei berechtigt. Zwar teile er die Sorge um die Wasserversorgung, aber er wisse auch, „welche Genehmigungsverfahren noch nötig sind“. Pieper sagte, er habe Vertrauen in das Unternehmen.

veröffentlicht am 25.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:21 Uhr

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Karsten Appold (Grüne) hielt dagegen, dass es sich bei dem Gebiet, das wie berichtet im Entwurf zur Änderung des Landesraumordnungsprogramms (LROP) aufgenommen wurde, um eine „Riesenfläche“ handele: „Das ist der Türöffner für einen großflächigen Abbau. Aus zwei kleineren Steinbrüchen wird dann ein großer.“ Es würden Löcher von einem „gigantischen Ausmaß“ geschaffen. Appold gab zu bedenken, dass „die Belastungen durch den Betrieb hier im Ort nicht unerheblich sind“ und nannte erneut die Störungen durch Qualmwolken, die an manchen Tagen vom Werk ausgehend durch den Ort ziehen. Werksleiter Michael Joswig hatte beim Ortstermin am Samstag eingestanden, dass der „Ofentyp nicht der modernste“ ist. Auch die hohen Reparaturkosten, die die Gemeinde für die Bahnübergänge aufbringen muss, obwohl die Strecke von Rheinkalk genutzt wird, waren erneut genannter Kritikpunkt.

Doch es gab auch andere Stimmen im Ortsrat: Folkart Müller (CDU) bekannte, er würde nicht in Salzhemmendorf leben, wenn sein Großvater nicht einst wegen des Steinbruchs hierhergekommen wäre. Insofern sei er quasi befangen – als Argument für die Erweiterung nannte Müller die Sicherung der 21 Arbeitsplätze. Joachim Hagenhaus, Betriebsrat im Salzhemmendorfer Werk, appellierte in der Bürgeranhörung an die Politiker: „Keiner spricht von den Leuten, die da angestellt sind, und bei den Firmen, die wir beliefern.“ Ein anderer Einwohner warf ein, er würde „die ganze Aufregung nicht verstehen“. Es gebe genug Beispiele, wie sich der Wald alte Steinbrüche „zurückgeholt“ habe, und meinte: die Natur regele das nach Nutzungsende selbst. Vertreter von Rheinkalk verdeutlichten im Ortsrat noch einmal ihre Ziele, und Uwe Stichling, zuständig für Umweltschutz und Genehmigungen, versicherte: „Wir bewegen uns auf dem Boden rechtlicher Vorgaben.“

Befürworter wie Gegner eint die Sorge um die Steinerquelle und damit um die Wasserversorgung. Auch Folkart Müller teilt sie und forderte: „Wasserrechtlich müssen alle Haken und Ösen ausgeschaltet sein.“ Unter dieser Maßgabe würde er einer positiven Stellungnahme des Fleckens Salzhemmendorf zustimmen. Am Ende votierten vier Ortsratsmitglieder für die Verwaltungsvorlage, in der es heißt, Salzhemmendorf stimme „der im Entwurf des LROP dargestellten Erweiterung des Vorranggebietes zu, wenn sichergestellt wird, dass die Belange der gesicherten Wasserversorgung des Ortsteils Salzhemmendorf sowie des Umwelt- und Naturschutzes beachtet werden“. Ebenfalls vier Politiker stimmten mit Nein, und bei einer Enthaltung ist die Vorlage vom Ortsrat damit formell abgelehnt.

Es bleibt spannend, wofür sich am Ende eine Mehrheit formiert. Abschließende Beratungen gab es weder bei der Gruppe noch der SPD, sie sollen jeweils nächsten Dienstag erfolgen. Der Verwaltungsausschuss tagt am 2. Dezember, bevor der Rat am 9. Dezember ein endgültiges Meinungsbild in diesem Beteiligungsverfahren abgeben wird.

Die Stellungnahme der Gemeinde wird dem Land direkt übermittelt, der Landkreis über den Inhalt informiert. Wie berichtet, wollen die Kreispolitiker am 14. Dezember ihr Votum abgeben – angepasst an die Stellungnahme aus Salzhemmendorf.

Der Steinbruch „Borela“ ist Gegenstand politischer Diskussionen, nachdem in der Änderung des Landesraumordnungsprogramms eine Erweiterung des Vorranggebietes um 21 Hektar vorgesehen ist.

Foto: hen



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