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Viele Jugendliche leiden unter Kopfschmerzen / Informationsabend der Initiative „Schmerzlos“ in der KGS

Wenn Schülern der Schädel dröhnt

Salzhemmendorf/Coppenbrügge. Es wummert, bohrt oder pulsiert, manchmal kommen auch Wahrnehmungsstörungen oder Übelkeit hinzu: Kopfschmerzen haben rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland mehr oder weniger stark im Schraubstock-Griff – viele davon nur kurz, manche aber auch tagelang. Kinder und Jugendliche sind mittlerweile ebenso häufig betroffen wie Erwachsene: Vier von fünf Schülern leiden zumindest gelegentlich an Kopfschmerzen, belegen Studienzahlen aus München und Greifswald.

veröffentlicht am 15.04.2015 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Andrea Barthélémy
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Kopfschmerzen und Migräne erzeugen einen großen Leidensdruck und beeinträchtigen deren Lebensqualität – auch bei Schülern. Häufige Schmerzen können schlechtere Leistungen bis hin zum Schulausfall nach sich ziehen und den Alltag erheblich erschweren.

„Viele Eltern, Lehrer und die Jugendlichen selbst nehmen Kopfschmerzen oftmals nicht ernst, bagatellisieren sie oder wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, gerade während des Unterrichts. Dadurch riskieren sie vor allem bei regelmäßig wiederkehrenden Schmerzen eine Chronifizierung“, erklärt Prof. Stefan Evers, Chefarzt der Neurologischen Klinik im Krankenhaus Lindenbrunn in Coppenbrügge. „Die Prävention von Kopfschmerzen muss schon in der Schule beginnen“, betont Prof. Andreas Straube vom Uniklinikum München. Seit den 70er Jahren habe sich die Zahl der jungen Kopfschmerzpatienten etwa vervierfacht. Mädchen seien fast zweieinhalbmal so oft betroffen wie Jungs – die Ursache dafür sei unklar. Klar hingegen sei, dass schon ein kurzes Aufklärungsprogramm in der Schule das Risiko für einige Arten von chronischem Kopfschmerz mindere. Das belege eine Studie aus Norwegen.

Zehn Prozent leiden unter Migräne

Menschen mit chronischen, also immer wiederkehrenden Kopfschmerzen, haben neuen Untersuchungen zufolge oft generell eine veränderte Schmerzwahrnehmung, eine Übererregbarkeit. „Die zentralen Verarbeitungssysteme sind dysreguliert“, erläutert Prof. Hans-Christoph Diener von der Uniklinik Essen. So leiden Migräne-Patienten häufig an einer Überempfindlichkeit der Haut (Allodynie), bei der schon jede Berührung als Schmerz empfunden wird.

Professor Stefan Evers, Chefarzt der Neurologischen Klinik im Krankenhaus Lindenbrunn, informiert ,

Wissenschaftler aus Holland berichten darüber, dass auch Patienten mit Depressionen doppelt so häufig wie andere Menschen an einer solchen Überempfindlichkeit leiden. Dieser gemeinsame Mechanismus zeige einmal mehr, dass bei Kopfschmerzen oft zugleich weitere Krankheiten behandelt werden müssten, betont Diener, am besten in einem integrativen Therapieansatz, zu dem auch Entspannungstechniken, psycho- oder bewegungstherapeutische Elemente gehören.

Die zehn Prozent der Deutschen, die unter Migräneattacken leiden, können zumindest mittelfristig auf neue Therapieansätze hoffen: So kann der Wirkstoff Triptan bald auch ohne Nadel und nur mittels Hochdruck durch die Haut injiziert werden. Der Wirkstoff DHE (Dihydroergotamin) kann künftig auch inhaliert werden – und soll so wesentlich besser wirken. Bei chronischer Migräne haben zwei große Studien zudem die lindernde Wirksamkeit von Botox nachweisen können. „Onabotulinumtoxin A wird dabei an 31 verschiedene Stellen des Kopfes injiziert“, so Diener. „Vermutlich werden dabei die Schmerzsignale unterbrochen.“ Die Migräneattacken pro Monat konnten in den Studien durch Botox deutlich reduziert werden. Auch gegen den schlimmsten aller Kopfschmerzen, den sogenannten Cluster-Kopfschmerz, gibt es eine neue Behandlungsmethode: Prof. Arne May vom Uniklinikum Hamburg berichtet von guten ersten Studienergebnissen mit einem Mini-Stimulator, der in den Oberkiefer implantiert wird und von dort aus bei Schmerzattacken ein Nervenbündel stimuliert – ausgelöst via Fernsteuerung per Handy.

Wie Kopfschmerzen allgemein und insbesondere bei Jugendlichen behandelt werden können und welche Formen der Vorbeugung es gibt, das wird Professor Stefan Evers am Montag, 20. April, im Rahmen eines Informationsabends in der Kooperativen Gesamtschule am Kanstein, Lauensteiner Weg 24, in Salzhemmendorf erläutern. Unterstützt wird er dabei durch die Initiative „Schmerzlos“. Der Infoabend ist öffentlich und beginnt um 19 Uhr. Im Rahmen des Infoabends werden auch die Ursachen und Auslöser von Kopfschmerzen besprochen. An Informationen und Angeboten, die speziell auf die Bedürfnisse von Jugendlichen mit Kopfschmerzen eingehen, mangelt es laut Evers derzeit in Deutschland. Aus diesem Grund sei im September 2013 von RB (Reckitt Benckiser) Deutschland in Zusammenarbeit mit renommierten Neurologen, Pädiatern und Schmerzexperten die Initiative „Schmerzlos“ ins Leben gerufen worden. Sie kläre über unterschiedliche Schmerzarten bei Jugendlichen und deren altersgerechte Behandlung (nicht medikamentös und medikamentös) auf. Darüber hinaus informiere die Initiative über Möglichkeiten der Prävention. Ausführliche Ratschläge zum Thema Schmerzen bei Jugendlichen gibt es auf der Webseite der Initiative unter der Adresse www.initiative-schmerzlos.de

Eine Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten der Ludwig Maximilian Uni von 2012 hat nach Angaben von Evers ergeben, dass mehr als 80 Prozent der 12- bis 19-jährigen Gymnasiasten unter Kopfschmerzen gelitten haben. „Jeder zehnte Schüler hat regelmäßig Kopfschmerzen“, sagt Jörn Simon, Sprecher der Techniker Krankenkasse Rheinland-Pfalz. Rund die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen litten auch noch im Erwachsenalter darunter. Aus diesem Grund sei es wichtig, so früh wie möglich nach Ursachen der Kopfschmerzen und Behandlungsmethoden zu suchen.



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