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Wallenser Eltern wollen Erstklässler in Salzhemmendorf anmelden / Genug Platz für drei Klassen

Wenn einer Schule die Schüler weglaufen

Wallensen (gök). Das Schulkonzept der Gemeinde Salzhemmendorf wirft seine Schatten voraus – es verscheucht nach und nach die zukünftigen Schüler.

veröffentlicht am 16.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:41 Uhr

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Das Grundschulentwicklungskonzept für den Flecken Salzhemmendorf sieht vor, die Ernst-Rudorff-Schule zum 30. Juni 2013 zu schließen. Die Schließung der Grundschule in Wallensen soll dann 2015 folgen, 2018 die Oldendorfer Schule. Die Eltern in Lauen-stein hatten bereits darum gebeten, dass die neuen Erstklässler im Sommer in Salzhemmendorf eingeschult werden (wir berichteten). Dieser Bitte hatte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung entgegen der ursprünglichen Planung, die neuen Erstklässler im Sommer noch in Lauen-stein einzuschulen, entsprochen. Für Wallensen gibt es keinen vergleichbaren Beschluss. Für die neuen Erstklässler des Schuljahrgangs 2012/2013 würde das bedeuten, sie müssten nach der dritten Klasse die Schule wechseln. Doch dazu wird es jetzt vielleicht gar nicht mehr kommen.

In der jetzigen ersten Klasse der Humboldt-Grundschule in Wallensen werden derzeit zwölf Schüler unterrichtet. Für die nächste erste Klasse im Sommer waren ursprünglich 14 Kinder für die Einschulung vorgesehen. Eine Idee, um den Unterricht für die geringe Schülerzahl weiter bewerkstelligen zu können, ist nun, die Kinder in einer sogenannten Kombiklasse jahrgangsübergreifend zu unterrichten. Nachdem Ende Januar die Meldung kam, dass zwei der ursprünglich 14 neuen Schüler nicht in Wallensen, sondern in Salzhemmendorf angemeldet würden, lud Schulleiterin Silke Stenger Anfang Februar zu einem Elternabend in der Kindertagesstätte Stoppelhopser ein, um die Eltern zu informieren. Dabei wurde das erste Mal über jahrgangsübergreifenden Unterricht diskutiert. Bei diesem Elternabend erhielt Stenger aber auch noch vier weitere Abmeldungen, sodass nur noch acht Kinder für die Einschulung in Wallensen vorgesehen waren. Diese Schülerzahl ging nach einer weiteren Informationsveranstaltung über jahrgangsübergreifenden Unterricht noch weiter zurück. Bis auf zwei Eltern, die laut Stenger ebenfalls noch über eine Einschulung ihrer Kinder in Mehle nachdenken, entschieden sich schließlich alle, ihre Kinder im Sommer in Salzhemmendorf und eventuell in Mehle einschulen zu lassen. Für Salzhemmendorf würde das bedeuten: Mit den zwölf Wallenser Kindern wären es als Maximalzahl 62 Kinder, die in der Grundschule eingeschult werden würden. Einige der Kinder sind sogenannte „Kann-Kinder“, bei denen es auch die Option gibt, sie noch ein Jahr länger in den Kindergarten gehen zu lassen. Zwei statt wie bislang geplant drei erste Klassen könnten demnach in Salzhemmendorf gebildet werden. Platz für drei Klassen gäbe es, sagt Susanne Koops, Schulleiterin der Grundschule Salzhemmendorf. „Sollten noch mehr Räume benötigt werden, würden wir uns auch noch mehr Gedanken machen. So könnte man beispielsweise auch den Computerraum als Klassenraum nutzen, wenn man im Computerunterricht auf Netbooks umsteigt.“

Für Wallensen hätte das den Vorteil, dass die jetzige erste Klasse in Wallensen in ihrem Klassenverband bestehen bleiben könnte. Ein Wechsel dieser Klasse nach der dritten Klasse an eine andere Schule wäre jedoch wahrscheinlich, sagt die Wallenser Schulleiterin Silke Stenger. „Die Eltern der Kinder werden nicht wollen, dass dann nur noch die zwölf Kinder im letzten Jahr die Grundschule mit Leben füllen. Rein organisatorisch wäre das auch schwer umzusetzen, da sich ein einzelner Lehrer nicht zeitgleich um alles kümmern kann.“ Nach derzeitigem Stand rechnet Stenger damit, dass die jetzige zweite Klasse die letzte Klasse in Wallensen sein wird, die regulär ihr viertes Jahr auch in Wallensen beendet. „Mit der Veröffentlichung des Schulentwicklungskonzeptes hat die Zukunft der Grundschulen zu bröckeln begonnen.“ Viele Eltern schrecke es ab, wenn ihre Kinder auf zwei verschiedene Schulen gehen. Sie würden dann lieber gleich woanders einschulen. „Das verändert die Zahlen. Das könnte das Entwicklungskonzept unter Umständen entscheidend verändern.“

Die Aktiven Bürger hatten sich vor dieser Entwicklung in Wallensen schon Gedanken um ein neues Grundschulentwicklungskonzept gemacht. So wurden viele Gespräche mit den Universitäten in Göttingen und Hildesheim geführt. „Die Uni in Göttingen attestierte uns dabei beste Voraussetzungen für jahrgangsübergreifenden Unterricht auch über das Jahr 2015 hinaus. Doch mit der Abwanderung der Wallenser Eltern wurden etwaige Überlegungen jetzt eingestellt. Wenn die Eltern nicht dahinterstehen, macht das keinen Sinn“, bedauert Jens Kottlarz.

Im Rahmen seiner Bereisung der Kindertagesstätten und Schulen kam nun auch der Schulausschuss des Fleckens Salzhemmendorf nach Wallensen. Dieser sieht sich allerdings noch nicht in der Pflicht, Entscheidungen zu treffen. „Wir von der Politik sind noch nicht im Boot. Zuerst müssen die Eltern entscheiden, was sie wollen“, sagen Manfred Roth, Karl-Heinz Grießner (beide SPD) und Dr. Wilhelm Koops (Grüne). Wenn es weiter so bleibe, dass niemand seine Kinder zur Grundschule in Wallensen anmelden will, müsse nach den Osterferien über die Zukunft der Grundschule in Wallensen entschieden werden. „Dann wäre es wahrscheinlich, dass die Schule schon 2014 ihre Pforten schließen wird.“

Vielleicht wird in der Wallenser Schule niemand mehr eingeschult.

Foto: gök



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